Investitionen in Erneuerbare: „Soft Costs“ reduzieren


Einer der entscheidenden Faktoren für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 (ES2050) ist die ausreichende Bereitstellung von Kapital zur Finanzierung erneuerbarer Energie-Projekte. Dank immer günstigerer Technologien (z.B. Wind) wird die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energie-Projekte zunehmend durch sogenannte „Soft Costs“ bestimmt. In einem zweijährigen Projekt untersuchte die Universität St. Gallen im Forschungsprogramm Energie Wirtschaft Gesellschaft des BFE, wie die Finanzierung erneuerbarer Energien erleichtert werden kann und somit die Ziele der Energiestrategie mit niedrigeren gesellschaftlichen Kosten zu erreichen sind.

Wesentliche Elemente von „Soft Costs“ sind die Prämie für politisches Risiko und die Kapitalkosten. Von politischen Risiken sind insbesondere Windenergie-Investoren betroffen. Typische Komplikationen im Planungs- und Genehmigungsprozess können die Kosten eines durchschnittlichen Windprojekts um 13 bis 49 Prozent erhöhen. Sollen politische Ziele auch in einem risikobehafteten Umfeld erreicht werden, stehen politische Entscheidungsträger vor der Wahl, entweder eine genügend hohe Risikoprämie zu zahlen oder das Problem an der Wurzel zu packen und politische Risiken zu reduzieren. Das grösste Risiko im aktuellen Umfeld ist aus Sicht der Investoren die Frage, ob heute geplante Windprojekte dereinst in den Genuss von Einspeisevergütungen kommen werden. Angesichts langwieriger Genehmigungsverfahren könnte das Auslaufen des heutigen Fördersystems im Jahr 2022 die Realisierung zahlreicher Windenergie-Investitionen gefährden.

Einen positiven Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit könnte die Einbeziehung von Investoren mit tieferen Kapitalkosten haben. In Wahlexperimenten untersuchten wir Gemeinsamkeiten und Unterscheide im Investitionsverhalten von Elektrizitätsversorgern (EVU) und Pensionskassenmanagern. Zwar haben institutionelle Investoren nicht systematisch tiefere Renditeerwartungen als EVU, doch können sie diese insbesondere bei der (Re-)Finanzierung bestehender Kraftwerke ergänzen. Sowohl EVU als auch institutionelle Anleger reagieren empfindlich auf Strompreisrisiken. Daher können politische Massnahmen, die Investoren ganz oder teilweise gegen schwankende Strompreise absichern (z.B. Einspeisetarife oder Einspeiseprämien), Investitionen in erneuerbare Energieprojekte wirksam erleichtern. Wenn sie dem vollen Strompreisrisiko ausgesetzt sind, verlangen EVU und Pensionskassen eine Risikoprämie von 5.98 bzw. 7.94 Prozent. Schliesslich entdeckten wir einen „Gleich und gleich gesellt sich gern“-Effekt: Energieversorger und institutionelle Investoren investieren gern mit ihresgleichen. Synergien zwischen komplementären Investoren sind daher nicht nur eine finanzielle Frage, sondern ebenso eine kulturelle Herausforderung.

Rolf Wüstenhagen, IWÖ-HSG,
Yuliya Blondiau, IWÖ-HSG
Anna Ebers Broughel, IWÖ-HSG
Sarah Salm, IWÖ-HSG