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Vor genau zwei Jahren, am 1. Oktober 2014, habe ich den BFE-Blog energeiaplus.com mit meinem Artikel Braucht die Stromwirtschaft jetzt viele Hayeks? eröffnet. Seither habe ich mich in 61 Blogbeiträgen zu vielen Themen geäussert und schliesse den Kreis nun heute, am 1. Oktober 2016, mit meinem letzten Blog als BFE-Direktor.

Ich mag mich noch gut erinnern. Als es nach meinem Amtsantritt vor 15 Jahren um das Organisieren der BFE-Weihnachtsfeier ging, wurde mir beschieden, dies sei Aufgabe der Personalkommission, das sei schon immer so gewesen. Und so wurden die „Amtsweihnachten“ Jahr für Jahr nach dem Motto „the same procedure as every year“ durchgeführt, mit einer festlichen Ansprache des Direktors, einem Apéro zusammen mit den Pensionierten sowie zusätzlich einem kleinen Nachtessen für die Mitarbeitenden. Die Personalkommission war dann jeweils auch verantwortlich für das Auskratzen und Abwaschen der Fonduecaquelons und das Putzen der Waldhütte.

Irgendwann habe ich dann entschieden, dass künftig jährlich eine andere Abteilung für Organisation und Programm des Weihnachtsanlasses verantwortlich sein solle. Und damit starteten wir eine Periode des Wettbewerbs und der Innovationen. Fortan brachte jede Abteilung ihren ganz persönlichen Stil ein und jede wollte es noch ein wenig besser als im Vorjahr machen. So lernten wir in einer wunderschönen Kirche die Panflötenkünste eines Abteilungschefs kennen, wir hörten dem von einem anderen Abteilungschef dirigierten Chor zu, wir hatten tolle Spielabende oder wir wanderten durch kalte Winternächte. Fondue ist als Menu übrigens immer noch sehr beliebt. Bei meinem Abschiedsfest von dieser Woche betonten mehrere Mitarbeitende, dass die von mir organisierte Amtsweihnacht unvergessen bleiben werde.

Ja, ich liebe Wettbewerbe und habe in meiner Karriere einige mitlanciert. Ich denke an den Innovationspreis beider Basel, den wir als Alternative zu einem von Professor Striebel verlangten Erfinderpreis aufstellten. Ich war bei der Schaffung der Initiative Technologiestandort Schweiz dabei, der heute unter dem Label Swiss Technology Award vom Swiss Innovation Forum vergeben wird. Ich habe mitgeholfen, den Design Preis Schweiz aus der Taufe zu heben und ich war auch bei der Lancierung des Watt d’Or involviert.

In verschiedenen dieser Jurys war ich während Jahren dabei und habe die Auseinandersetzung mit verschiedensten Positionen und Sichtweisen immer geliebt. Es war ein Fechten mit Argumenten, es war immer auch eine unterschiedliche Gewichtung von Chancen und Risiken, es war ein intensives Ringen um die schlussendlichen Gewinner.

Wettbewerbe sind immer auch Talentschauen: Bereits in den frühen Neunzigerjahren habe ich so Toni Gunzinger  kennengelernt, mit dem neuen EPFL-Präsidenten Martin Vetterli erste Kontakte gehabt und mich mit der damaligen Jungdesignerin Caroline Flüeler ausgetauscht, die in den letzten Jahren für Swiss, Swisscom und Geberit tolle CI-Produkte verantwortete.

Und so war es wohl kein Zufall, dass ich auch gestern, an meinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand, in einer Jury mitwirkte. Ich wurde vom SIA angefragt, ob ich mich dieses Jahr bei der Auswahl des renommierten Preises „Umsicht/Regards“ engagieren würde und ich habe gerne zugesagt. Wir hatten ausführliche Diskussionen über die einzelnen Projekte und spiegelten diese an den vorgegebenen Kriterien der Innovation, der gestalterischen Qualität, der gesellschaftlichen Relevanz, der ökologischen Verantwortung sowie der ökonomischen Leistungsfähigkeit. Und ich schätzte die wiederum sehr unterschiedlichen Perspektiven von den in der Jury vertretenen Architekten, Ingenieuren, Kunsthistorikern, Gestaltern und Ökonomen. Wie ich es in den Jurys der vergangenen 35 Jahre beinahe immer erleben durfte, konnten wir uns am Ende des Tages zusammenraufen und eine Auswahl von Auszeichnungen und Anerkennungen treffen, die uns alle überzeugt.

Ich meine, dass auch in der Energiewirtschaft mehr Wettbewerb zu mehr Innovationen führen würde. Die Angebote für uns Kundinnen und Kunden würden vielfältiger, farbiger und massgeschneiderter, vor allem aber könnten wir Kleinkunden endlich wählen. Zudem zeigen die Veröffentlichungen von Swissgrid sowie ElCom von dieser Woche, dass in einem vollständig geöffneten Markt die Rollen klar zu definieren sind, damit keine Versorgungsengpässe oder Blackouts entstehen.

Deshalb bin ich – auch nach 44 Jahren Mitgliedschaft bei der Sozialdemokratischen Partei SP – am Ende meiner Karriere dafür, dass Wettbewerbe in möglichst vielen Bereichen als Prinzip für Verbesserungen sowie Innovationen hochgehalten werden und auch im Strom- sowie Gasmarkt diese Öffnung möglichst umfassend eingeführt wird. Es gibt daneben durchaus Bereiche und Leistungen, die vom Staat reguliert oder auch angeboten werden müssen, weil bei einem Marktprimat keine überzeugenden oder befriedigenden Lösungen resultieren. Strom und Gas gehören aber definitiv nicht dazu.

Walter Steinmann, ehemaliger Direktor BFE

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1 Antwort
  1. Gustav R Grob
    Gustav R Grob says:

    Schöne Schlussworte zum sozialen Leben im BfE, wie es einem SP Vertreter gehört, aber unschöne Erinnerungen an Sabotageakte gegen die Nachhaltigkeits-Pionierin ISEO und deren 25. Jubiläum der „World Clean Energy Conference“ 1-4 November in Genf (www.wcec.uno) durch den „BFE Internationales“ Petroleum Lobbyisten Füeg mit seinem Sabotageakt gegen die ISEO Motion Wiederkehr 2002 (von 6 Parteien unterschrieben !) und verräterischen Rundschreiben in der UNO gegen die WCEC Konferenz in Genf. Dies geht als rabenschwarzer Fleck im Reinheft des BfE in die Geschichte ein ! Wir hoffen nun, dass Ihr Nachfolger solche Missstände beseitigt und mit seinem profunden Wissen in der Energiewirtschaft dem BfE auch für die Nachhaltigkeitsziele von COP21 und SDG7 der UNO und mit den BAFU Kollegen neuen Elan gibt !

    Gustav R Grob, Präsident ISEO und ISO Energie-Normenkomitees

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