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Seit den Erdölpreiskrisen in den 1970er-Jahren wird der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger immer wieder diskutiert. Im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Energiewirtschaft, dem Ausbau und der Integration von erneuerbaren Energien und den Herausforderungen des Klimawandels gewinnt das Thema Wasserstoff als sekundärer Energieträger und Speicher laufend an Bedeutung. Im Herbst 2018 hatten europäische Vertreter aus Politik und Industrie im österreichischen Linz eine gemeinsame Deklaration für eine europäische Wasserstoff-Initiative unterzeichnet, darunter auch die Schweiz vertreten durch das Bundesamt für Energie. Nun wurde am 11. Februar 2019 als nächster Schritt die Roadmap dazu publiziert. Ziel ist es, über den Einsatz von Wasserstofftechnologie die Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft voranzutreiben und in diesem Bereich zusammenzuarbeiten.

Seit dem Jahr 2006 existiert auf europäischer Ebene im Bereich Wasserstoff und Brennstoffzellen die öffentlich-private Partnerschaft (Public-Private-Partnership) Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU), welche Forschung, Technologieentwicklung, Demonstration und Markteinführung in Europa vorantreibt. Die FCH JU setzt sich zusammen aus der Europäischen Kommission, Vertretern der europäischen Brennstoffzellen- und Wasserstoffindustrie repräsentiert in «Hydrogen  Europe», sowie aus Vertretern von Forschung und Entwicklung («Hydrogen Europe Research»). Am 11. Februar 2019 wurde von der FCH JU eine europäische Wasserstoff-Roadmap «HYDROGEN ROADMAP EUROPE: A SUSTAINABLE PATHWAY FOR THE EUROPEAN ENERGY TRANSITION» publiziert. Diese wurde gemeinsam mit «Hydrogen Europe» und 17 führenden europäischen Unternehmen und Verbänden ausgearbeitet. Die Roadmap zeigt den Weg bis 2050 auf für einen gross angelegten Einsatz von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Europa und quantifiziert die damit einhergehenden sozio-ökonomischen Auswirkungen.

Gemäss der Roadmap ist der Einsatz von Wasserstoff ein Schlüsselelement für eine europäische Energiewende und die Dekarbonisierung von Sektoren wie das Gasnetz, die Mobilität (speziell im Bereich des Schwerverkehrs) und die Industrie im Bereich von Hochtemperaturanwendungen und der Chemie mit Wasserstoff als Ausgangsstoff. Weiter bedingt eine zunehmende Elektrifizierung der Wirtschaft mit der Integration von intermittierender erneuerbarer Stromproduktion grosse Kapazitäten für saisonale Speicherung und den effizienten Transport dieser Energie über grosse Distanzen. Hier sei auf grosser Skala Wasserstoff wohl die einzige Technologie, welche Lösungen für diese Herausforderungen biete.

Weiter wird in einer sozio-ökonomischen Analyse aufgezeigt, dass mit einem grossflächigen Einsatz von Wasserstoff in Europa bis 2050 ein jährliches Marktvolumen von bis zu Euro 820 Milliarden entstehen kann, verbunden mit bis 5.4 Millionen Arbeitsstellen. Dabei kann der Ausstoss von 560 Millionen Tonnen an CO2 vermieden werden. Spezifische Meilensteine von heute bis 2050 legen dar, wie eine verbreitete Markteinführung von Wasserstoff in verschiedenen Sektoren erfolgen könnte. Wichtig dabei sei ein gesamteuropäischer und koordinierter Ansatz, sowohl in der Energiepolitik wie auch von Seiten der Industrie und Investoren.

Stefan Oberholzer, Fachspezialist Energieforschung, BFE

 

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