?

Die alljährliche Generalversammlung der International Renewable Energy Agency IRENA fand vom 12. bis 14. Januar 2018 zum achten Mal in Abu Dhabi statt. In gewohnter Manier zählte der Anlass rund 1200 Delegierte aus Mitgliedstaaten, Kandidaturen, Wirtschaft und NGOs. Das dreitägige Programm diente auch in diesem Jahr als internationale, konstruktive Diskussions-, Informations- und Austauschplattform für den Sektor.

Essenzielles Thema der diesjährigen Jahresversammlung waren, wie auch bereits im vergangenen Jahr, die ökonomischen Regungen innerhalb des Sektors. In allen Einzelveranstaltungen wurde dabei erneut ein besonderes Augenmerk auf die Themen der kontinuierlich sinkenden Kosten für die Erzeugung erneuerbarer Energien sowie der Steigerungspotenziale von Investitionen aus der Privatwirtschaft gelegt. Erstere werden u.a. als Indiz dafür gesehen, dass der Markt der Energieerzeugung vor einem Paradigmenwechsel stehen könnte, da die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energiequellen durch die Entwicklungen massgeblich gesteigert wird. Am kostengünstigsten zeigen sich derweil noch immer Wind- und Solartechnik, womit sich der Trend, der sich in den vergangenen Jahren bereits abzeichnete, weiter bestätigte.

Die kontinuierlich sinkenden Kosten nahm man allerdings auch als Anlass dafür, im Kollektiv auf gewisse Missstände bezüglich der damit zusammenhängenden politischen Strategien aufmerksam zu machen. Man war sich unter den Mitgliederstaaten einig, dass die sektoralen Entwicklungsszenarien dringend eine ebenso flexible, zeitgleiche Ausarbeitung und Anpassung der staatlichen Policies benötigten. Wie eine diesbezügliche Studie, die von IRENA, IEA und REN21 geführt wurde und im Frühling 2018 publiziert wird, zeigt, birgt insbesondere der Bereich des Endverbrauchs (d.h. Beheizung, Kühlung und Transport) ein bisher noch nicht ausgeschöpftes Strategieentwicklungspotenzial und erfordert deshalb verstärkte Aufmerksamkeit bei der Ausarbeitung von länderspezifischen Energieeffizienzstrategien.

Den Aspekt eines allgemeinen holistischen Rahmens soll man in Anbetracht der momentanen Dynamik der „Renewables“ nicht aus den Augen verlieren. Dies wurde zudem in Bezug auf Aspekte der sozialen Inklusion, etwa durch die Zugänglichkeit zu Strom, immer wieder hervorgehoben. Im Bewusstsein dessen, dass der dynamische Markt der erneuerbaren Energien und die damit einhergehende globale Importanz ständig wachsen, sieht sich die Weltgemeinschaft mit neuen sozio-ökonomischen Herausforderungen konfrontiert. In diesem Kontext stellt sich IRENA deshalb künftig der Frage, welche mögliche Auswirkungen die langfristige Energietransformation auf die Geopolitik hat. Dafür schaffte sie im Rahmen der diesjährigen Versammlung eigens die Global Commission on the Geopolitics of Energy Transformation. Die Kommission wurde mit der Unterstützung der Regierungen von Norwegen, Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emirate ins Leben gerufen und wird unter dem Vorsitz vom ehemaligen isländischen Präsidenten Ólafur Grímsson stehen. Sie soll sich diesem gewichtigen Thema mittels breit angelegter Studien und akademischen Analysen annehmen. Dadurch möchte sie essenzielle und innovative Beiträge im Feld der thematischen Debatte machen, die bisher mehrheitlich von Untersuchungen über die geopolitische Bedeutung von konventionellen Energieträgern wie Öl und Gas dominiert wurde. Der entsprechende Bericht soll im Rahmen der neunten Session der IRENA-Generalversammlung 2019 präsentiert werden.

Nicole Custer, Political Analyst, Embassy of Switzerland in the United Arab Emirates

Foto: IRENA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...