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Seit Januar 2019 läuft in Walenstadt der schweizweit erste lokale Strommarkt «Quartierstrom», der vom Bundesamt für Energie als Pilotprojekt gefördert wird. 37 Haushalte beteiligen sich aktiv am Projekt.

Nach einer letzten Zählerauslesung des Wasser- und Elektrizitätswerks Walenstadt Anfang Januar 2019 läuft der lokale Quartierstrom live: Alle Produktions- und Verbrauchsdaten und alle Handelstransaktionen werden über die Blockchain abgewickelt. Das System läuft stabil. Anfang Februar bestand es sogar einen unfreiwilligen Test, als mitten am Tag in Walenstadt für drei Stunden das Internet ausstieg. Aktuell wird eine grössere Batterie als Quartierspeicher in das System eingebunden und demnächst eine zusätzliche, reine Produktionsanlage in den Strommarkt integriert.

Aktive Nutzerinnen und Nutzer
Die 37 teilnehmenden Haushalte beteiligen sich aktiv am Marktgeschehen. Einige loggen sich fast täglich in das Portal ein, wo sie ihre Stromdaten ablesen und Preislimits für den Kauf und Verkauf von lokal produziertem Solarstrom festlegen können. Eine von ihnen ist Nadine Hässig, deren Familie eine PV-Anlage besitzt. Sie passt die Preise in der Regel einmal täglich an. «Sobald unser Strom gekauft wird, belasse ich den Preis. Gewinnmaximierung ist nicht das Ziel», erklärt sie. Interessant findet sie auch die aktuellen Kennzahlen, die sie im Portal ablesen kann. Etwa wie hoch der Stromverbrauch im Quartier ist und wie viel davon die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Solaranlagen selbst decken. Für Adrian Broder, reiner Stromkonsument, muss sich die Teilnahme am lokalen Strommarkt unter dem Strich finanziell lohnen. Als Geschäftsleitungsmitglied in einem lokalen Elektroinstallationsunternehmen ist er auch von Berufs wegen interessiert am Projekt und an der Technik. Er ist überzeugt, dass dezentrale Projekte wie Quartierstrom Zukunft haben. «Schade, dass das Projekt auf ein Jahr begrenzt ist», bedauert Broder.

Hoher «Eigenverbrauch» der Gemeinschaft
In erster Priorität nutzen die Prosumenten ihren Strom im eigenen Haushalt, also im klassischen Eigenverbrauch. Erst wenn ein Prosument Überschüsse hat, werden diese im lokalen Markt angeboten. Was keinen Käufer im Quartier findet, geht an das Wasser- und Elektrizitätswerk Walenstadt. Wie die Daten von Februar bis Mai zeigen, verbrauchten die Prosumenten 30 bis 40 Prozent ihrer Produktion selbst – dies wäre auch ohne das Projekt Quartierstrom der Fall. Dank des lokalen Handels konnten sie aber zusätzliche 30 Prozent ihrer Solarstromproduktion in der Nachbarschaft verkaufen. Die Quartierstrom-Gemeinschaft als Ganzes erreichte also einen Eigenverbrauch von 60 bis 70 Prozent.

An sonnigen Tagen deckte die Gemeinschaft ihren Stromverbrauch zu über 50 Prozent aus dem lokalen Markt. Im Schnitt lag der Eigenversorgungsgrad bei 30 bis 40 Prozent.

Irene Bättig, Sprachwerk GmbH, Kommunikationsverantwortliche für das Projekt „Quartierstrom“

 

Bildlegende: Familie Hässig wohnt in Walenstadt und beteiligt sich am Projekt „Quartierstrom“.

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