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1971, als ich die erste Klasse im Schulhaus an der Speichergasse in Bern besuchte, war die Montage von Vorfenstern jeweils im Herbst so ziemlich die einzige gebäudeseitige Energiesparmassnahme, die durchgeführt wurde und die wir Kinder auch bewusst wahrnahmen. Diese Vorfenster standen dann in langen Reihen im Schulhof herum – strenges Fussballverbot während den Pausen – bis eines nach dem andern am richtigen Platz angeschraubt war. Im Frühling dann jeweils das umgekehrte Prozedere. Bald darauf kam die erste Ölkrise, an die ich mich vor allem wegen der autofreien Sonntage gut erinnern kann. Ungefähr ab da, Mitte der siebziger Jahre, hatte die „energy challenge“ auch die Schweiz erreicht. Vierzig Jahre später warten aber immer noch rund 1,5 Millionen Gebäude in unserem Land auf eine energetische Sanierung und „verbrennen“ dabei, im wahrsten Sinne des Wortes, unnötig viel wertvolle Energie. Unnötig, weil die Technik und das Know-how heute überall in der Bau- und Haustechnikbranche vorhanden wäre. Aber eben: Es gibt nichts Gutes ausser man tut es.

Getan hat es die Einwohnergemeinde Jegenstorf, 15 km von Bern und 22 km von Solothurn entfernt mit 5‘500 Einwohner/innen. Die Gemeinde stand 2012 vor dem Problem, dass die Schulanlage Säget, ein typischer Betonbau aus den sechziger Jahren, saniert werden musste. Die alte Anlage entsprach weder den aktuellen energetischen Anforderungen, noch denjenigen an einen modernen Schulbetrieb. Ein Abriss kam nicht in Frage, da das Gebäude als erhaltenswert eingestuft ist. So legte der Gemeinderat den Einwohner/innen von Jegenstorf ein Sanierungsprojekt für rund 10 Millionen Franken vor, mit dem die alte Schulanlage gebäudetechnisch ins 21. Jahrhundert katapultiert werden sollte.

Heute ist die Säget Schule kaum wieder zu erkennen. Ich darf das sagen, immerhin komme ich fast jeden Tag auf meinem Arbeitsweg daran vorbei und konnte die Sanierungsarbeiten so in den letzten 2 Jahren hautnah verfolgen. Durchgeführt wurden diese von der H+R Architekten AG, Münsingen (Architektur und Planung), der GLB Seeland AG, Lyss (Ausführung Holzarbeiten), der Geobau Ingenieure AG, Münsingen (Ingenieur) und der Elektra AG, Jegenstorf (Solaranlage). Die wichtigsten Resultate:

  • Die Fassade des bestehenden, erhaltenswerten Betonbaus wurde mit einer Aussenwärmedämmung energetisch verbessert und mit einer hinterlüfteten Fassadenkonstruktion aus vertikalen Holzlamellen (geölte und imprägnierte einheimische Weisstanne) verkleidet.
  • Der Innenraum wurde nach den heutigen Bedürfnissen eines modernen Schulbetriebs umgestaltet, komplett saniert (Boden/Wände/Decken/Einrichtungen) und mit zusätzlichen Räumlichkeiten erweitert.
  • Durch die energetische Sanierung der Fassade und des Dachs, der Installation einer Indach-Photovoltaikanlage (1‘065 Quadratmeter Fläche, 156‘000 kWh Jahresproduktion) sowie dem Einbau neuer Fenster konnte der Energieverbrauch um 50% reduziert werden. Der jährliche Verbrauch der Schulanlage an Heizöl sinkt damit um 25‘000 Liter.

Und das Beste: Ich hatte das grosse Vergnügen, in meiner Funktion als Jurypräsidentin die Einwohnergemeinde Jegenstorf für dieses Projekt am 13. August 2015 im Schlosspark in Jegenstorf mit dem Energie Award der Genossenschaft Elektra ((Kommunikation und visueller Auftritt: Stämpfli AG, Bern) und der Energieregion Bern-Solothurn auszuzeichnen: Als Helden der Region. Nicht verwunderlich, dass hinter diesem Preis ausgerechnet die Genossenschaft Elektra, eine der innovativsten Energieunternehmen in der Schweiz, die selbst im Mai 2015 mit dem 1. Berner Unternehmenspreis NEUE ENERGIE 2015 ausgezeichnet wurde, steckt. Innovation ist eben ansteckend…

Ich freue mich sehr, dass die Schüler/innen der Schulanlage Säget ab jetzt täglich vor Augen haben, was Energieeffizienz heisst: Eben nicht nur das herbstliche Vorfenster montieren.

Übrigens: Der Energiegehalt von 25‘000 Litern eingespartem Heizöl steckt in rund 500‘000 Tafeln Schokolade. Stapelt man diese Tafeln auf einem Quadrat von einem Meter Seitenlänge aufeinander, entsteht ein Turm von 55 Metern Höhe. Dieser Schoggi-Turm würde die in Steinwurfdistanz liegende, 40 Meter hohe Kirche Jegenstorf, deutlich überragen. Ich hoffe sehr, dass die Säget-Schüler/innen ein kleines Stück davon – vielleicht in Form eines feinen Schoggi-Gipfelis zum Znüni – zur Feier ihres Titels als Helden der Region geniessen dürfen.

Herzliche Gratulation auch an die weiteren drei drei Projekte, die mit einem Diplom ausgezeichnet wurden: Die Einwohnergemeinde Rüdtligen-Alchenflüh für die Solaranlage 233 kWp auf der Autobahnabdeckung der A1, der Landwirtschaftsbetrieb Bernhard und Mathias Riem, Iffwil für den Wärmeverbund Iffwil mit Holzschnitzelkessel 550 kW sowie Rephael und Katja Dawa, Hindelbank für die Sanierung eines 50jährigen Hauses zum Plusenergiegebäude.

Marianne Zünd, Leiterin Medien + Politik BFE

 

Genossenschaft Elektra

Copyright: Genossenschaft Elektra

SIEGER – Einwohnergemeinde Jegenstorf für Gesamtsanierung Schulanlage Säget

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DIPLOM – Rephael und Katja Dawa, Hindelbank für Sanierung eines 50jährigen Hauses zum Plusenergiegebäude

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DIPLOM – Landwirtschaftsbetrieb Bernhard und Mathias Riem, Iffwil für Wärmeverbund Iffwil mit Holzschnitzelkessel 550 kW

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DIPLOM – Einwohnergemeinde Rüdtligen-Alchenflüh für Solaranlage 233 kWp auf der Autobahnabdeckung der A1

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