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Das kleine Openair-Kino «Cinéma Solaire» fasziniert durch seine Einfachheit: Es läuft mit eigenem Solarkraftwerk, die selber genähte Leinwand lässt sich an zwei Bäumen aufhängen und transportiert wird das ganze Kino in zwei Veloanhängern.

Gemeinsam mit Reto Schmid habe ich mir bei einem Zivildienst-Einsatz Gedanken dazu gemacht, wie man der Bevölkerung Solarenergie auf unterhaltsame Art näher bringen könnte. Dabei sind wir darauf gekommen, dass tagsüber Sonnenlicht da ist, das abends bei einer Kinovorführung fehlt. Wie kann man nun das Licht «einsammeln» und abends wieder «freilassen»? Inspiriert von den Schildbürgern, die bei einer Geschichte von Erich Kästner versuchten, Sonnenlicht mit Kisten, Säcken und Mäusefallen in ihr Rathaus zu tragen, das sie versehentlich ohne Fenster gebaut hatten, machten wir uns an die Arbeit. Und tatsächlich haben wir eine Lösung gefunden, die bestens funktioniert. Für zwei Stunden Film benötigen wir vier Stunden puren Sonnenschein. Ist es bewölkt oder regnet es, brauchen wir einiges länger, um unsere «Lichtspeicherkiste» zu füllen. Wir haben jedoch vorgesorgt und immer einen Reserve-Akku dabei. So können wir einen Regentag problemlos überbrücken.

Seit 2007 bringen wir besondere, alte oder kultige Filme in die Stadt – vorgeführt mit Energie aus dem eigenen, portablen Solarkraftwerk. Wir freuen uns sehr, dass wir in Winterthur endlich den perfekten Vorführort gefunden haben. Der Lagerplatz liegt gleich hinter dem Bahnhof und bietet eine einmalige Atmosphäre. Mitten im alten Sulzerareal, mit freier Sicht auf die Sterne ist die Stimmung wundervoll zum Filmeschauen.

Die Filmauswahl 2015 ist emotionaler als andere Jahre. Zum Beispiel «One flew over the Cuckoo`s Nest» oder «Rocky» aus dem Jahre 1976. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Muhammed Ali kämpfte einst gegen einen zähen Nobody, der sich nicht K.o. schlagen liess. Fasziniert von dieser Geschichte schrieb Sylvester Stallone das Drehbuch für «Rocky» und spielte auch gleich die Hauptrolle. Mit minimalstem Budget entstand aus persönlicher Faszination ein Film, der in die Geschichte einging.

Bei der Entwicklung unseres Kinos waren die Mittel auch beschränkt – vor allem die Transportmittel. Als wir mit dem Bau des Kinos starteten, war klar, dass das ganze Equipment per Velo und Zug transportiert wird – da wir beide kein Auto besitzen. Das hat dazu geführt, dass alles klein, leicht und handlich sein musste. Was nach Einschränkung klingt, wurde zum grossen Vorteil. Cinéma Solaire ist so gemütlich, weil die Leute ihre Stühle selber mitbringen, weil wir zur Leinwandmontage anstelle eines Gerüsts lieber Bäume oder Laternen verwenden und weil es einfach Freude macht, einen Film zu geniessen, der mit 100 Prozent Sonne läuft.

Das vollständige Programm finden Sie unter: www.cinema-solaire.ch. Der Wetterbericht für diese Woche sieht gut aus. Wir würden uns freuen, Sie an einem lauen Sommerabend auf dem Lagerplatz anzutreffen.

Christof Seiler, Gründer von Cinéma Solaire

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