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Am Mittwoch, 22. August 2018, ist die fünfte Ausgabe der Swiss-U.S. Energy Innovation Days zu Ende gegangen. Über 70 Referentinnen und Referenten gaben Einblicke in ihre Arbeit auf beiden Seiten des Atlantiks. Und dies an sechs Austragungsorten in zweieinhalb Tagen – Genf, Lausanne, Yverdon-les-Bains, Neuchâtel, Fribourg und Sion. Insgesamt fast 180 Teilnehmende, darunter mehr als 30 aus den USA, zogen am Ende das einhellige Fazit: Die Schweiz und die USA sind ein „perfect match“, um gemeinsam die Energieversorgung von morgen zu gestalten.

Die Romandie, ein veritabler Hotspot für Energieinnovationen, brillierte mit ihren zahlreichen Forschungsstätten sowie Energie-Unternehmen und Start-ups. Beeindruckt war nicht nur die US-Delegation, auch viele Teilnehmende aus der Deutschschweiz nahmen erstmals wahr, dass jenseits des Röstigrabens die Energiepost derzeit so richtig abgeht. Unten ein kurzer Überblick zu den Veranstaltungsorten und Referaten, die hier verfügbar sind.

Die zweieinhalb Hochsommertage im August haben unvergessliche Eindrücke hinterlassen und zu vielen Gespräche, Folgeterminen, bilateralen Treffen und Plänen für gemeinsame Projekte geführt. Und zum Wunsch, derartige Konferenzen in dieser aussergewöhnlichen Zusammensetzung auch künftig durchzuführen. Nicht monothematisch, sondern breit aufgestellt, systemorientiert und mit möglichst vielfältigen Teilnehmenden: CEOs, Doktorierende, Professoren, Wirtschaftsförderer, Behördenvertretende, Politikerinnen, Ingenieure, private und öffentliche Institutionen. Die Planungen für die Austragung 2019, voraussichtlich wieder in den USA, laufen bereits. Es wäre die sechste Ausgabe der Swiss-US Energy Innovation Days nach Boston 2014, Zürich 2015, San Francisco 2016, New York City 2017 und der Romandie-Schweiz 2018.

Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik, Bundesamt für Energie

Genf, 20. August 2018, Vormittagskonferenz

Eine Führungsrolle in der Schweizer Energielandschaft spielen Stadt und Kanton Genf, die sich schon vor Jahren in der Verfassung einer nachhaltigen Energieversorgung verschrieben haben. Dieses Ziel wird konsequent und erfolgreich verfolgt, wie Regierungsrat Antonio Hodgers unterstrich. Gianfranco Moi, Stellvertretender Generaldirektor Kanton Genf, stellte mit dem Genève Lab oder mit dem Smart Canton Konzept einige Beispiele vor. Der Kanton beteiligt sich ausserdem an einer Studie für Drohnentaxis wusste Laurent Horvath vom Office for the Promotion of Industries Geneva zu berichten. Die Services Industriels de Genève SIG betreiben eine ganze Palette von Programmen, unter anderem das Innovationslabor La Transfo, Smart City, Geothermie 2020, GeniLac oder éco21. Auch die ABB mischt in Genf mit dem ultraschnell ladenden Elektrobus TOSA mit: Robert Itschner, Direktor von ABB Schweiz, durfte dazu zahlreiche Fragen aus dem Publikum beantworten. Nicolas Tetreault von SOFIES präsentierte die Machbarkeitsstudie zur Errichtung eines solaren Eigenverbrauchsgemeinschaftsquartiers im Genfer Ecopark Bois de Bay. Tom Eischen, Regierungskommissar für Energie aus Luxemburg stellte die Studie The third industrial revolution vor, aus der das Grossherzogtum eine Roadmap und konkrete Massnahmen für seine Entwicklung abgeleitet hat. Spannende Inputs gab es in Genf von David Gautschi, der mit seinem Startup Tilt Global mittels gaming-Technologien Unternehmen zum Testen alternativer Strategien unterstützen will. Dale Pennington unterstrich, dass Energieversorgungsunternehmen beim Aufbau von Smart Cities eine zentrale Rolle übernehmen müssen. Minoo Tehrani stellte die Energieziele des Bundesstaats Massachusetts vor uns sprach sich für die Nutzung von Wellenenergie in den USA aus. Karolyn Chamberlin wies auf die Dienstleistungen der Greater Geneva Bern area hin, der Wirtschaftspromotionsagentur der Westschweiz.

Lausanne, 20. August 2018, Nachmittagskonferenz

Dass die ETH Lausanne (EPFL) im Energiebereich herausragende Kompetenzen besitzt, konnte die Delegation eindrücklich bei Laborbesuchen im Swiss Plasma Center, im Distributed Electricity System Lab und im Lab of Renewable Energy Science and Engineering erfahren. Mario Paolone gab eine Übersicht über die gesamte Energieforschung an der EPFL. Robert Leland beeindruckte mit den Arbeiten des National Renewable Energy Laboratory NREL. Der am MIT tätige Marco Miotti stellte den carboncounter.com vor, der Daten verschiedener Auto-Antriebssystemen analysiert. Das Analyse- und Planungstool GRIDS energyCity wurde von Gabriel Ruiz von Navitas Consilium SA vorgestellt. Die Plattform zeigt sämtliche energierelevanten Daten einer Stadt oder Gemeinde aktuell und leicht verständlich an. Wie die Firma Racepoint Energy Nano- und Microgrids voranbringen kann, zeigte Anna Demeo auf. Domani Systems unterstützt Energieversorgungsunternehmen bei der Einführung von Blockchain Technologien in Energiehandel und Microgrids, wie Dale Montrone erläuterte. UtilityAPI, von Devin Hampton vorgestellt und auf der Suche nach Partnern in der Schweiz, stellt für Energieversorgungsunternehmen eine digitale Plattform zur Verfügung, um standardisierte Energiedaten sicher und rasch auszutauschen. Auch in der Schweiz wird Blockchain im Energiebereich zum Thema: Das Startup Hivepower arbeitet daran. Der für die US Army tätige Igor Linkov zeigte die Konzepte von Risiko und Cyber Resilienz in smarten Energienetzen auf und betonte, dass hier noch viel zu tun sei.

Yverdon-les-Bains, 21. August 2018, Vormittagskonferenz

Gastgeber in Yverdon war der Technopark Y-Parc, der von Direktorin Juliana Pantet gekonnt in Szene gesetzt wurde. Mehr als 150 Unternehmen mit 1’200 Angestellten haben sich auf dem Gelände bereits etabliert. Martha Liley, Direktorin des Ra&D Center der HEIG-VD (Hochschule für Wirtschaft und Ingenieurwissenschaften des Kantons Waadt) vermittelte einen Überblick über die Energieforschung des Instituts. Unter anderem forscht die HEIG-VD im Bereich Holzenergie, wie Roger Röthlisberger am Beispiel des Projekts MicroXyloCogen erläuterte. Auch bei den smarten Technologien ist die Hochschule vorn mit dabei und nimmt demnächst den Smartgrid Demonstrator ReIne in Betrieb. Fabrizio Marzolini erklärte, welche Lösungen Leclanché entwickelt, um mit den dynamischen Entwicklungen auf dem Batteriemarkt Schritt zu halten. Sehr spannend waren die Überlegungen von Seth Parker dazu, ob die Schweiz einen Kapazitätsmarkt braucht oder nicht. Michael Hegglin erklärte das Fazit seiner Doktorarbeit an der Yale University: Demnach tragen die sogenannten Corporate Power Purchase Agreements (direkte Beschaffung erneuerbarer Energie beim Produzenten) grosser Unternehmen unter geeigneten politischen Rahmenbedingungen dazu bei, den Ausbau der erneuerbaren Energiekapazitäten zu beschleunigen. Mark Vasu stellte Greentownlabs, den grössten Cleantech Incubator der USA in der Nähe von Boston vor. Auch an der Westküste der USA werden fleissig neue Ideen ausgebrütet, und zwar im Los Angeles Cleantech Incubator LACI, der von Kelly Ferguson präsentiert wurde.

Neuchâtel, 21. August 2018, Mittagskonferenz

Das strahlende Wetter passte zum Thema PV, buildings & grid integration, das in der EPFL Microcity in Neuchâtel auf dem Programm stand. Gastgeber CSEM überzeugte mit den Arbeiten des CSEM und der EPFL im Bereich Photovoltaik, die von Christophe Ballif äusserst unterhaltsam vorgestellt wurden. Neue Materialien werden die Wirkungsgrade weiter verbessern, Hochleistungs-PV zu weiter sinkenden Preisen stehen ins Haus, wie André Richter von der Meyer Burger Technology AG ausführte. Peter Röthlisberger zeigte das enorme Potenzial der weissen PV-Zellen des Schweizer Startups Solaxess, um künftig auch Fassaden konsequent für die Energiegewinnung zu aktivieren. Insolight, ein an der EPFL stationiertes Startup, baut Solarpanels mit gegen 40% Wirkungsgrad, die das Sonnenlicht dank einer micro-tracking Technologie auf hocheffizienten Solarzellen konzentriert. Dank tiefer Installationskosten und der höheren Energieproduktion ist das System auch wirtschaftlich sehr interessant. Randy Ellingson erklärte das Prinzip der transaktiven Energie: Systemdienliches Verhalten wird durch Anreize wie eine dynamische Preisgestaltung gefördert. John Sarter stellte Sol Lux Alpha vor, ein Nanogrid Gebäudekomplex in San Francisco. R. Carter Scott von TransFARMations erläuterte das Konzept von Null-Energie-Gemeinschaften im ländlichen Bereich. Für die BKW ist das PV-Monitoring mit Solar Log eine Grundlage zur Entwicklung von neuen, umfassenden Dienstleistungen zugunsten von PV-Anlagenbesitzern, wie Martin Kauert erklärte. Die Firma Eturnity wurde von Roger Sutter vorgestellt. Sie stellt eine webbasierte Plattform zur Verfügung, mit dem Energieunternehmen Beratungen und Offerten beim Kunden sehr einfach und rasch durchführen und so ihre Verkaufsresultate verbessern können.

Fribourg, 21. August 2018, Nachmittagskonferenz

Der Innovationspark Bluefactory in Fribourg begrüsste die Delegation am Nachmittag zum Thema New Energy Neighborhood. Dub Taylor, Direktor des Texas State Energy Conservation Office, überraschte mit der Tatsache, dass Texas der grösste Windenergieproduzent der USA ist und auch in Sachen Energieeffizienz in Gebäuden grosse Anstrengungen unternimmt. Duane Jonlin vom Seattle Department of Construction and Inspections, erläuterte die grosse Bedeutung und Notwendigkeit von einheitlichen und modularen Energieeffizienz Standards. Das kalifornische Unternehmen Climatic Energy bietet energetische Sanierungen von Geschäftsgebäuden an, die mit grünen Anleihen und günstigen Krediten finanziert werden, wie CEO Tamara Prendergast ausführte. Eddy Santosa von DBR Engineering Consultants forscht an neuen Energiestandards, die es künftig braucht, wenn es fast nur noch Null-Energie-Gebäude geben wird. Kriterien wie der Energie-Peak oder die Resilienz von Gebäuden könnten hier eine Rolle spielen. Alan Meier, Professor an der University of California und Forscher am Berekely Lab, entwickelt neue Methoden, um periodisch leerstehende Gebäude (Nacht, Wochenende) in einen «energiesparenden Schlaf» zu versetzen. Die Firma Colite Technologies, berichtete CEO Martin Brown, hat netzunabhängige und individualisierbare Strassenlampen entwickelt, die mittels Wind- und Solarenergie zur Beleuchtung von Plätzen genutzt werden können. Roland Ullmann von Siemens Schweiz AG zeigte auf, wie virtuelle Kopien von realen Gebäuden, digitale Zwillinge, eine optimale Gebäudeplanung, Inbetriebnahme und den effizienten Betrieb der Gebäude ermöglichen. Die von Urs Grossenbacher vorgestellte Pronoó AG bietet mit dem Produkt EcoBITs eine ganzheitliche Lösung für das Energiemanagement in Gebäuden, welche Wettervorhersagedaten zur Optimierung nutzt. Stephanie Teufel, Direktorin des iimt an der Universität Fribourg, stellte den Crowd Energy Schwerpunkt vor. Ziel ist, dass Einzelpersonen oder Organisationen ihre Ressourcen mittels digitaler Technologien bündeln können. Die Firma Swiss Hydrogen entwickelt Brennstoffzellensysteme für Elektro-Lieferwagen und -LKW, wie Alexandre Closset erklärte. Damit kann deren Reichweite mit geringem Mehrgewicht und ohne Emissionen effizient erweitert werden. Jean-Philippe Bacher, Professor an der Hochschule für Technik und Architektur Fribourg präsentierte gemeinsam mit Marilyne Andersen, Professorin an der EPFL, das smart living lab in der Bluefactory. Es ist ein interdisziplinäres, interinstitutionelles Forschungs- und Entwicklungszentrum für den Lebensraum der Zukunft. Wie erfolgreich die interinstitutionelle Zusammenarbeit in der Romandie funktionieren kann, hat das Team von Studierenden der EPFL, der Uni Fribourg, der Hochschule für Technik und Architektur Fribourg sowie der Genfer Hochschule für Kunst und Design letzten Herbst in Denver (Colorado) unter Beweis gestellt: Sie gewannen ganz deutlich den vom US Department of Energy seit 2002 durchgeführten Energie-Zehnkampf Solardecathlon.

Sion, 22. August 2018, Vormittagskonferenz

Im neuen Campus Energypolis in Sion begrüsste Staatsrat Christophe Darbellay die Delegation. Er zeigte die Bedeutung des Kantons Wallis für die schweizerische Energieversorgung auf, wies auf die vielen kantonalen Energieinitiativen und -Programme hin und unterstrich auch die im Kanton beheimatete Forschung von Weltformat. Diese findet insbesondere auch auf dem Gelände der Energypolis statt. Jessen Page stellte das Energiekonzept des neuen Campus vor, das auch als Demonstrations- und Testplattform dient. Wendy Queen arbeitet mit porösen Materialien, die zum Aufsaugen von CO2 geeignet sind. Cécile Alligné-Münch beschäftigt sich mit der Entwicklung kleiner Pumpspeicherkraftwerke, mit der kleine Stauseen, beispielsweise solche für die Beschneiung von Skipisten, als kosteneffiziente Speicheranlagen für erneuerbare Energien genutzt werden könnten. Das Start-up GRZ Technologies befasst sich mit der Speicherung von Solarenergie in Wasserstoff und entwickelt kommerzielle Lösungen dafür, beispielsweise für Berghütten, wie Norris Gallandat erläuterte. Fabien Kuchler von Lauber-IWISA präsentierte am Beispiel der Brig-Glis/Naters-Gemeinden, wie deren Energieversorgung seit 2008 bis 2050 konsequent umgebaut wird. Die Firma HOOC bietet hochsichere und einfach zu bedienende Plug&Play-Verbindungen zwischen Gebäuden und Technik an, wie Daniel Berchtold aufzeigte. Patrizia Imhof stellte die seit 10 Jahren bestehende Energieregion Goms mit ihren Aktivitäten und Erfolgen vor. Doug Vine vom Center for Energy and Climate Solutions, sieht eine Möglichkeit, dass die in 5-10 Jahren kommerziell erhältlichen kleinen Nuklearreaktoren in den künftigen CO2-armen Energiesystemen eine Rolle spielen könnten. Die US-Firma VIA, vertreten durch Joe Babiec, bietet für Energieunternehmen eine AI- und Blockchain-Software namens Trusted Analytics Chain an, welche die sichere und anonyme Analyse und Übermittlung diverser Datentypen ermöglichen. Christina Borsum stellte den California Clean Energy Fund vor. Zusammen mit seinem internationalen Ableger New Energy Nexus fördert er Startups im Energiebereich. Maureen Ehrensberger-Dow und Peter Stücheli-Herlach von der ZHAW analysieren als Linguistik-Forschende den Energie-Diskurs, der die energiepolitische Neuausrichtung in der Schweiz begleitet. Spannend sind hier unter anderem die unterschiedliche Verwendung und Häufigkeit bestimmter Schlagworte (z.B. Versorgungssicherheit) in der deutschsprachigen und französischsprachigen Schweiz.

Abgerundet wurden die Swiss-U.S. Energy Innovation Days 2018 mit dem Schlusswort von Edward McMullen, U.S. Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein. Er strich hervor, dass die Schweiz ein überaus wichtiger Handelspartner für die USA sei und die wissenschaftlichen Kompetenzen und Innovationskraft gemeinsam genutzt werden sollen, um den Energiebereich weiterzuentwickeln. Der Energieforschungsplatz Schweiz sei äusserst beeindruckend und der Botschafter ist überzeugt, dass die Swiss-U.S. Energy Innovation Days dazu beitragen, bestehende Kooperationen auszubauen und neue zu schaffen.

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