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Zweite Netzimpuls-Tagung in Luzern: Am 17. und 18. März 2016 trafen sich Interessierte mit Experten, um aktuelle Trends, Herausforderungen und Erkenntnisse aus der Praxis der Übertragungsnetze zu diskutieren und um Einblicke in die Energieforschung zu erhalten. Dabei warf man auch einige inspirierende Blicke auf Themen ausserhalb der Netze.

Das behandelte Themenspektrum war breit. Sowohl die Praxis als auch die Forschung kamen zu Wort, nicht nur aus Schweizer Sicht, sondern auch aus der Perspektive des nördlichen Nachbarn. Letzteres war sehr aufschlussreich, da der Photovoltaik-Anteil in Deutschland deutlich grösser ist und die Auswirkungen auf den Netzbetrieb viel gravierender sind.

Praxisnah ging Peter Hoffmann, Tennet, auf diese Herausforderungen ein. Zunächst schilderte er die jahreszeitabhängige Netzsituation: In den «Solarmonaten» im Sommer hat man im Süden Deutschlands einen Energieüberschuss, der in den Norden übertragen werden soll. Im Winter hingegen soll der Offshore-Windstrom in den Süden gelangen, um die weniger aktive Solarenergie zu unterstützen. Der dafür benötigte Netzausbau stösst aber in der Gesellschaft auf Widerstände, mit der Folge, dass bereits geplante Freileitungsstrecken nicht realisiert werden können und neue unterirdische Kabel zum Zug kommen sollen. Dafür muss man aber mit der Planung, die bei Kabeln wegen den erforderlichen Bodenbeschaffenheits-Analysen anspruchsvoller ist, sozusagen von vorne beginnen.

Mehrere Beiträge befassten sich mit Forschungsfragen. Der Schwerpunkt am ersten Tag lag bei beim sicheren Systembetrieb ohne Schwungmassen. Christian Rehtanz, Institutsleiter am Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft der TU Dortmund, erläuterte, wie man die erneuerbaren Energien dazu bringen kann, einen Beitrag zur Systemstabilität zu leisten und betonte, dass die nötigen Rahmenbedingungen dazu geschaffen werden sollten. Das Problematische dabei ist, dass zwar schnelle Regler benötigt werden, dass aber viele im Netz verteilte Regler zu einem instabilen System führen. Bei rotierenden Massen wie Phasenschieber ist dies kein Problem.

Die Schweizer Sicht präsentierte Andreas Ulbig, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ETH Zürich. Er stellte die Ergebnisse einer Studie vor, die untersuchte, ob die geplante Energiestrategie mit der vorhandenen und bereits geplanten Infrastruktur realisierbar ist. Er betonte, dass sich die Rolle der Speicherseen und der Pumpspeicher verändern wird, dass sie aber zentral sein werden. Bezüglich Solarstrom liesse sich eine Erzeugung von 11??TWh ins Netz integrieren, ja sogar ein doppelt so hoher PV-Anteil könne aufgenommen werden.

Die Frage nach den innovativen Diensten wurde in diversen Beiträgen gestellt. Zuerst im Podiumsgespräch am ersten Tag, an dem diskutiert wurde, welche Dienstleistungen künftig erfolgreich sein könnten, um bei den Kunden Emotionen auszulösen. Klar wurde lediglich, dass es keine disruptiven Veränderungen im Stromnetz geben wird, denn die Infrastruktur ist da und der Kunde erhält seinen Strom, ohne sich darum kümmern zu müssen. Wenn er die Möglichkeit hat, wählt er gemäss Bruno Ganz einfach den preisgünstigsten Strom. Peter Franken bestätigt dies: «Die Emotionen kommen erst, wenn der Strom ausfällt.»

Radomír Novotný, Chefredaktor Bulletin SEV/VSE

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