Verwaltungs-Gärtchen-Denken und Plastik-Häuser


Den zweiten Hongkong-Tag starteten wir mit einem Panel beim bekanntesten Think-Tank der Stadt, Civic Exchange. Nach meiner Präsentation der schweizerischen Energieeffizienzansätze diskutierten wir zusammen mit der Chefin des Housing Departements, dem Chef von Schneider Electric Hongkong sowie einem unabhängigen Umweltkommentator mögliche Energieeffizienz-Strategien für eine dichtest besiedelte Stadt wie Hongkong: 7,1 Millionen Menschen leben hier auf einer Fläche in der Grösse des Kantons Uri . Meine Kollegin von der Verwaltung Hongkongs musste sich recht viel an Kritik anhören, weil die öffentlichen Wohnungen eine schlechte energetische Qualität aufweisen und entsprechend monatlich immense Beträge ans Elektrizitätswerk für die Kühlung bezahlt werden müssen. In diversen Gesprächen im Umfeld wurde klar, dass jede einzelne HK-Verwaltungsstelle nur für sich und ihre Ideen arbeitet. Gefragt wäre eine Bündelung aller Ansätze und die Kooperation über Departementsgrenzen, damit Planung  ganzheitlich gelebt und Gebäude als System und nicht nur als Ansammlung von kleinen gefängnisähnlichen Zellen verstanden werden.

Am Nachmittag durfte ich als Speaker an der Eröffnungsfeier der Eco Expo Asia einige Überlegungen zu den „smart“ (hier ein bereits abgelutschter Begriff) oder „wise“ Cities präsentieren. Anschliessend durchschnitten der Sekretär des Umweltdepartements, Mr. Wong Kam-Sing, Generalkonsulin Rita Hämmerli-Weschke und ich das Band zur Eröffnung des Schweizer Gemeinschaftsstandes, an dem verschiedenste Firmen ihre Produkte und Technologien präsentieren. Zahlreich vertreten sind die Schweizer Anbieter mit Lösungen für die Abfall- und Abwasserprobleme. An der Ausstellung selbst fand sich vieles unter den Begriffen „Green“, „Eco“ und „environment-friendly“, was bei uns schon lange nicht mehr unter diesen Bezeichnungen durchgehen würde: Höhepunkt ist wohl ein von ETH-Professor Gerhard Schmitt beim Rundgang entdecktes echtes Plastik-Haus, das bei uns allenfalls im Kleinformat als Spielzeug in Kinderzimmern zu finden ist.

Walter Steinmann, BFE-Direktor

Bild: von links Urs Heutschi (Standleiter), Generalkonsulin Rita Hämmerli-Weschke, Sekretär Wong Kam-Sing, Walter Steinmann und ein Vertreter der Firma Disoil
Bild: von links Urs Heutschi (Standleiter), Generalkonsulin Rita Hämmerli-Weschke, Sekretär Wong Kam-Sing, Walter Steinmann und ein Vertreter der Firma Disoil