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Drei Stellschrauben für erfolgreiche Elektrizitätsgemeinschaften


Mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes dürfen  Nachbarschaften seit dem 1. Januar 2026 ihren Solarstrom über Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) teilen. Als Anreiz winkt ein um bis zu 40 Prozent reduzierter Netztarif. In ökonomischen Modellen und Simulationen mit Schweizer Smart-Meter-Daten zeigt sich: Eine gut ausgestaltete LEG kann die Stromkosten deutlich senken. Aber diese Vorteile entstehen nicht automatisch, sondern hängen von drei zentralen Faktoren der konkreten Umsetzung ab.

Dynamische statt pauschale Preise

Wer wie stark von einer LEG profitiert, hängt wesentlich von den Preisen ab, zu denen der Strom innerhalb der Gemeinschaft gehandelt wird. Bei tiefen Preisen profitieren vor allem die Strombezüger und -bezügerinnen, bei hohen Preisen sind es vor allem die PV-Anlagen-Besitzenden.

Bei konstanten Verrechnungspreisen optimieren die Teilnehmenden ihren Eigenverbrauch. Das ginge auch ohne LEG; die LEG bleibt dann bloss eine gemeinsame Abrechnung, und die lokalen Verbräuche ändern sich kaum.

Erst dynamische, knappheitsabhängige Preise machen lokalen Handel attraktiv, PV-Anlagen ertragreicher und rechtfertigen damit den reduzierten Netztarif. Der Rabatt sollte deshalb an solche Preissignale geknüpft sein. Eine Nebenwirkung gibt es allerdings: Flexible Teilnehmende wie Speicherbesitzer erhalten hiermit (je nach Grösse) Preissetzungsmacht und können gezielt die Preise hochtreiben, und so den Strom für die anderen verteuern. Das Gegenmittel ist Wettbewerb: Sind die Speicher auf mehrere unabhängige Eigentümer verteilt, verschwindet der Effekt weitgehend.

Wer zahlt die Batterie?

Auch mit dynamischen Preisen sind Batteriespeicher oft nicht rentabel, wenn sie ihre Kosten allein über Preisunterschiede beim Stromhandel decken müssen. Je mehr Batterien eingesetzt werden, desto kleiner werden diese Preisunterschiede – und desto geringer wird der Verdienst der Speicherbetreiber. Dadurch wird weniger Speicherkapazität gebaut, als eigentlich sinnvoll wäre.

Eine mögliche Lösung sind zusätzliche Finanzierungsmodelle. So könnten reine Stromverbraucher eine feste Gebühr bezahlen, die den Betreibern von Batteriespeichern zugutekommt. Werden solche Beiträge zu stark begrenzt, sinkt jedoch der Anreiz, in neue Speicher zu investieren.

Plattformen als Gatekeeper

Wer eine Plattform betreibt, kann die Regeln bestimmen und dadurch Einfluss auf den Markt nehmen. Das zeigt sich bei vielen digitalen Plattformen. Bei Lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) sollte deshalb verhindert werden, dass einzelne Anbieter zu viel Macht erhalten. Wichtig sind unter anderem die einfache Mitnahme von Daten beim Anbieterwechsel, kurze Vertragslaufzeiten, die problemlose Zusammenarbeit verschiedener Systeme sowie klare Regeln gegen die Bevorzugung eigener Stromangebote durch Plattformbetreiber.

Fazit

LEG können viel mehr sein als ein Rabatt auf den Netztarif, aber nicht von allein. Entscheidend sind dynamische Preise, eine faire Speicherfinanzierung und Leitplanken gegen digitale Marktmacht. Da die LEG seit Anfang des Jahres in Betrieb gehen, lohnt es sich, die Weichen richtig zu stellen.

Der Beitrag beruht auf dem BFE-Forschungsprojekt SI/502525 und den daraus entstandenen wissenschaftlichen Arbeiten.

Die Forschungsarbeiten befinden sich derzeit bei verschiedenen Fachzeitschriften im Peer-Review. Wir teilen sie gerne auf Anfrage (nicolas.greber@swiss-economics.ch):

  • Market Power and Platform Design in Decentralized Electricity Trading (Nicolas Eschenbaum, Nicolas Greber)
  • Who Pays for the Battery? Why Energy-Only Settlement Cannot Finance Community Storage (Nicolas Greber)
  • Peer-to-Peer Electricity Platforms with Endogenous Prices: A Multi-Agent Neural Network Control Approach (Nicolas Greber, Nicolas Eschenbaum, Oleg Szehr)
  • Market Power of Digital Energy Intermediaries: A Framework for Identifying Competition Risks (Nicolas Greber, Nicolas Eschenbaum)

Text:
Nicolas Greber, Economist bei Swiss Economics und Doktorand an der Universität Zürich
Nicolas Eschenbaum, Managing Economist bei Swiss Economics
Photo: Shutterstock, Asset-ID: 1111142774; Visual Arts Sobotkiewicz

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