Die Aufbereitung von Warmwasser fällt beim Energieverbrauch von Haushalten immer stärker ins Gewicht. Mit Hilfe von Eco-Wasserarmaturen mit der Funktion «Mittelstellung Kaltwasser», welche in der Grundposition reines Kaltwasser liefern, können die CO2-Emissionen wirksam gesenkt werden. Dies zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Hochschule Luzern und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Die Eco-Wasserarmaturen wurden ausserdem im Hinblick auf die Nutzerakzeptanz untersucht.

 

«Mittelstellung Kaltwasser» kurz erklärt:

In der Mittelposition liefert die Armatur reines Kaltwasser. Dreht man den Hebel um bis zu 90° nach links, fliesst wie gewohnt Warm- bzw. Mischwasser aus der Leitung (siehe Grafik). Das gleiche Prinzip funktioniert auch bei Armaturen, welche den Regler an der Seite verbaut haben und nach oben und unten gesteuert werden können. Viele Hersteller von Wasserarmaturen haben bereits solche Modelle in ihrem Sortiment. Jedoch wurden herstellerspezifische Namen dafür entwickelt, z.B. CoolFix (KWC), CoolStart (hansgrohe) oder Eco+ (Similor).

 

 

Dr. Benoit Sicre von der Hochschule Luzern ist Spezialist für Nutzerakzeptanz im Bereich Gebäudetechnik und Projektleiter der Studie. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Was ist der Sinn und Zweck einer Armatur mit der Funktion «Mittelstellung Kaltwasser»?

Aus praktischen und ästhetischen Gründen ist der Hebel meist in der Mitte, wodurch bei herkömmlichen Armaturen immer auch Warmwasser bezogen wird. Gerade bei Kurzentnahmen wird häufig Wasser aufgeheizt, das den Benutzer nie erreicht. Das aufgeheizte Wasser kühlt dann in der Leitung wieder ab. Die «Mittelstellung Kaltwasser»-Armatur soll verhindern, dass der Hebel in der Grundposition bereits Warmwasser liefert. Die Nutzerinnen sollen sich bewusst dafür entscheiden, ob sie Warmwasser möchten oder nicht. Davon profitiert am Ende nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie.

Konnte durch die Armaturen tatsächlich der Energieverbrauch gesenkt werden?

Die Auswertung der Messdaten zeigte, dass die Eco-Armaturen ein beträchtliches Einsparpotenzial aufweisen: Pro Armatur konnte der Warmwasserverbrauch (und somit der Energieverbrauch) in der untersuchten Wohnsiedlung im Durchschnitt um 20% bis 30% reduziert werden, bezogen auf den Verbrauch der einzelnen Entnahmestellen (Spültisch in Küche, Waschtisch in Bad). Der totale Warmwasserverbrauch der Wohnungen, Duschen und Baden mitinbegriffen, konnte mit den neuen Armaturen im Durchschnitt um knapp 5% reduziert werden. Allerdings hat die Messkampagne auch gezeigt, dass die mittels «Mittelstellung Kaltwasser»-Armatur erzielte Einsparung stark vom individuellen Verhalten abhängt.

Wie war die Akzeptanz der Armaturen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern?

Der Komfort bleibt mit der Funktion «Mittelstellung Kaltwasser» gleich. Neben dieser Funktion verfügten die Armaturen auch über eine Sparfunktion. Das heisst, sie weisen einen etwas geringeren Durchfluss auf, es fliesst also weniger Wasser pro Minute als bei der alten Armatur. Viele Haushalte stören sich an der längeren Wartezeit bis warmes Wasser austritt, was bei den Teilnehmenden oft zu einem Gefühl des Wasserverschwendens führte. Tatsächlich wird aber nicht mehr Wasser als vorher verschwendet, da weniger Wasser pro Minute fliesst. In Zukunft muss dies beim Einsatz solcher Armaturen den Haushalten gut erklärt werden. Die «Mittelstellung Kaltwasser»-Armatur hat bei einigen Haushalten auch zu einem bewussteren Umgang mit Energie geführt. Reines Kaltwasser – also die Mittelstellung – wird nun von deutlich mehr Haushalten als Standardeinstellung genutzt.

Sie haben in den Wohnungen unterschiedliche Modelle von verschiedenen Herstellern verwendet. Sind manche Modelle besser als andere?

Die erzielten Einsparungen sind unabhängig von den verschiedenen Modellen. Jedoch haben die Auswertungen zur Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzern gezeigt, dass sich Armaturen mit elektronischer Touch-Steuerung negativ auf den Nutzungskomfort auswirken. Die Hersteller versicherten jedoch, die Funktionen zu verbessern.

Kosten diese Armaturen mehr als herkömmliche Modelle? 

Gemäss Aussagen einiger Hersteller sollten «Mittelstellung Kaltwasser»-Armaturen keine Mehrkosten gegenüber herkömmlicher Armaturen aufweisen, da der Aufbau ähnlich ist und die Differenz nur in der Patrone der Armatur steckt. Zudem gibt es «Mittelstellung Kaltwasser»-Armaturen in allen Preisklassen.

Wann würden Sie den Einsatz solcher Armaturen empfehlen?

Wir empfehlen den Hauseigentümerinnen und -eigentümern grundsätzlich den Einbau von «Mittelstellung Kaltwasser»-Armaturen bei Neubauten sowie bei bestehenden Häusern, sofern die Armaturen sowieso erneuert werden müssen. Aufgrund der Energieeinsparungen rechnet sich der Ersatz aus ökologischer Sicht schon nach kurzer Zeit. Wir können uns auch gut vorstellen, dass die Armaturen in Zukunft häufiger in der Gastronomie, in Hotels und in öffentlichen Einrichtungen zum Einsatz kommen.

Tipps und Tricks zum Sparen von Energie und Geld beim Warmwasser finden Sie bei EnergieSchweiz und in der Broschüre «Wasserspass – Energie sparen ohne Komfortverlust».

David Eyhorn, Fachspezialist Gebäude, BFE

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