Quo vadis, Geothermie?

Quo vadis, Geothermie? Diese Frage stellten sich am 21. Mai 2015 rund 150 Teilnehmer des 4. Internationalen Geothermie-Kongress 2015 im Rahmen der Energie-Tage St. Gallen. Der Event – mittlerweile ein Fixum im Geothermie-Kalender der Schweiz – beantwortete diese Frage ganz klar mit der olympischen Antwort «weiter in Richtung Ziel».

Die Geothermie in der Schweiz befindet sich bezüglich der direkten Nutzung von Heisswasservorkommen für die Wärme- und Stromnutzung am Beginn einer Lernkurve – so Willy Gehrer, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie GÉOTHERMIE.CH. Wie weit und erfolgreich diese weiter verfolgt werden kann, zeigt die Erfahrung bei den Erdwärmesonden in den letzten 25 Jahren.

Michael Wübbels, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen und Gemeinden, und die Sauerlacher Gemeindepräsidentin Barbara Bogner aus Bayern erklärten, dass deutsche Kommunen Partnerschaften untereinander und mit überregionalen Energieversorgungsunternehmen zur erfolgreichen Lancierung von geothermischen Strom- und Wärmeprojekten nutzen. Die Geothermie-Wärmenutzung hat auch in der Energiestrategie Deutschlands ein grosses Potenzial, das erst jetzt immer breiter genutzt wird.

Die Schweizer Politik (Ivo Bischofsberger, Präsident der UREK-S und Eric Nussbaumer, Mitglied der UREK-N) und die Verwaltung (Frank Rutschmann, BFE) setzen wie bisher grosse Hoffnungen in die Geothermie. Die Rahmenbedingungen sollen nicht nur für die Strom-, sondern auch für die Wärmebereitstellung aus geothermischen Ressourcen weichenstellend sein.

Nathalie Andenmatten aus dem Kanton Genf gab eine Übersicht zur Genfer Geothermiestrategie mit Fokus auf Wärmebereitstellung, die von SIG umgesetzt wird. Michael Sonderegger von den Sankt Galler Stadtwerken präsentierte die Lehren aus dem St. Galler Geothermieprojekt. Peter Meier von Geo-Energie Suisse

informierte über das Projektportfolio in den Kantonen Jura, Thurgau, Luzern und Waadt mit Fokus auf dem jurassischen Projekt Haute-Sorne, wo die Bewilligung des Kantons in der zweiten Junihälfte erwartet wird. Erich Büsser vom bündnerischen Amt für Umwelt und Energie referierte über die Potenzialstudie des Churer Rheintals bis ins St. Gallische Walenstadt. Es gibt einige Standorte, wo die geothermische Wärmeversorgung über Fernwärmenetze eine attraktive Option für Chur und Domat-Ems darstellen.

Die Forschung stand im Mittelpunkt des letzten Teils des Kongresses. Domenico Giardini, ETHZ, gab einen Überblick über das SCCER-SoE (Swiss Competence Center for Energy Research – Supply of Electricity), das sich der Geothermie verschrieben hat. Martin Saar, ETHZ, präsentierte innovative Energiekonversionskonzepte, die auf geothermischer Energie beruhen. Inga Moeck von der TU München stellte anhand vieler Beispiele dar, wie im bayerischen Molassebecken bereits heute das gesamte Spektrum der Geothermie von der Erkundung bis hin zu betriebsrelevanten Aspekten erforscht wird und dies vernetzt über die Geothermie Allianz Bayern GAB.

Der 5. Internationale Geothermie-Kongress findet am 26. Mai 2016 statt.

Gunter Siddiqi, Sektion Energieforschung