Sie sind das zweit-beliebteste Gemüse nach den Karotten: Tomaten. Über 40’000 Tonnen davon wurden 2019 in der Schweiz produziert – in der Regel in Gewächshäusern, weil sie Regen nicht gut vertragen. Beheizt werden diese Gewächshäuser meist mit Heizöl oder Erdgas. 2040 soll in Gewächshäusern ohne diese fossilen Brennstoffe produziert werden. Das strebt der Verband der Gemüseproduzenten (VSGP) an.

Gewächshäuser können fixe Glasbauten mit festem Fundament sein oder sogenannte Folientunnel, in denen Tomaten, Gurken, Auberginen oder auch Salat angepflanzt wird. Total rund 470 Hektaren beträgt die Fläche. Allerdings werden in einem Gewächshaus im Lauf einer Saison mehrere Kulturen hintereinander angebaut. Der Boden wird also sozusagen doppelt oder dreifach genutzt.

Soll das Gemüse in einem Gewächshaus gut gedeihen, braucht es die richtige Luftfeuchtigkeit und auch die richtige Wärme. Und diese Wärme wird heute noch zu 90 Prozent mit Erdöl und Erdgas erzeugt. Laut VSGP verbrauchen die Gemüseproduzenten alles in allem rund 400 GWh an fossiler Energie. Das entspricht 40 Millionen Liter Heizöl und einem CO2-Ausstoss von gut 100’000 Tonnen. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus mit Ölheizung verursacht rund 5 Tonnen CO2.

«Ein Projekt mit Signal-Charakter»

Bis jetzt gibt es laut VSGP noch wenige Gewächshäuser, die an ein Fernwärmenetz angeschlossen sind oder die mit Holz oder Biogas beheizt werden. Das soll sich bis 2040 ändern. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, dass Gemüse in Gewächshäusern bis in 20 Jahren ohne fossile Brennstoffe produziert wird. Der Verband hat dazu eine Strategie ausgearbeitet, die EnergieSchweiz unterstützt hat.

Ein Projekt mit Signal-Charakter, das Ausstrahlung auf andere Branchen haben kann, sagt Erich Bötsch, Fachspezialist Industrie und Dienstleistungen im Bundesamt für Energie (BFE). Er betreut für EnergieSchweiz das Projekt des VSGP.

Wenn zuviel Schnee liegt

Das Ziel für einen fossilfreien Anbau in Gewächshäusern ist gesetzt. Eine Herausforderung auf dem Weg dahin ist das Spitzenlast-Problem.
Bei starken Kälteeinbrüchen, wenn zu viel Schnee auf dem Glasdach liegt oder wenn die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus zu gross ist, muss die Heizung stärker aufgedreht werden. Das ist an wenigen Stunden im Jahr (200-300h) nötig, verursacht aber 20 Prozent des Energieverbrauchs. Gleichzeitig muss diese Energie schnell verfügbar sein. Ein Heizsystem allein auf diese «Spitzenlast»-Zeiten auszurichten, ist laut VSGP unwirtschaftlich.

Diese «Spitzenlast»-Problematik abzudämpfen, wäre möglich, wenn man später im Jahr mit dem Kulturanbau im Gewächshaus beginnt. Oder wenn man tiefere Innentemperaturen während bestimmten Zeiten zulässt. Oder wenn man die Wände zusätzlich isoliert. Damit könnte die Spitzenlast um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Allerdings bergen diese Massnahmen auch Risiken: Die Pflanzen wären anfälliger auf Krankheiten. Es gäbe mehr 2.Klass-Ware. Die Erträge dürften sinken. Zu verhindern gilt es indes, dass zu viel Schnee auf dem Glasdach liegt, weil es einbrechen könnte.

Eine weitere Herausforderung auf dem Weg zu fossilfreien Gurken, Tomaten oder Auberginen ist die Düngung. Pflanzen brauchen für ihr Wachstum CO2. Bisher wurde das durch die Erdgas-Verbrennung entstandene CO2 genutzt. Künftig muss das aus einer anderen Quelle kommen.

Der VSGP hat nun eine Informations-Broschüre ausgearbeitet, die den einzelnen Mitgliedern die CO2-Ausstiegs-Strategie und mögliche Massnahmen aufzeigt.

Das Thema fossilfreie Gewächshäuser beschäftigt auch die Politik. Das Zürcher Kantonsparlament hat die Kantonsregierung beauftragt, eine Strategie für fossilfreie Gewächshäuser auszuarbeiten.

Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

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