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Im Rahmen des Projekts «Modelling the Swiss Gas Market in a European Context» wurde die Entwicklung der europäischen Erdgasversorgung und deren Rückwirkungen für die Schweiz untersucht. Zentral waren hierbei die Fragen rund um die Modellierung des europäischen und Schweizer Gasmarktes, der Versorgungssicherheit, der möglichen Ausgestaltung einer Marktöffnung und der Implementierung eines Entry-Exit Systems in der Schweiz. Das Projekt wurde vom Bundesamt für Energie im Rahmen des Forschungsprogramms Energie-Wirtschaft-Gesellschaft (EWG) unterstützt.

Um die Marktentwicklung und Versorgungssicherheit abzuschätzen, entwickelte das Forscherteam ein Modell, welches die europäischen und globalen Erdgasmärkte abbildet. Mittels einer Szenarioanalyse wurden dann unterschiedliche Netzausbauvarianten (Southern Gas Corridor, Nordstream 2), Versorgungsunterbrechungen (Russland-Ukraine) und mögliche Strategien zur Verbesserung der Versorgungssicherheit in Krisensituationen (Speichermanagement, langfristige Verträge) simuliert und analysiert. Dabei zeigen die Modellergebnisse, dass die existierende Netzinfrastruktur sowie die geplanten Ausbaumassnahmen ein generell hohes Versorgungsniveau in Europa und der Schweiz sicherstellen.

Eine hohe Abhängigkeit von russischen Importen besteht allerdings weiterhin – insbesondere in Osteuropa. Diese können auch mit den geplanten Ausbaumassnahmen nicht vollständig ausgeglichen werden. Um diesem Risiko begegnen zu können, ist die analysierte strategische Speichervorsorge eine kosteneffiziente Vorgehensweise. Bereits bei einer Reserve von 20% bis 30% des Gesamtspeichervolumen könnte ein viermonatiger Versorgungsunterbruch der russisch-ukrainischen Verbindung grösstenteils kompensiert werden, wenn die verschiedenen Speicher in Europa entsprechend effizient koordiniert werden. Für die Schweiz, welche über keine eigenen Produktions- oder Speichermöglichkeiten verfügt, ist dabei eine Koordination mit der EU sinnvoll. Da ca. 30% der Schweizer Gasnachfrage durch Zweistoffkunden (z.B. Erdgas- oder Ölbefeuerung möglich) erfolgt, verfügt die Schweiz über ein gewisses eigenständiges Flexibilitätspotential.

Bei der Analyse der Versorgungssicherheit zeigte sich zudem, dass einfache statische oder auf rein technischen Parametern und Strukturen beruhende Analysen der Versorgungssituation unzureichend sind, um die Dynamik während Krisenzeiten ausreichend abzuschätzen. Es empfiehlt sich daher, technische Sicherheitsbewertungen mit einer globalen Marktbewertung zu kombinieren, um die Verknüpfung von angebots- und nachfrageseitigen Dynamiken zu erfassen.

Für die Analyse der Ausgestaltungen einer Schweizer Marktöffnung wurde ein vereinfachtes Schweizer Entry-Exit Marktmodell entwickelt und verschieden Tarifoptionen analysiert. Die Ergebnisse zeigen dabei jedoch relativ wenig Unterschiede auf. Für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Gasmarktes sind die europäischen Marktpreise weiterhin der Haupttreiber. Allerdings ist aufgrund der sehr aggregierten Modellstruktur und der Nichtverfügbarkeit detaillierter Netzdaten die Aussagekraft des Modells limitiert.

Léo Chavaz und Hannes Weigt, Forschungsstelle Nachhaltige Energie- und Wasserversorgung Universität Basel sowie Jan Abrell, Centre for Energy Policy and Economics ETH Zürich

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