Fulminanter Start des neuen IEA Exekutiv-Direktors Fatih Birol

Vom 7. bis 8. Oktober 2015 fand das erste Governing Board der Internationalen Energie Agentur IEA unter der Leitung des am 1. September angetretenen neuen Exekutivdirektors Fatih Birol statt. Birol leitete zuvor als Chefökonom die Flagschiff-Publikation der IEA, den World Energy Outlook, und wurde bereits in dieser Funktion als das „Gesicht“ der Organisation wahrgenommen. Seine Wahl war im Frühsommer einstimmig erfolgt, nachdem er von etlichen Mitgliedstaaten und Koryphäen der weltweiten Energieszene für eine Kandidatur ermuntert worden war.

Birol präsentierte am Governing Board sein Programm. Nach jahrelangen internen Debatten unter Mitgliedstaaten, wie die energiegeopolitisch unumgänglichen Schwellenländer verstärkt in die Arbeiten der IEA einbezogen werden sollen, entschied sich Birol für eine resolute Vorwärtsstrategie. Seine erste Auslandreise brachte ihn nach Beijing, wo mittlerweile kein energiepolitischer Entscheid ohne weitreichende Auswirkungen auf den Rest der Welt bleibt. Auch überlegt sich China als Vorsitz des G20 2016, wie die weltweite Energie-Gouvernanz aufgebaut werden soll. Weiteres Zaudern kann also keine Option für die IEA sein. Die zweite Hauptstossrichtung von Birols Programm ist die Positionierung der IEA in einer sich energietechnologisch schnell wandelnden Welt. Birol will die Agentur stärker auf neue Technologien und Energieeffizienz ausrichten. Bereits Mitte November will Birol von der Ministerkonferenz der IEA offizielle Mandate einholen, um:

  1. einen Assoziierungsprozess mit China, Indonesien und Indien anzustossen (Vollmitglieder können und wollen diese nicht werden). Mexiko, das bereits Mitglied der OECD ist, will der IEA beitreten. Brasilien und Südafrika dürften später nachziehen. Russland ist aufgrund der Ukraine-Krise politisch geächtet.
  2. die Ölpflichtlagervorschriften so zu reformieren, dass die Mechanismen von Nicht-Mitgliedern in diesem Bereich einbezogen werden können.
  3. die Befugnisse der IEA auf den internationalen Flüssiggasmarkt auszudehnen, in Anlehnung an EU-Regulierung und -Stresstest im Gasbereich.
  4. Die IEA-Minister werden einen Appell an die Klimakonferenz Anfang Dezember richten. Darin wird die Staatengemeinschaft aufgerufen, fünf IEA-Empfehlungen umzusetzen, um ein frühzeitigeres Peak der weltweiten Emissionen zu ermöglichen, nämlich: beschleunigter Ausbau von Erneuerbaren und Energieeffizienz, Abbau der Subventionierung von fossilen Energieträgern, Bann von nicht höchsteffizienten Kohlekraftwerken sowie Abfangen von ausweichendem Methan entlang der Energieinfrastruktur.

Weitere Reformen werden eingeleitet, um das Technologie-Netzwerk der IEA aufzuwerten und die langfristige Finanzbasis der Organisation zu sichern. Etliche Mitgliedstaaten waren vom forschen Tempo Birols aufgeschreckt, unterstützten diesen doch letztlich.

Jean-Christophe Füeg, Leiter Internationales Bundesamt für Energie