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Wie gross ist das Energiesparpotenzial von Haushalten älterer Menschen und warum wird es nicht ausgeschöpft? Dies untersuchte eine Studie des Nationalen Forschungsprogrammes „Steuerung des Energieverbrauchs“ (NFP 71).

„Die Wohnsituation der Baby-Boomer-Generation ist energetisch besonders interessant, weil mit zunehmendem Alter nicht nur die Wohnfläche und damit der Energieverbrauch pro Per­son steigen, sondern gleichzeitig die Wohnung auch von den Personen selbst als zu gross eingeschätzt wird“, sagt Dr. Heinz Rütter, Leiter des Forschungsprojektes „Energiesparpotenziale in Haushalten von älteren Menschen“. „Wir wollten wissen, wie gross dieses Energiesparpotenzial tatsächlich ist und was ältere Menschen motiviert oder hindert, ihre Wohnsituation energetisch zu optimieren.“

Im Rahmen der Studie wurden Interviews mit Haus- und Wohnungseigentümerinnen und -eigentümern sowie Mieterinnen und Mietern geführt, welche drei grundlegende Energiesparstrategien älterer Menschen zeigten: energetische Sanierungen, bauliche und soziale Verdichtung sowie Umzug in eine kleinere Wohnung. Viele der Befragten sind jedoch unsicher in Bezug auf ihre künftige Wohn- und Lebenssituation und tendieren dazu, sich möglichst viele Optionen offenzuhalten. Eine repräsentative Befragung der Bevölkerung ab 55 Jahren weist aber auch auf das beachtliche Potenzial für Einsparungen hin: 15% der Hauseigentümerinnen und -eigentümer planen in den nächsten fünf Jahren eine Veränderung, für weitere 54% ist eine Veränderung zumindest langfristig denkbar. Bei den Wohnungsbesitzerinnen und -besitzern sind es 8% bzw. 47%.

Aufbauend auf den Forschungsarbeiten testet das Projektteam zusammen mit dem Hauseigentümerverband Schweiz in einem Pilot zurzeit ausgewählte Massnahmen zur Ausschöpfung des Energiesparpotenzials bei Einfamilienhausbesitzerinnen und -besitzern. 

Fallstudie einer energetischen Sanierung und baulichen Verdichtung eines EFH.

 Anja Umbach-Daniel, Projektleiterin, Rütter Soceco Sozioökonomische Forschung und Beratung

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2 Antworten
  1. Jürgen Baumann
    Jürgen Baumann says:

    Ist „Energieeffizienz“ noch wichtig? Sollten wir uns nicht lieber auf die Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen konzentrieren? Also konsequent raus aus den fossilen Energieträgern und rein in eine erneuerbare Welt? Da könnten wir dann vielleicht sogar eine 20’000 Watt Gesellschaft haben – aber eben erneuerbar … think of it ….

    • R. Landolt
      R. Landolt says:

      Herr Baumann, da bin ich anderer Meinung. Jede Energiegewinnung braucht Ressourcen und bringt das eine oder andere Problem mit sich – auch die sogenannten erneuerbaren Energien haben Vorteile, sind bei weitem nicht ohne Nachteile. Wenn wir es jedoch schaffen würden, den Energiebedarf zu halbieren, würden sich auch die Probleme halbieren.
      Neben einigen Chancen, bietet die «erneuerbare Welt» ein grosses Risiko. Falsch verstanden, führt sie zu Verschwendung. Weil z.B. PV Strom, wenn die Anlage erstmal investiert ist (und evtl. mit Steuergeldern gefördert), für die nächsten 20 Jahre «nichts mehr kostet», wird damit nicht sorgfältig umgegangen. Wir werden den «neuen» Strom mit gutem Gewissen als «Eigenbedarf» verbraten, bringen den Bedarf an Strom aus Kohle und Kernenergie (gerade im Winter) aber nicht runter. Wir werden dann die bisherigen Probleme der konventionellen Energieversorgung nicht los und bekommen noch ein paar neue der «erneuerbaren Welt» obendrauf.
      Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Irrtümer und Modeströmungen im Energiebereich immer wiederholen. Einst wurde die Schweiz mit Holz beheizt, der Fortschritt brachte Kohle und schützte unsere Wälder davor, vollständig weggerodet zu werden und brachte mehr Komfort und mehr Bedarf. Heizöl löste das «Dreckproblem» der Kohle, war bequem und dank Zentralheizung wurde es zu erschwinglichen Preisen und wenig Aufwand im ganzen Haus komfortabel und der Energiebedarf zum Heizen verzehnfachte sich. Die Erdölkrise brachte erstmals das Thema Energieeffizienz unters Volk. «Saubere» Elektrospeicherheizungen boomten und dank Kernenergie schien die «saubere» Stromproduktion beliebig skalierbar. Unfälle in Kernkraftwerken verunmöglichten weiteren Ausbau, man merkte, dass auch Strom knapp werden könnte. Saurer Regen wurde als Problem erkannt und das Waldsterben als Problem deklariert. Heizöl wurde entschwefelt, die Brennertechnologie verbessert und es wurde wieder munter mit Heizöl und Erdgas weitergeheizt. Das Modell der globalen Erwärmung wurde als nächstes Problem entdeckt und CO2 war plötzlich der «Schadstoff» schlechthin. Die Gebäude wurden besser isoliert, der Wärmebedarf begann zu sinken. Im Moment wird das «Heizsystem» wieder auf Elektroheizungen mit relativ gutem Wirkungsgrad umgestellt. Der dazu notwendige Strommehrbedarf kommt an idealen Wintertagen aus Windkraftanlagen im Norden, in der Mehrheit jedoch aus Kohlekraftwerken aus Deutschland. So gesehen heizen wir zwar ein wenig mit Wind, jedoch vermehrt wieder mit Kohle und auch Holz wird in neuen, zentralen Holzheizanlagen durchgeröstet, als ob es unbegrenzt vorhanden wäre. Der Wohnflächenbedarf ist am steigen und während man in den 80er Jahren noch mit 19°C im Wohnzimmer überleben konnte, braucht es jetzt 23°C… Eigentlich scheint die Lösung offensichtlich, der Bedarf muss runter und die Komfortansprüche dürfen nicht mehr steigen, sonst wird jeder Fortschritt gleich aufgefressen.

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