Quelle: BFE/Jonas Kambli

Konferenz zu erneuerbarer Wärme


In der aktuellen Energiediskussion geht häufig vergessen, dass der Strom gerade mal 25 Prozent des Schweizer Energie­konsums ausmacht. Der viel grössere Teil unseres Primärenergieverbrauchs, nämlich beinahe die Hälfte, verbrauchen wir für unsere Wärmeversorgung. Und da diese zu grossen Teilen fossil geschieht, ist die Wärmeversorgung für die Erreichung der Klimaziele von besonderer Bedeu­tung. Dies hat auch das deutsch-französische Büro für die Energiewende erkannt, das kürzlich eine Konferenz zur erneuerbaren Wärme für die Energiewende durchgeführt hat.

Es zeigte sich, dass die Bedeutung der erneuerbaren Wärme für die Erreichung der Klimaziele zuneh­mend ins Bewusstsein der Akteure im Energiebereich rückt. Wie vielfältig und komplex das Thema er­neuerbare Wärmeversorgung jedoch ist, zeigte sich nicht zuletzt auch durch die Vielfalt der Beiträge. Die Heterogenität der Eignerstrukturen, Betreibermodelle, Technologien, Verteilstrukturen, aber auch die starke Abhängigkeit von den internationalen Brennstoffpreisen sowie die Entwicklungen in der Ge­bäudeeffizienz schaffen Unsicherheiten in der zukünftigen Ausrichtung des Wärmemarktes und behin­dern letztlich die Entwicklung der erneuerbaren Wärme. So erstaunt es nicht, dass weder Deutschland noch Frankreich umfassende Strategien haben, wie die Wärmeversorgung langfristig auf 100 Prozent erneu­erbare Energie umgestellt werden soll.

Zentral oder dezentral?

Eine erste Frage stellt sich, wie weit Wärme in Zukunft dezentral oder zentral aufbereitet und zur Verfügung gestellt wird. Die Schweiz wie auch Deutschland und Frankreich verfügen über eine stark de­zentrale Wärme­ver­sorgung. Jedes Gebäude schaut für sich, hat seinen eigenen Brenner im Keller, oder seine eigene Wärmepumpe, mit oder ohne Erdsonde. Gerade mal 5 Prozent der Wärme wird in der Schweiz über Wärmenetze verteilt. In Frankreich und Deutschland ist der Anteil an Wärmenetzen nur geringfügig höher. Die Länder in Nord- und Osteuropa sind da bedeutend weiter. In Dänemark beispielsweise wird beinahe zwei Drittel der Wärme über Wärmenetze verteilt, die grösstenteils über erneuerbare Energien oder Abwär­me versorgt werden. Dabei ist klar: Um Abwärme aus Industrieprozessen oder Biomassekraftwerken effizient nutzen zu können, braucht es nicht nur lokale Wärmebezüger, sondern auch Netze, die die Wärme verteilen.

Aber lohnen sich Investitionen in Wärmenetze überhaupt, wenn die Häuser immer effizienter werden und kaum mehr Energie benötigen? Und wer soll in Wärmenetze investieren? Braucht es eine Anschlusspflicht für Wärme­netze?

Erfahrungen in Deutschland haben gezeigt, dass sich trotz zunehmender Gebäudeeffizienz der Auf­bau von Wärmenetzen langfristig durchaus lohnen kann, auch wenn nicht sämtliche Gebäude eines Versorgungsgebiets von Beginn an angeschlossen werden. Die zunehmende Gebäudeeffizienz be­stehender Anschlussnehmer konnte ohne Anschlusspflicht durch eine kontinuierliche Zunahme der Anzahl Anschlussnehmer kompensiert werden.

Welche Technologie?

Ob zentral oder dezentral stellt sich dann noch die Frage der Technologie. Wie gross ist das Potenzial aus der Biomasse? Welchen Beitrag soll in Zukunft Solarthermie leisten? Kann die Solar­wärme für den Winter zwi­schengespeichert werden? Sind Solarhäuser die Antwort? Braucht es kommunale Wärmespeicher, die in Wärmenetze eingebunden werden? Welche Rolle spielt die Geothermie für die Energie- und Wärmewende?

Heute dominieren bei der erneuerbaren Wärme die Biomasse und die Fernwärme durch Kehricht­verbrennungsanlagen. Weil deren Potenzial aber beschränkt ist, kann der Ausbau der erneuerbaren Wärme nicht auf diesen Technologien basieren. Die Solarthermie hat in den letzten Jahren kaum mehr Fortschritte gemacht, und auch der Wärmepumpenmarkt ist seit einigen Jahren am Stagnieren. Die Schwierigkeiten liegen insbesondere darin, dass wegen den tiefen und fluktuierenden Ölpreisen die Wirtschaftlichkeit nicht garantiert werden kann, und dass die Wärme fast immer eigenverbraucht werden muss. Allfällige Überschüsse können nicht in ein Netz eingespeist werden, wie dies beim Strom der Fall ist.

Fazit

Eine Stärkung des Be­reichs erneuerbare Wärme, sowie die Entwicklung einer um­fassenden Strategie für die Entkarbonisierung der Wärme­versorgung sind nötig. Dabei werden Wärmenetze in unter­schiedlicher Ausprägung eine entscheidende Rolle spielen. Für die Wärmewende und die Entwicklung einer netzge­bun­denen Wärmeversorgung haben die Gemeinden eine Schlüs­selrolle, in der Raumplanung aber auch als Versorger, als Koordinator, als Vorbild (kommunale Gebäude), als Berater und als Initiator von Wärmenetzen.

Wie lassen sich Anreize für den Aufbau lokaler oder regionaler Wärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien schaffen? Braucht es möglicherweise Investitionsbeiträge, um die nicht-amortisierbaren Mehrkosten von grossen erneuerbaren Wärmeinfrastrukturen zu decken, analog zu den Investitionsbeiträgen für die Wasserkraft? Könnte ein Wärmefonds analog zum „Fonds Chaleur“ in Frankreich ein solches Instrument sein? Oder braucht es ein Erneuerbare-Wärme-Gesetz wie in Deutschland?

Die grösste Schwierigkeit beim Aufbau von Wärmenetzen ist letztlich weder technischer noch wirtschaftlicher Natur, wie ein Podiumsteilnehmer festhielt. Was es in erster Linie brauche, sei das Verständnis, dass die Wärmeversorgung genauso wie die Wasser- und Stromversorgung eine gemeinschaftliche Aufgabe ist.

 

Benno Fauchiger, Fachspezialist Erneuerbare Energien, BFE