SÖW — keine Rangliste nach Punkten


Das Akronym SÖW steht für «sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie». Dieser abstrakte Begriff bringt die möglichen oberirdischen Auswirkungen von geologischen Tiefenlagern für radioaktive Abfälle auf die Bereiche Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft auf den Punkt. Die SÖW liefert Daten zu über 40 Indikatoren, die jeweils mit Nutzwertpunkten bewertet werden. Sie beantwortet beispielsweise Fragen zu Auswirkungen auf Naturschutzgebiete, zur Anzahl Arbeitsplätze, die durch ein Tiefenlager generiert werden oder zu Konflikten mit Ortsbildern von nationaler Bedeutung.

Diese Woche haben wir die SÖW den Medien im rappelvollen Saal des Bundesmedienzentrums vorgestellt. Dabei interessierte unter anderem der Einbezug der Regionalkonferenzen bei der Erarbeitung der SÖW. Die fünf Regionalkonferenzen und die Plattform Wellenberg sind mit je einem Mitglied in der Arbeitsgruppe Raumplanung vertreten, welche die SÖW begleitet hat. Den Fachgruppen SÖW der partizipativen Gremien wurden die Ergebnisse ihrer Region in einem frühen Erarbeitungsstand Nutzwertpunkt für Nutzwertpunkt vorgestellt und ihr Feedback dazu berücksichtigt. Der springende Punkt dabei ist aber, dass die SÖW nicht zum Ziel hatte, die Sicht der Regionen darzustellen, sondern alle möglichen Tiefenlager-Standorte aufgrund einer einheitlichen Methodik mit gleichen Ellen möglichst objektiv zu messen bzw. zu bepunkten. Die SÖW ist eine umfangreiche Grundlage für weitere – auf die Region abgestimmte und von den Regionen mitbestimmte! – Arbeiten im sozioökonomischen Bereich, wie beispielsweise jene zu den Entwicklungsstrategien oder dem Monitoring der Auswirkungen. Auf genau 1005 Seiten liefert die Studie Punkt für Punkt eine fast unglaubliche Fülle an Informationen, die bisher in dieser Form noch nicht bekannt waren. Eine Rangliste nach Punkten gibt es aber nicht: Ob ein Standort die Kriterien für ein Tiefenlager erfüllt, wird aufgrund der Geologie und der Sicherheit entschieden – nicht aufgrund der SÖW.

Simone Brander, Leiterin Dienst Grundlagen Entsorgung beim BFE

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