Der Marathon-Europameister von 2010 und Physiotherapeut Viktor Röthlin stattete dem Bundesamt für Energie (BFE) einen Besuch ab. In einem spannenden Referat zeigte er die positiven Auswirkungen von Bewegung, Erholung und richtiger Ernährung auf unser Berufs- und Privatleben. Im Interview erklärt er, weshalb er persönlich auf erneuerbare Energien setzt.

Herr Röthlin, was ist die Botschaft Ihres Vortrags?
Ich bin überzeugt davon, dass das Gesundheitsmanagement für jeden Menschen sehr wichtig ist. Einerseits für die eigene Lebensqualität und andererseits hat es auch Vorteile für die Arbeitgeber. Mitarbeitende, die sich mit der eigenen Gesundheit befassen, sind nämlich leistungsfähiger und seltener krank – eine klassische Win-win-Situation. Mein Vortrag hat deshalb auch den Titel „Mens sana in corpore sano – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.

Was raten Sie „Bürogummis“/Sportmuffeln?
Früher mussten die Menschen tagsüber körperlich hart arbeiten und sich am Abend davon erholen. Im Jahre 1908 wurden nur gerade 4 Prozent der Arbeiten sitzend erledigt, heute sind es 84 Prozent. Fast jeder sitzt beim Arbeiten. Dabei wird der Geist zwar müde, aber der Körper nicht. Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen sich in der Freizeit bewegen. Todesursache Nummer eins in der Schweiz sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn man sich regelmässig, also mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten bewegt, kann man das Risiko einer solchen Erkrankung erheblich reduzieren. Dabei muss es nicht unbedingt joggen sein, es reicht auch, beispielsweise zügig mit dem Hund spazieren zu gehen.

Sie waren mit ein paar BFE-Mitarbeitenden gerade eine halbe Stunde joggen. Wie fit sind sie?
Ich bin nicht positiv überrascht, denn ich habe erwartet, dass die Leute im Bundesamt für Energie fit sind (lacht). Es hat mich besonders gefreut, dass viele, die den Vortrag gehört haben, danach beim Lauf-ABC und der Joggingrunde mitgemacht haben.

Gibt es Parallelen vom Sport zur Energiepolitik?
Ich denke man kann die Energiepolitik gut mit dem Sport vergleichen, es scheint auch ein Marathon zu sein (schmunzelt). Es braucht bestimmt auch sehr viel Ausdauer, wenn man versucht, Herr und Frau Schweizer dazu zu motivieren, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen und den Energiehaushalt zu verbessern.

Spielen erneuerbare Energien in Ihrem Leben eine Rolle?
Um meinen Beruf als Marathonläufer auszuüben und Topleistungen zu erbringen, habe ich saubere Luft gebraucht. Deshalb habe ich schon immer versucht, ein Vorbild zu sein und Sorge zu tragen zu unserer Natur und den Ressourcen. Zum Beispiel heize ich mit einer Erdwärmepumpe und fahre ein Hybridauto. Mir geht es dabei um Verantwortung, Nachhaltigkeit und langfristiges Denken. Wir sollten Ressourcen so nutzen, dass sie auch der nächsten und überübernächsten Generation noch zur Verfügung stehen.

Wie sparen Sie im Alltag Energie?
Indem ich beispielsweise nie einen Lift benutze, sondern immer die Treppe hochgehe. Ich bin sowieso der Meinung, dass die Aufzüge nur für Gehbehinderte gemacht sind und alle anderen die Treppe nehmen sollten.

Sie sind also noch immer am liebsten zu Fuss unterwegs?
Ich muss zugeben, alles kann ich nicht zu Fuss erreichen. Ich denke aber, dass ich immer noch die Person in der Schweiz bin, die am meisten herumrennt. Insgesamt bin ich in meinem Leben schon dreieinhalbmal um die Erde gerannt. Der Laufsport wird mich auch in Zukunft noch weiter begleiten, denn ich laufe einfach fürs Leben gern.

Interview: Cédric Thuner, Hochschulpraktikant Bundesrats- und Parlamentsgeschäfte

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