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Die Auswirkungen von Windenergieanlagen (WEA) auf Vögel und Fledermäuse werden schon seit längerer Zeit untersucht und kontrovers diskutiert. Wie aber reagieren am Boden lebende Wildtiere auf Windenergieanlagen? Flüchten sie vor den sich drehenden Rotoren? Erkennen sie, dass von den Anlagen keine Gefahr ausgeht?

Positive Erfahrungen mit Nutztieren
Bisherige Erfahrungen lassen den Schluss zu, dass sich Huftierarten – insbesondere Tiere, die sich dauernd in der Umgebung von WEA aufhalten – an die Anlagen gewöhnen. Dies bestätigt ein auf dem Mt. Crosin lebender Landwirt, der sowohl Kühe als auch Pferde hält.

Untersuchungen zu ziehenden Rentierherden in Skandinavien oder Wapitis in Nordamerika zeigen ähnliche Ergebnisse.

In der Schweiz stellt sich die Frage nach der Verträglichkeit von WEA mit Wildtieren speziell im Zusammenhang mit Wildtierkorridoren und Wildtierpassagen: Wie verhalten sich saisonal ziehende Arten, für die zur Querung von Autobahnen und Eisenbahnstrecken spezielle Wildtierbrücken gebaut werden, wenn in deren Nähe WEA in Betrieb sind?

Nächtliche Beobachtung der Rothirsche im Gebiet der WEA Haldenstein
Um auf diese Fragen eine erste Einschätzung zu erhalten, wurde das Gebiet um die WEA Haldenstein (Vestas V112 mit 3 Megawatt Leistung), die seit März 2013 in Betrieb steht, während zweier Nächte im Januar 2017 beobachtet. Dieses Gebiet wird seit Jahren im Winter intensiv von Rothirschen genutzt. Den übrigen Teil des Jahres verbringen die Tiere in der Region Calanda-Taminatal.

Das Untersuchungsgebiet liegt im Bereich des überregionalen Wildtierkorridors GR02, der die beiden Seiten des Rheintals miteinander verbindet. Um diese Verbindung sicherzustellen, wurde im Herbst 2017 eine 50 Meter breite Wildtierbrücke über die A13 und über die Geleise von SBB und RhB fertiggestellt. Im Winter 2012/13 war in diesem Gebiet regelmässig ein Wolfsrudel anwesend.

Um die Reaktion der Rothirsche auf den Betrieb der WEA beobachten zu können, war die Anlage in beiden Nächten zuerst ausgeschaltet und wurde erst während der Beobachtungszeit eingeschaltet. In beiden Nächten konnten je acht äsende Rothirsche und eine Anzahl Rehe beobachtet werden. Einzelne Tiere hielten sich 700 bis 800 Meter von der WEA entfernt auf, andere nur 350 bis 400 Meter.

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Fazit
Die durchgeführten Beobachtungen erlauben lediglich qualitative Aussagen zum Verhalten von Rothirschen im Gebiet der WEA Haldenstein. Die Tatsache, dass sich die beobachteten Hirsche ohne erkennbare Störungszeichen in der Nähe der WEA aufhielten, lässt die Vermutung zu, dass die im Konzept Windenergie verzeichneten Abstandsregeln (bis 300 Meter grundsätzliches Ausschlussgebiet, 300 bis 500 Meter Vorbehaltsgebiet) bei der Planung von WEA Sinn machen.

Zu den Beobachtungen liegt ein deutscher Bericht mit Zusammenfassung in französischer Sprache vor.

Markus Geissmann, Fachspezialist Windenergie, BFE

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