Einblicke in die internationale Entsorgungspolitik


Seit rund eineinhalb Jahren bin ich als Fachspezialistin beim Bundesamt für Energie (BFE) in der Sektion Entsorgung radioaktive Abfälle tätig. Eine meiner Aufgaben ist die Information und Kommunikation zur Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Schweiz. Seit meinem Start im BFE habe ich viele neue Erfahrungen gesammelt und mich in das Schweizer Sachplanverfahren eingearbeitet. Doch wie wird die Entsorgung radioaktiver Abfälle im Ausland gehandhabt?

Um dieser Frage nachzugehen, organisiert die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) jedes Jahr für Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden der betroffenen Standortregionen Informationsreisen ins Ausland. Mit dabei sind jeweils auch Mitarbeitende des BFE und des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI), die den Reisenden als Vertreter des Bundes für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stehen.

In diesem Jahr nahm ich Mitte September als Vertreterin des BFE an der Reise nach Schweden und Deutschland teil. Die schwedische Entsorgungsorganisation Svensk Kärnbränslehantering AB (SKB) gab einen Einblick in die Entsorgungspolitik Schwedens und das unterirdische Felslabor in Äspö. In Deutschland stand die Besichtigung des Schachts Konrad, einem stillgelegten Eisenbergwerk, an, wo Vorbereitungsarbeiten für ein Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle laufen.

Wie gehen die beiden Länder die Suche nach einem geeigneten Standort für die Entsorgung von radioaktiven Abfällen an? Für schwach- und mittelaktive Abfälle besteht in Schweden bereits ein oberflächennahes Tiefenlager. Seit 1988 betreibt die SKB ein Lager in Forsmark und hat 2014 ein Bewilligungsgesuch für die Erweiterung eingereicht. Ebenfalls in Forsmark plant die SKB ein Tiefenlager für hochaktive Abfälle. 2011 hat sie ein Bewilligungsgesuch für ein solches Lager eingereicht, 2016 wurde es von der schwedischen Atomaufsichtsbehörde (SSM) bewilligt. Die Stellungnahme des Land- und Umweltgerichts in Schweden wird 2018 erwartet.

In Sachen Endlager für radioaktive Abfälle ist Deutschland hingegen erst in der Vorbereitung: Zurzeit wird der Schacht Konrad zu einem Standort zur Endlagerung von schwach- und mittelaktiven Abfällen umgerüstet. Die Arbeiten sollen 2022 fertiggestellt werden. Die Standortsuche für ein Lager für hochaktive Abfälle ist in Deutschland erst in Planung. Hier soll ein ähnliches Verfahren wie das Schweizer Sachplanverfahren angewendet werden: Deutschland startet mit einer weissen Karte und wird in Etappen, aufgrund technischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse, Standorte festlegen.

Auf meiner Reise habe ich festgestellt, dass jedes Land anders mit dem Thema Entsorgung radioaktiver Abfälle umgeht. Die Experten und Expertinnen international sind sich aber alle einig, dass die Lagerung in geologischen Tiefenlagern die sicherste Lösung für die Entsorgung von hochaktiven Abfällen ist.

Seraina Branschi, Fachspezialistin Grundlagen Entsorgung, BFE