Historisches und Skurriles zur Radioaktivität


Zahnpasta, Unterwäsche, Schüsseln, Kacheln und Gesichtscrème – was hat das alles mit Radioaktivität zu tun?

Antoine Henri Becquerel entdeckte 1896 die Radioaktivität. Er stellte fest, dass eine Fotoplatte durch Uransalz belichtet wurde, das er neben der Platte gelagert hatte. Radioaktive Stoffe wie Uransalz senden ionisierende Strahlung aus. Die folgenden Beispiele zeigen, dass ionisierende Strahlung nach ihrer Entdeckung auch für verschiedene Anwendungen im Haushalt verwendet wurde.

Doramad, die radioaktive Zahncreme

Unter dem Produktnamen «Doramad» stellte die Auergesellschaft A.-G. in Berlin eine Zahnpasta her. Doramad versprach nicht nur, dass die Zähne blendend weiss und die gesamte Mundhöhle erfrischt wird. Die Anzeige versicherte auch, dass die Strahlen das Zahnfleisch massieren – eine Eigenschaft, die heute eher den Zahnbürsten zugesprochen wird.

Radioaktive Unterwäsche für alle

Früher erhoffte man sich durch die Anwendung der Radioaktivität zum Teil Hilfe und Schutz gegen unterschiedlichste Leiden wie zum Beispiel Arthritis oder Bluthochdruck. Radioaktive Wolle sollte ausserdem eine gesunde und sanfte Wärme verbreiten. Ein Beispiel dafür ist die Unterwäsche «Iradia». Solche Kleidung wurde nicht nur für Erwachsene gefertigt, sondern auch für Kleinkinder.

Auf dem Küchentisch

Uranverbindungen wurden zum Färben und Glasieren verschiedener Haushaltsgegenstände eingesetzt. Dies reichte von Glasschüsseln oder Kelchen bis hin zu Glasuren für Keramiken wie Teekannen oder Kacheln. Uranoxid färbt Glas in einem intensiven Grün. Uranverbindungen in Glasuren erzeugen ein breites Farbspektrum. Beliebt waren diese Glasuren vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, heute spielen sie nur noch eine untergeordnete Rolle. Gesundheitliche Probleme waren meistens nicht zu erwarten, da die Strahlenbelastung durch diese Gegenstände gering ist und die Zerfallsprodukte von Uran im Glas oder in der Glasur eingeschlossen bleiben.

Werbung für einen Make-up-Entferner

Ein weiteres Beispiel über den früher unbedarften Umgang mit radioaktiven Stoffen kann man in einer Werbung für Make-up-Entferner aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehen. In der Werbung wird die reinigende Wirkung der Creme anhand radioaktivem Staubs veranschaulicht, der einer Probandin auf die Gesichtshaut aufgetragen wird.

Heute kennt man die Gefahren genau, die eine nachlässige Anwendung radioaktiver Stoffe birgt. Deswegen geht man mit radioaktiven Stoffen fachgerecht um: Man setzt sie unter Berücksichtigung angemessener Sicherheitsvorkehrungen nur noch dort ein, wo die Vorteile mögliche Nachteile überwiegen.

Patrick Burgert, Technisch-wissenschaftlicher Redaktor, Nagra Blog

Quelle: Nagra-Blog