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2017 werden wichtige energiepolitische Weichen gestellt. Entsprechend waren die Energiestrategie 2050, die Strategie Stromnetze und Modelle für ein neues Marktdesign die dominierenden Themen am 11. Schweizerischen Stromkongress, der vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Electrosuisse organisiert wird.

Benoît Revaz Direktor des Bundesamts für Energie sprach am Kongress im Berner Kursaal über Chancen und Herausforderungen der Marktgestaltung. Er warnte die 400 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Energiebranche vor der Utopie einer energieautonomen Schweiz: «Der Energieaustausch mit unseren Nachbarn in der EU findet quasi täglich statt. Die Schweiz ist keine Energieinsel.» Dieser Kontakt müsse unbedingt aufrecht erhalten bleiben, ob mit oder ohne Stromabkommen. Daher könne das Ziel nur sein, neue, marktbasierte Modelle zu entwickeln, welche die Interessen aller Marktteilnehmer optimal berücksichtigten.

Ernst Ulrich von Weizsäcker, seit vier Jahren Co-Präsident der Expertenorganisation «Club of Rome», betrachtete die momentane Situation in der Strombranche aus einem philosophisch geprägten Blickwinkel. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete vertrat die Meinung, dass in einer sich ständig verändernden Welt auch das Festhalten an bisher als richtig betrachteten Grundsätzen und Handlungsweisen überdenkt werden müsse.

Offen sein für Neues

Kurt Rohrbach, Präsident des VSE, forderte von der Branche Mut und Offenheit, sich auch mit unkonventionellen Ideen auseinanderzusetzen. Denn disruptive Tendenzen, wie sie die Hotel- oder die Taxibranche mit Airbnb respektive Uber erlebt haben, zeichnen sich auch in der Strombranche ab: «Die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten verschwinden.» Mit den «Energiewelten» habe der VSE nun versucht, die Möglichkeiten für Entwicklungen in der Energiebranche abzustecken.

Den Blick in die Kristallkugel wagte Urs Rengel, Präsident von Electrosuisse. Dadurch konnte er während seiner Ansprache das eine oder andere für die Branche relevante Ereignis voraussehen. Auch einen vollständig geöffneten Strommarkt erblickte der CEO des Elektrizitätswerke des Kantons Zürich in seiner Kugel – allerdings noch ohne Datumsangabe.

Bundesrat Guy Parmelin griff das Thema Versorgungssicherheit auf: «Die Schweiz ist keineswegs vor einem landesweiten, grossflächigen Stromausfall gefeit», betonte er, «und alleine die Vorstellung davon jagt mir kalte Schauer über den Rücken.» Die grösste Gefahr sieht der Verteidigungsminister in der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung und damit einhergehend in Cyber-Attacken. Aber er versicherte: «Falls es tatsächlich einmal zu einem Blackout kommen würde, sei die Schweiz vorbereitet.»

Ralph Möll, Co-Chefredaktor Bulletin SEV/VSE

 

Bildergalerie des 11. Schweizerischen Stromkongresses (12./13. Januar 2017)

Tagesgespräch, Radio SRF 1, mit Ernst Ulrich von Weizsäcker

 

 

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