Brücken bauen, die halten


Wie können dereinst Menschen in zwanzig, dreissig Jahren mit unseren heutigen Entscheidungen «leben»? Welche Voraussetzungen braucht es dazu? Wie können später Betroffene, unsere Kinder und Jugendliche, besser in den heutigen Prozess eingebunden werden? Diese Fragen stehen im Zentrum einer Veranstaltung, die das BFE zusammen mit dem «Forum on Stakeholder Confidence» der OECD vom 7.–9. September 2016 organisiert.

Bundesrätin Doris Leuthard eröffnete die Konferenz in Bern und betonte dabei, dass der Bund zwar den «Lead» im Verfahren habe, aber ohne die Mitwirkung von möglichen Standortkantonen oder -gemeinden ein Tiefenlager dereinst kaum realisiert werden könne. «Es gibt keine «one size fits all»-Lösung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle», so Leuthard weiter, «aber trotzdem können wir viel voneinander lernen.» Bei den meisten Grossprojekten geht es vielfach um eines: Die Akzeptanz der Betroffenen. Seien dies Kantone, Gemeinden oder die Bevölkerung. Hier haben wir in der Schweiz Erfahrungen gemacht: Wer sich immer wieder vor dem Volk für Entscheidungen rechtfertigen muss, der ist auch in seinem politischen Handeln gefordert, umsichtig vorzugehen. Und wahrscheinlich liegen wir damit auch nicht so falsch. Obschon dies gewisse Zeit in Anspruch nimmt, halten solche Entscheide länger. Der Zug der Schweizer Standortsuche ist schon seit acht Jahren unterwegs und hat bereits einen Teil der Wegstrecke hinter sich gebracht. Einiges wurde erreicht. An der einen oder anderen Stelle müssen sicher noch Weichen gestellt sowie vorhandene oder zukünftige Gräben überwunden werden, damit eine Brücke in die Zukunft gebaut werden kann.

Nota bene ist auch die heranwachsende, nächste Generation bei diesem Workshop dabei. Zehn Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren, davon einer aus Deutschland und 7 aus den möglichen Standortregionen der geplanten Tiefenlager in der Schweiz, diskutieren mit. Gespannt kann man auf ihr Feedback am letzten Tag der Konferenz sein.

Stefan Jordi, Leiter Dienst Regionale Partizipation

Auf dem Bild:
William D. Magwood, IV, Director General, Nuclear Energy Agency (NEA), Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin UVEK