Braucht die Schweiz mehr Stauseen?


Die angespannte Wirtschaftslage in Europa sowie das Überangebot von hochsubventioniertem Strom aus Sonne, Wind und Kohle haben zu einer extrem ungünstigen Konkurrenzsituation für die Wasserkraft in der Schweiz geführt. Um in einer unsicheren Zukunft erfolgreich sein und die Versorgungssicherheit in der Schweiz erhöhen zu können, muss der Ausbau der Wasserkraft in erster Linie auf eine Flexibilisierung der Produktion und Anlagen abzielen. Dies kann mit einer Leistungserhöhung bestehender Kraftwerke, der Vergrösserung bestehender Stauseen durch die Erhöhung ihrer Staumauern sowie mit dem Bau neuer Pumpspeicherwerke geschehen.

Bedeutung unserer Stauseen

Mehr als die Hälfte der Wasserkraftproduktion in der Schweiz stammt aus Speicherkraftwerken. Die damit gewonnene Energie ist jederzeit verfügbar, um die Spitzen des Stromkonsums abzudecken. Die Schweiz mit ihren zahlreichen Stauseen verfügt über die grösste Speicherkapazität aller Alpenländer und hat deshalb im europäischen Strommarkt eine massgebende Stellung als Lieferant von Spitzenenergie. Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie im Rahmen der Energiestrategie 2050 des Bundes soll die jährliche Stromlücke teilweise durch Wasserkraft aber auch durch Geothermie, Solar-und Windenergie abgedeckt werden. Die neuen erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind sind jedoch stark von meteorologischen Bedingungen abhängig und somit grossen Schwankungen unterworfen. Nicht so die flexible Wasserkraft! Um in Zukunft die Stabilität der Stromnetze und somit die Stromversorgungssicherheit zu gewährleisten, ist eine bedeutende Steigerung der Leistungs- und Speicherkapazitäten der Wasserkraftwerke erforderlich. Die Schweiz könnte damit auch vermehrt die Batteriefunktion für das europäische Verbundnetz übernehmen.

Zum vollständigen Artikel im Blog von Swiss Competence Center for Energy Research- Supply of Electricity

von Anton J. Schleiss*

*Prof. Dr. Anton J. Schleiss ist Leiter des zweiten SCCER-SoE Work Packages „Hydropower“ und Direktor des Labors für Wasserbau (LCH) an der EPF Lausanne. Zurzeit ist er auch Präsident der Internationalen Kommission für grosse Talsperren (ICOLD).