Was nach dem Watt d’Or geschah: „Wir hoffen auf Nachahmungstäter“


Andreas Züllig ist Besitzer und Geschäftsführer des Vier-Sterne-Hotels Schweizerhof in der Lenzerheide. Seit Herbst 2014 ist er zudem Präsident des Verbandes hotelleriesuisse. Sein Hotel ist Teil des Projektes „Leuchtturm – Energieeffiziente Hotels Graubünden“, das 2015 mit dem Watt d’Or in der Kategorie Gesellschaft ausgezeichnet wurde. Das Projekt will Hoteliers in Graubünden über die Vorteile der Energieeffizienz und der Zielvereinbarungen zur CO2-Reduktion informieren. Rund hundert Bündner Hotels haben sich dazu bereit erklärt, bis zum Jahr 2020 18‘000 Tonnen CO2 einzusparen.

Herr Züllig, Ihr Hotel Schweizerhof hat eine Vereinbarung mit dem Bundesamt für Energie zur Reduktion ihrer CO2-Emissionen bis 2020 abgeschlossen. Wie gut konnte diese bisher eingehalten werden?
Wir haben eine Vereinbarung mit dem Ziel unsere CO2-Emission um 5 Prozent zu senken. Im Moment sind wir auf einem sehr guten Weg, diesen zu erreichen. Unsere Heizenergie und den Stromverbrauch konnten wir bereits um 5 Prozent reduzieren. Eine weitere Reduktion ist aus meiner Sicht leider nicht möglich, ohne den Komfort der Hotelgäste einzuschränken.

In welche Massnahmen investieren Sie die Rückerstattung der CO2-Abgabe?
Wir haben über eine halbe Million Franken in neue Technologien investiert, vor allem in die Steuerungen, wie zum Beispiel in eine bedarfsgerechte Lüftung in den Restaurants. So konnten wir im Lüftungsbereich der Gaststuben den Energieverbrauch halbieren – ohne Komforteinbusse. Und nächstes Jahr werden wir eine bedarfsgerechte Küchenlüftung installieren.

Wo konnten Sie in Ihrem Betrieb bisher am meisten einsparen?
Die grössten Energieposten in unserem Hotel sind die Heizung und der Strom. Denn wir haben eine grosse Wellnessanlage, und auch die Küche und die Wäscherei brauchen viel Strom. Am meisten konnten wir bisher bei der Lüftung einsparen und durch die Umrüstung der Beleuchtung auf LED in den öffentlichen Räumen.

Wie sind die Rückmeldungen der Gäste auf Ihre Energieeffizienzmassnahmen?
Wir kommunizieren unser Engagement für die Nachhaltigkeit aktiv und bieten auch Nachhaltigkeitsrundgänge an, bei denen die Gäste hinter die Kulissen des Hotels blicken können. Die Gäste sind meist sehr interessiert an diesen Rundgängen.

Was hat sich im Projekt „Leuchtturm – Energieeffiziente Hotels Graubünden“ seit dem Watt d’Or 2015 verändert?
Das Projekt wurde über die Region hinaus bekannt, und wir konnten weitere Teile der Schweiz wie zum Beispiel das Berner Oberland und das Wallis für unser Projekt motivieren. Unser Beispiel soll aufzeigen, dass sich Investitionen in die Energieeffizienz lohnen und man dadurch Geld sparen kann. Wir hoffen natürlich auf viele Nachahmungstäter.

Sie sind ja nicht nur Besitzer- und Geschäftsführer eines Hotels sondern auch Präsident des Verbands hotelleriesuisse. Wie engagiert sich der Verband für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz?
Wir haben eigens eine Person im Verband, die für Nachhaltigkeitsthemen verantwortlich ist. Letztes Jahr haben wir die Nachhaltigkeit in unserem neuen Leitbild verankert. Wir sind der Verband der innovativen und nachhaltigen Beherbergungsbetriebe der Schweiz. Für uns bleibt Nachhaltigkeit auch in Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt, sowohl ökologisch, ökonomisch als auch sozial. Daher messen wir diesem Thema als Verband einen hohen Wert zu und setzen auf regionale Produkte.

Interview geführt durch Selina Zehnder, Hochschulpraktikantin Medien + Politik, BFE