104 Gold-Kommunen sind „Frontrunner“ unserer Energiepolitik

European Energy AwardBegrüssungsworte von Dr. Walter Steinmann, Präsident European Energ y Award, anlässlich der Verleihung der Gold-Labels an europäische Kommunen am 14. November 2014 in Monaco:

Exzellenz
Madame le Conseiller
Sehr geehrte Damen und Herren Bürgermeister
Sehr geehrte Damen und Herren

Im Namen des Vorstands des „European Energy Award“ begrüsse ich Sie ganz herzlich zur diesjährigen Verleihung der Goldzertifikate. Erstmals haben in Europa mehr als 100 Gemeinden das Gold-Level erreicht: Ein Zeichen, dass mehr und mehr Kommunen die Klima- und Energiepolitik ins Zentrum ihrer Aktivitäten stellen.

Kommenden Donnerstag werde ich für eine neue Periode von drei Jahren im Governing Board, dem Verwaltungsrat, der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) in Wien Einsitz nehmen. Mit vielen Diplomaten und klugen Experten werde ich wiederum über die Sicherheit von Kernkraftwerken, den Transfer von Nukleartechnologien in Entwicklungsländer, die Nonproliferation im Allgemeinen sowie die Nuklearpolitik des Iran und von Nordkorea im Speziellen debattieren und mit zu Beschlüssen dieser UNO-Organisation beitragen.

Sie fragen sich sicher, warum erzählt der Mann uns dies? Für mich hat dies zumindest indirekt mit Ihrem Wirken auf kommunaler Ebene zu tun. Einer meiner Vorgänger im Schweizer Team war Botschafter Dr. Herbert von Arx, der neben seinem Mandat in Wien und Bern Gemeindepräsident in einer kleinen solothurnischen Gemeinde war. Ich habe ihn in den 70er-Jahren, als ich in einer anderen kleineren Solothurner Gemeinde politisch aktiv war, bei verschiedenen Gremien der Region Olten-Gösgen-Gäu kennengelernt. Wir haben gemeinsam über den Standort der neuen Kehrichtverbrennungsanlage, die Sanierung der Abwasserreinigungsanlage oder den Ausbau der regionalen Schnellstrassen debattiert, diskutiert und manchmal auch gestritten. Ich habe ihn einmal gefragt, warum er denn neben seiner Arbeit auf der internationalen Ebene noch als Gemeindepräsident tätig sei. Er hat mir aufgezeigt, dass er neben seiner Tätigkeit auf der internationale Bühne, wo Erfolge teils Jahre oder Jahrzehnte auf sich warten lassen, dieses konkrete Wirken auf der Gemeindeebene brauche: Hier könne er gestalten, entwickeln und konkrete Leistungen für seine Mitbürger erbringen. Das sei die Basis und Kraft, die er für seinen internationalen Job brauche: seine Heimat.

Alt-Bundesrat Willi Ritschard hat einmal gesagt, nicht politische und geografische Grenzen machen Heimat aus: Heimat sei vielmehr dort, wo man Mitglied einer Gemeinschaft ist, auf die man sich verlassen kann. Heimat ist dort, wo ich meine Freunde und Bekannten habe, wo ich mich zuhause fühle. Sie, sehr geehrte Damen und Herren Bürgermeister, arbeiten für Ihre Heimat, Ihre Gemeinde, Sie haben Ihre Nachbarn, Ihre Freunde und Ihre Schulkollegen vor Augen, wenn Sie Entscheide fällen. Es sollen Beschlüsse sein, die dem Wohl Ihrer Kommune dienen und Ihre Umgebung attraktiver machen. Und nach der Sitzung gehen Sie – auch nach der hitzigsten Debatte – zusammen in jene kleine Kneipe, die gemäss Peter Alexander „das Leben noch lebenswert“ macht: Dort trinken Sie zusammen ein Bier, schliessen spätestens dann wieder Frieden und freuen sich über die Entwicklung Ihrer Kommune.

Ich bin froh, dass in Ihrer Kommune die Energie- und Klimapolitik einen derart hohen Stellenwert hat, dass Sie nun heute den Gold-Award erhalten. Denn wir alle wissen, dass die Erreichung der Kyoto-Ziele, die deutsche „Energiewende“ wie auch die schweizerische „Energiestrategie 2050“ nur gelingen können, wenn auch die Kommunen mitziehen. Sie sind ein wichtiger Partner, Sie sind nahe bei Ihren Mitbürgerinnen und Mitbürger, Sie kennen deren Vorlieben, Sorgen und Nöte. Sie können die Ziele der internationalen und nationalen Energie- und Klimapolitik im Gemeinderat wie auch am Stammtisch erklären. Sie können aufzeigen, was dies Ihre Gemeinde angeht und was hier zu tun ist. Sie übernehmen die Initiative und bewegen etwas: Sie führen ein neues Mobilitätssystem mit Rufbussen ein. Sie lassen auf der Turnhalle eine PV-Anlage errichten. Sie bauen das neue Gemeindehaus nach den besten Effizienzstandards. Sie entscheiden, dass das lokale Elektrizitätswerk nur noch Grünstrom anbietet.

Deshalb wollen wir Ihnen heute mit der Übergabe des Gold-Zertifikats danken, denn Sie tun Tag für Tag viel für unsere nationale und internationale Klima- und Energiepolitik.

Walter Steinmann, BFE-Direktor
Bild: Walter Steinmann mit Marie Pierre Gramaglia an den „European Energy Awards“ in Monaco. © Manuel Vitali / Centre de Presse