Noch vor wenigen Jahrzehnten galt Solarstrom als teure Nischentechnologie. Heute liefert die Sonne einen bedeutenden Anteil des Schweizer Stroms. Wie wurde aus Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von kaum einem Prozent eine der wichtigsten Stromquellen des Landes?

Von der Antike bis zur ersten Solarzelle im 19. Jahrhundert

Bereits in der Antike nutzten die Griechen und Römer die Energie der Sonne. Gebäude wurden so ausgerichtet und gestaltet, dass sie im Winter möglichst viel Sonnenwärme aufnahmen und im Sommer vor Überhitzung geschützt waren. Ausserdem nutzten sie sogenannte Brennspiegel, um Sonnenstrahlen zu bündeln und damit Feuer oder Fackeln zu entzünden oder um Metalle zu schmelzen.

Im Jahr 1767 beobachtete der Genfer Naturforscher Horace Bénédict de Saussure, dass sich Flächen unter einer Glasabdeckung stärker erwärmen als solche ohne eine Abdeckung. In der Folge baute er sogenannte Hitzekisten – das heisst, Holzkästen mit schwarzem Boden und einer Abdeckung aus mehreren Glasscheiben. Diese kleinen, gewächshausähnlichen Konstruktionen erwärmten sich auf bis zu 87 Grad Celsius. Den photovoltaischen Effekt beobachtete der französische Physiker Alexandre Edmond Becquerel erstmals im Jahr 1839. Er fand heraus, dass das Licht in bestimmten Materialien eine elektrische Spannung erzeugen kann. Diese Entdeckung bildete die Grundlage für die spätere Entwicklung der Photovoltaik, die die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie ermöglicht.

Der Begriff «Photovoltaik» setzt sich aus dem griechischen Wort «phos» und der elektrischen Einheit «Volt», benannt nach dem italienischen Physiker Alessandro Volta, zusammen. Unter Photovoltaik wird die Umwandlung von Lichtenergie, meistens in Form von Sonnenenergie, in elektrische Energie verstanden. Die ersten Solarzellen am Ende des 19. Jahrhunderts auf Selenbasis wiesen lediglich einen Wirkungsgrad von rund 1 % auf. Selen ist ein chemisches Element mit halbleitenden Eigenschaften. Es kann bei Lichteinstrahlung elektrische Ladungen freisetzen und eignete sich deshalb für die ersten Versuche zur direkten Umwandlung von Sonnenlicht in Strom. Aufgrund seines geringen Wirkungsgrads wurde Selen später jedoch weitgehend durch leistungsfähigere Materialien wie Silizium ersetzt. Der Wirkungsgrad einer Solarzelle zeigt, wie effizient sie Sonnenlicht in Strom umwandelt. Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet, dass ein grösserer Anteil der Sonnenenergie genutzt wird.

Der Boom der Solarenergie am Ende des 20. Jahrhunderts

Im Jahr 1954 entwickelte ein Forscherteam der Bell Laboratories in den Vereinigten Staaten die erste funktionsfähige Solarzelle aus Silizium. Das Forscherteam fand heraus, dass halbleitende Materialien wie Silizium effektiver als Selen waren. Ihre erste Solarzelle erreichte einen Wirkungsgrad von 6 %, das heisst, sie konnte 6 % der auftreffenden Sonnenenergie in Strom umwandeln. Zum Vergleich: moderne Solarmodule erreichen einen Wirkungsgrad von 22% bis 24%. Um die Zuverlässigkeit der neuen Technologie zu demonstrieren und mangels geeigneter Alternativen zur Energieversorgung im All, wurde 1958 der Satellit Vanguard I mit Solarzellen ausgestattet. Der erfolgreiche Einsatz trug wesentlich dazu bei, das Potenzial der Photovoltaik aufzuzeigen. Die Ölkrise von 1973 vergrösserte das Interesse an erneuerbaren Energiequellen und als Folge profitierte die Solarenergie von erhöhter Aufmerksamkeit, was ihre Entwicklung zusätzlich beschleunigte.

Die Schweiz als weltweite Spitzenreiterin

Die erste netzgekoppelte Photovoltaik (PV)-Anlage Europas mit dem Namen Ticino Solare (TISO-10) wurde 1982 in Lugano installiert und liefert heute noch Strom (mehr dazu hier). Drei Jahre später, im Jahr 1985, fand das weltweit erste Rennen für solarbetriebene Autos in der Schweiz statt, die sogenannte Tour de Sol. Die Strecke führte in fünf Etappen vom Bodensee bis an den Genfersee. Von 73 gestarteten Solarmobilen erreichten 58 Fahrzeuge das Ziel. Die Veranstaltung entwickelte sich zu einem Publikumserfolg und fand jährlich bis 1993 statt. Die Tour de Sol förderte zahlreiche technische Innovationen im Bereich der Elektromobilität und bewies der Öffentlichkeit, dass die Nutzung von solarbetriebenen Fahrzeugen auch in weniger sonnigen Regionen möglich ist.

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verstärkte das Interesse an alternativen und erneuerbaren Energiequellen zusätzlich und verlieh der Photovoltaik weiteren Auftrieb. Die Stadt Burgdorf führte 1991 als eine der ersten Gemeinden eine Vergütung für Solarstrom ein. Pro eingespeiste Kilowattstunde wurden die Produzenten mit einem Franken vergütet. Ein Jahr später wurde das Sonnenkraftwerk Mont Soleil im Berner Jura durch den damaligen Bundesrat Adolf Ogi offiziell eröffnet. Zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme war Mont Soleil mit einer Nennleistung von 560 Kilowatt (kW) eine der grössten Photovoltaikanlagen Europas. Zwischen 1987 und 1998 vergrösserte sich die Nutzung der Photovoltaik in der Schweiz um den Faktor 14, wodurch die Schweiz zu einer der weltweiten Spitzenreiterinnen wurde.

Nach der Jahrtausendwende flachte der Boom der Solarenergie in der Schweiz ab. Dies wurde auch in der Abstimmung über die Volksinitiative «Für einen Solarrappen (Solar-Initiative)» am 24. September 2000 sichtbar. Die Initiative wollte die Solarenergie in der Schweiz gezielt fördern. Dafür sollten Stromkundinnen und Stromkunden während 25 Jahren eine Abgabe von maximal 0,5 Rappen pro verbrauchter Kilowattstunde auf Strom aus nicht erneuerbaren Energiequellen bezahlen. Die daraus erzielten Einnahmen wären in den Ausbau erneuerbarer Energien geflossen, wobei die Hälfte ausdrücklich für die Förderung der Solarenergie vorgesehen war. Die Bevölkerung stand dem Vorschlag jedoch kritisch gegenüber: In der Volksabstimmung wurde die Solarinitiative mit 68,18 % der Stimmen deutlich abgelehnt.

Ende 2025 machte die Solarenergie in der Schweiz knapp 12 Prozent an der Stromproduktion aus. Rafael Stähli, Fachspezialist für erneuerbare Energien im Bundesamt für Energie, erklärt die Bedeutung der Solarenergie und wo die Herausforderungen sind.

Rafael Stähli

Rafael Stähli, Fachspezialist für erneuerbare Energie im BFE.

Energeiaplus: Welche Rolle spielt die Solarenergie heute im Schweizer Stromsystem?

Um die Umwelt zu schonen und unsere Klimaziele zu erreichen, hat die Schweizer Bevölkerung entschieden, den Verbrauch von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Das bedeutet unter anderem, dass wir Verkehr, Industrie und Gebäude zunehmend elektrifizieren müssen. Dadurch wird der Stromverbrauch steigen. Die grosse Herausforderung der kommenden Jahre ist die sichere und nachhaltige Versorgung der Schweiz mit Strom.

Für eine sichere und nachhaltige Stromversorgung brauchen wir einen breiten Strommix. Die Photovoltaik spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Jahr 2025 deckte die Photovoltaik mit rund 8 Terawattstunden (TWh) schon 14% des gesamten Verbrauchs ab. Photovoltaik ist günstig und kann vor allem auf bereits bebauten Flächen und in der Nähe der Verbraucher ausgebaut werden. Das langfristig nutzbare Potenzial der Photovoltaik beträgt rund 100 TWh pro Jahr und ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Welche Herausforderungen bringt der zunehmende Anteil von Solarstrom für die Stromnetze mit sich?

Unser Stromnetz wurde ursprünglich für wenige grosse Kraftwerke gebaut, um den Strom von den oberen auf die unteren Netzebenen zu verteilen. Erneuerbare Energien führen vermehrt zu einer dezentralen Einspeisung ins Netz auf den unteren Netzebenen. Gleichzeitig wächst durch die Elektrifizierung auch die Anzahl neuer Verbraucher wie beispielsweise Wärmepumpen oder Elektroautos, welche den Strombedarf und die Netzbelastung grundsätzlich erhöhen. Aber: Weil der Solarstrom häufig direkt am Ort des Stromverbrauchs produziert wird, wirkt er auch netzentlastend. Dieser Effekt kann durch aktive und intelligente Steuerung der Erzeuger, Verbraucher und Speicher maximiert werden. Dabei werden Produktion, Verbrauch und Speicherung von Strom so aufeinander abgestimmt, dass das Netz möglichst effizient genutzt und Spitzenbelastungen vermieden werden.

Welche Rolle spielen Energiespeicher für die Nutzung von Solarenergie?

Energiespeicher erfüllen mehrere Rollen gleichzeitig: In Kombination mit einem Energiemanagementsystem (EMS) erlauben Energiespeicher die Optimierung des Eigenverbrauchs und Stabilisierung des Gesamtsystems. Die erzeugte Solarenergie lässt sich mit einem Energiespeicher bedarfsgerecht speichern, vor Ort nutzen und zu wirtschaftlich optimalen Zeiten einspeisen, beispielsweise dann, wenn die Nachfrage nach Strom hoch ist und sich die Einspeisung besonders lohnt. Das entlastet die Infrastruktur, ermöglicht eine flexible Reaktion auf Eigenbedarf und Marktpreise und sorgt für eine effiziente, finanziell nachhaltige Energienutzung.

Wie wichtig werden intelligente Netze (Smart Grids) für die Integration von Solarstrom?

Smart Grids sind kein optionales Zusatzinstrument, sondern eine systemische Voraussetzung für eine funktionierende Solarstromintegration. Je höher der Photovoltaikanteil im Netz, desto wichtiger werden Intelligenz, Flexibilität und Digitalisierung als Grundlage für einen sicheren, kosteneffizienten und nachhaltigen Netzbetrieb.

Welche Bedeutung haben lokale Elektrizitätsgemeinschaften und Eigenverbrauchsgemeinschaften für die Stromversorgung?

Die zunehmend dezentrale Stromproduktion vieler Photovoltaik-Produzenten erlaubt es, den Solarstrom direkt vor Ort zu nutzen und so die Netznutzung zu reduzieren. Eigenverbrauchsgemeinschaften und lokale Elektrizitätsgemeinschaften bieten dafür die reglementarische Grundlage, um produzierten Solarstrom lokal zu beziehen oder lokal zu verkaufen, teils ganz ohne und teils zu reduzierten Netzkosten. Nebst dem netzschonenden Effekt schaffen sie einen Marktmechanismus, der den bestehenden und künftigen Solarstromzubau wirtschaftlicher und breiter zugänglich macht. Mehrfamilien-Neubauten mit Solaranlage werden bereits des Öfteren mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch gebaut.

Welche Rolle spielen alpine Solaranlagen für die Stromversorgung im Winter?

Im Rahmen der Energiestrategie 2050 ist Winterstrom ein zentrales Thema, da der Stromverbrauch im Winter höher ist, herkömmliche PV-Anlagen aber gerade im Winter weniger produzieren. Da alpine Solaranlagen einen erheblich besseren Winterstromertrag als PV-Anlagen im Flachland liefern, können alpine Solaranlagen die saisonale Lücke teilweise schliessen und damit einen wichtigen Beitrag zur ganzjährigen Stromproduktion leisten.

Die Solarenergie wird heute meist mit Photovoltaik gleichgesetzt, obwohl es noch andere Formen der Nutzung der Solarenergie gibt. Welche Rolle spielt die Nutzung der Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung heute noch? Welches Potenzial sehen Sie für Solarwärme in der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten?

Solarwärme wird wohl die Photovoltaik in der Schweiz mengenmässig nicht mehr einholen, dafür ist der Vorsprung zu gross, und im Einfamilienhaus-Segment verdrängt die Kombination von Wärmepumpe und PV-Anlage die klassische Solarthermie zunehmend. Das Potenzial der kommenden Jahrzehnte liegt aber nicht im Verdrängungswettbewerb mit der Photovoltaik, sondern in ergänzender Betrachtung mit hohem Systemnutzen.

Welche Rolle wird die Photovoltaik in der Schweizer Stromversorgung 2050 spielen?

Die Photovoltaik hat bereits heute eine tragende Rolle für die Schweizer Stromversorgung und wird diese Rolle in der Zukunft noch weiter ausbauen. Die Sonne ist ein verlässlicher, nachhaltiger Lieferant, welcher man auch in Zukunft sehr gut zur Stromgewinnung verwenden kann. Mit der sich verändernden Grösse der PV-Produktion in der Schweiz werden sich die Rahmenbedingungen anpassen müssen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Solarenergie eines unserer besten Mittel für den erneuerbaren Umbau des Energienetzes und eine nachhaltige Schweizer Stromversorgung 2050 sein wird.

Die Solarenergie ist damit bereits heute ein wichtiger Bestandteil der schweizerischen Stromversorgung. Gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundes soll sie auch künftig eine zentrale Rolle bei der Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele spielen. Laut dem Energiegesetz (EnG) soll bis 2050 insgesamt 45 Terrawattstunden (TWh) an erneuerbarem Strom produziert werden, wobei der grösste Teil aus PV-Anlagen stammen soll.

Dieser Blogbeitrag über die Solarenergie ist der Vierte und Letzte in der Blogreihe über die Geschichte der erneuerbaren Energien mit dem Fokus auf die Schweiz. Den ersten Blogbeitrag über die Geothermie finden Sie hier, den zweiten über die Windenergie hier, und den dritten über die Wasserkraft hier.

 Mattia Pesolillo, Hochschulpraktikant Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)

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Die Nutzung der Wasserkraft in der Schweiz hat eine lange Tradition. Schon die Römer betrieben damit ihre Getreidemühlen. Heute macht sie knapp 60% der schweizerischen Stromproduktion aus. Doch wie kam die Wasserkraft zu ihrer wichtigen Rolle in der Stromversorgung der Schweiz? 

Was ist Wasserkraft? 

In der Schweiz wird zwischen Gross- und Kleinwasserkraft unterschieden. Grosswasserkraftwerke haben eine Leistung von mehr als 10 Megawatt (MW) und verfügen häufig über grosse Staumauern. Sie produzieren rund 90% des Stroms aus Wasser. Kleinwasserkraftwerke mit weniger als 10 MW tragen die restlichen 10% bei. 

Die Wasserkraftwerke lassen sich weiter in drei verschiedene Typen einteilen. Es gibt Laufwasserkraftwerke, die an Bächen und Flüssen liegen und die ständig fliessendes Wasser zur Stromproduktion verwenden. Sie unterliegen starken saisonalen Schwankungen. Die Speicherkraftwerke wiederum können ihre Stromerzeugung dem aktuellen Bedarf anpassen. In Speicherseen, die sich meistens in alpinen Gebieten befinden, wird Wasser zurückgehalten und bei Bedarf für die Stromproduktion genutzt. Die grosse Stärke von Speicherkraftwerken ist, dass Wasser saisonal gespeichert werden kann und somit in den Wintermonaten für die Stromproduktion zur Verfügung steht. Das macht sie essenziell für die schweizerische Winterstromproduktion. Schliesslich gibt es noch die Pumpspeicherkraftwerke, die im Gegensatz zu den Speicherkraftwerken noch über ein weiteres, tiefer liegendes Wasserreservoir verfügen. In Situationen, in denen ein Stromüberschuss herrscht, kann mittels Pumpen das Wasser im unteren Reservoir in das obere gepumpt werden. Mit diesem Wasser kann dann erneut Strom produziert werden. Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke tragen einen wesentlichen Teil zur Stromnetzstabilität bei. 

Von Getreidemühlen, Webmaschinen und dem ersten Licht in der Schweiz 

Bereits die Römer nutzten die Kraft des Wassers, um grosse Mühlesteine in Getreidemühlen anzutreiben. Der Vorteil war, dass sich mit wasserbetriebenen Mühlen erheblich mehr Korn mahlen liess als von Hand. In Cham-Hagendorn im Kanton Zug wurde 1944 die erste römische Mühle in der Schweiz entdeckt. Die archäologischen Untersuchungen haben ergeben, dass sie zwischen 185 und 195 n.u.Z. erstellt worden ist, womit sie eine der frühsten Beweise für die Wasserkraftnutzung in der Schweiz ist. 

In der Phase der Frühindustrialisierung der Schweiz wurde die Wasserkraft für den Antrieb von Spinnereien und Webmaschinen gebraucht. Dagegen setzte die Nutzung der Wasserkraft für die Stromproduktion erst deutlich später ein. Als Johannes Badrutt, ein Schweizer Hotelier, nach seinem Besuch an der Pariser Weltausstellung 1878 in seine Heimat nach St. Moritz zurückkehrte, erzählte er fasziniert von seinen Erlebnissen und der an der Weltausstellung präsentierten elektrischen Beleuchtungsanlage. Badrutt wollte diese neuartige Technologie in die Schweiz bringen und schliesslich brannte am 18. Juli 1879 im Speisesaal des Hotel Kulms das erste elektrische Licht in der Schweiz, angetrieben von einer Wasserturbine. 

Die Wasserkraft in der Schweiz im 20. Jahrhundert 

Die erste Phase der schweizerischen Stromerzeugung war geprägt von Kleinwasserkraft und von kommunal betriebenen Elektrizitätswerken. Mit dem Aufkommen von neuen Technologien, die den Stromtransport ermöglichten und später erleichterten, begann sich die Produktion und Nutzung der elektrischen Energie räumlich zu trennen. 1898 wurde in Rheinfelden im Kanton Aargau das erste grosse Wasserkraftwerk der Schweiz, und gleichzeitig eines der ersten und grössten in Europa, erbaut. Das Wasserkraftwerk Rheinfelden, an der deutsch-schweizerischen Grenze, legte den Grundstein für ein länderübergreifendes Stromnetzwerk.  

Auch politisch rückte die Wasserkraft ins Zentrum: die erste energiepolitische Volksabstimmung in der Schweiz betraf wenig überraschend die Wasserkraft. Das Schweizer Stimmvolk nahm am 25. Oktober 1908 den direkten Gegenentwurf mit dem Titel «Bundesbeschluss betreffend die Aufnahme eines Zusatzartikels 24bis in die Bundesverfassung betreffend die Gesetzgebung des Bundes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte und über die Fortleitung und die Abgabe der elektrischen Energie» mit 84.4% der Stimmen an. Hinter dem sehr langen und umständlichen Titel zur Änderung der Bundesverfassung stand die Erkenntnis, dass der Bund mit dem zunehmenden Ausbau der Wasserkraft erste Gesetze erlassen sollte. Es hatte sich gezeigt, dass bei der Nutzung von Flussläufen zur Stromproduktion oft das Interesse mehrerer Kantone miteinander konkurrierte und dass die kantonalen Vorschriften als nicht ausreichend angesehen wurden. Schliesslich befürchtete der Bund, dass sowohl in- als auch ausländische Privatunternehmen von der günstigen Schweizer Wasserkraft profitieren könnten. Aus diesen Gründen sah sich der Bundesrat dazu veranlasst, die Nutzung der Wasserkraft besser zu regulieren. 

Die Phase nach dem Zweiten Weltkrieg bis ungefähr 1970 war von einem intensiven Ausbau der Wasserkraft geprägt, um die schweizerische Energieautarkie zu stärken. Dies war vor allem auch darauf zurückzuführen, dass in dieser Zeit die Stromnachfrage stark stieg, attraktive ökonomische Rahmenbedingungen Anreize für die Realisierung von neuen Wasserkraftwerken lieferten und dass neben der Wasserkraft keine konkurrenzfähige Alternativenergie existierte. So wurde im Kanton Wallis von 1951 bis 1965 die Staumauer Grande Dixence errichtet, die höchste Gewichtsstaumauer der Welt. Zeitgleich wurde von 1954 bis 1969 die Staumauer Mattmark im Saastal, ebenfalls im Kanton Wallis, gebaut. Die gleichzeitige Errichtung von zwei so grossen Energieinfrastrukturprojekten führte zu einem akuten Arbeitermangel, weshalb die Rekrutierung von ausländischen Arbeitern, hauptsächlich aus Italien, begann. Am 30. August 1965 kam es während den Arbeiten am Staudamm Mattmark zur grössten Katastrophe auf einer Baustelle in der Geschichte der Schweiz. Nach einem Gletscherabbruch wurden die Arbeiter vor Ort verschüttet, insgesamt 88 Menschen starben, davon waren 56 italienische Gastarbeiter. 

Wasserkraft in der Energiestrategie 2050 

Gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundesamtes für Energie (BFE) trägt die Wasserkraft bereits heute den Grossteil zur Schweizer Stromversorgung bei und soll laut dem Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien noch stärker ausgebaut werden. Seit 2000 ist die Stromproduktion aus Wasserkraft kontinuierlich gestiegen, was auf den Neubau von Anlagen und Erweiterungen sowie Optimierungen bestehender Anlagen zurückzuführen ist. Im Jahr 2035 soll die durchschnittliche Produktion gemäss dem im Energiegesetz verankertem Zielwert bei 37’900 Gigawattstunden (GWh) betragen. 

Zur Stärkung der Versorgungssicherheit im Winter soll laut dem Bundesgesetz für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2040 ein Zubau von Kraftwerken zur Erzeugung von erneuerbarer Energie von mindestens 6 Terrawattstunden (TWh) realisiert werden. Davon müssen im Winter mindestens 2 TWh sicher abrufbar sein. Der Ausbau setzt prioritär bei den Speicherwasserkraftwerken an, um dieses Ziel zu erreichen. Aus diesem Grund identifizierten Vertreterinnen und Vertreter der Energiewirtschaft, der Kantone und von Naturschutzorganisationen an einem vom Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) 2021 organisierten Runden Tisch eine Liste mit 15 Speicherwasserkraft-Projekten. 

Christian Dupraz

Christian Dupraz, Leiter der Sektion Wasserkraft im Bundesamt für Energie (BFE).

Um eine Einschätzung zu erhalten, wo die Wasserkraft heute steht und welche Herausforderungen die Zukunft für sie bringt, haben wir uns bei unserem zuständigen Leiter für Wasserkraft, Christian Dupraz, erkundigt. 

Energeiaplus: Wo liegen die grössten Chancen, damit Wasserkraft ihre Rolle als Systemstütze auch künftig erfüllen kann?  

Die grössten Chancen für die Wasserkraft liegen in ihrer Flexibilität, und zwar über alle Zeitspannen hinweg. Die Wasserkraft gleicht in einer kurzen Frist Schwankungen im Sekundenbereich aus und stabilisiert die Frequenz, auf der anderen Seite ermöglichen die Speicherseen eine saisonale Umlagerung und damit eine Reserve für die versorgungskritische Zeit im Winter.  

Wie stark beeinflusst der Klimawandel bereits heute die Produktion von Wasserkraft?  

 Am stärksten macht sich der Klimawandel in der Schweiz durch den Rückgang der Gletscher bemerkbar. Dieser führt bei den hochalpinen Kraftwerken zu einem deutlichen Überschuss an Sommerzuflüssen und damit zu einer überdurchschnittlichen Produktion im Vergleich zur ursprünglichen Anlagenauslegung.  

Was erwarten Sie langfristig: mehr Schwankungen, eine Verschiebung der Wasserkraftproduktion in den Winter oder ein generelles Rückgangsrisiko der Wasserkraft?  

Einigkeit besteht, dass die Zuflussregime sich stärker in den Winter verschieben, insbesondere, da Schnee zunehmend nur in den Höhenlagen lange liegen bleibt. Wie anhand der Gletscher dargelegt, wird – nachdem diese eine neue Gleichgewichtslage gefunden haben (also verschwunden sind oder nicht mehr weiter zurückschmelzen) – dieses Überschusswasser fehlen und daher die Produktion etwas zurückgehen. Aussagen zur Entwicklung der Variabilität sind mit noch höheren Prognoseunsicherheiten verbunden. 

Wo sehen Sie realistisches Ausbaupotenzial in der Schweiz – eher bei Speicherwerken, Laufwasserkraft oder Pumpspeichern?  

Das Ausbaupotenzial ist nicht mehr sehr gross, jedoch ist in allen Bereichen noch Potenzial vorhanden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Speicherausbau, damit die Versorgungssicherheit im Winter gestärkt und das Ziel von mindestens 2 TWh neuem Speicher erreicht wird. Wir haben aber auch Produktionsziele, zu denen der Speicherausbau kaum beiträgt, weshalb es auch neue Laufwasserkraftproduktion braucht. Ein aktuelles Projekt in diesem Bereich ist die neue Zentrale Massongex-Bex, die in den nächsten Jahren gebaut werden soll. Nachdem im Bereich Pumpspeicher seit 2015 zwei grosse Neuanlagen in Betrieb gegangen sind, war hier grössere Zurückhaltung zu sehen, weil die Investitionen in den ersten Jahren nicht wirtschaftlich waren. Angesichts des geplanten Zubaus ist auch hier zu erwarten, dass Projektanten neue Projekte an die Hand nehmen.  

Was ist der aktuelle Stand bezüglich den 15 Speicherwasserkraft-Projekten des Runden Tisches?  

 Es sind 16 Projekte, 15 Projekte im Anhang und ein Projekt im Artikel 9a selbst. Das Bundesamt für Energie (BFE) verfolgt diese Projekte seit mehreren Jahren. Im letzten Jahr hat das UVEK informiert, dass bis 2040 voraussichtlich nicht alle Projekte realisiert werden können. Einige Projekte sind bereits im Bewilligungsverfahren und weiter fortgeschritten. Andere Projekte sind noch in der Abklärung, es zeigt sich aber, dass sie im Umfang verkleinert oder nicht realisiert werden können. Aktuell sind die beteiligten Bundesämter daher daran, die Liste zu überprüfen, was zu einem allfälligen Ergänzungsvorschlag mit neuen Projekten führen könnte.  

 Wie sieht die Schweizer Wasserkraft im Jahr 2050 aus?  

Sehr ähnlich wie heute. Wir haben sicher einige neue Zentralen, aber wir haben aktuell bereits einen sehr grossen Zentralenstock. Bei den Besitzverhältnissen wird sich 2050 einiges getan haben. Mit den Konzessionserneuerungen werden die Standortkantone und Gemeinden sicher grössere Anteile an den Kraftwerken übernehmen. Zudem werden die Kraftwerke bis 2050 noch nachhaltiger sein, da einerseits mit der Konzessionserneuerung die Restwassermengen angepasst werden und andererseits bis dahin auch die Massnahmen zur ökologischen Sanierung der Wasserkraft umgesetzt sind.  

Die Zukunft der Wasserkraft 

Wasserkraft hat die Energiegeschichte der Schweiz geprägt wie kein anderer Energieträger. Sie entstand aus einfachen Mühlen, entwickelte sich zu grossen Infrastrukturprojekten und bildet heute das Rückgrat der Schweizerischen Stromproduktion. Auch in Zukunft wird sie eine Schlüsselrolle spielen: als flexible Winterenergie, als Speicher für Stromspitzen und als verlässliche Säule eines klimaneutralen Energiesystems. Die Schweiz baut damit auf eine Energiequelle, die seit Jahrtausenden fliesst und auch in den kommenden Jahrzehnten Richtung Zukunft weist. 

Dieser Blogbeitrag über die Wasserkraft ist der Dritte in der Blogreihe über die Geschichte der erneuerbaren Energien mit dem Fokus auf die Schweiz. Den ersten Blogbeitrag über die Geothermie finden Sie hier und den zweiten über die Windenergie hier. Mehr zur Geschichte der erneuerbaren Energien erfahren Sie im kommenden Beitrag über die Photovoltaik. 

Mattia Pesolillo, Hochschulpraktikant Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE) 

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Der Wind bewegt sich immer und trägt eine Energie in sich, die schon lange die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen hat. Neben Wasser und Feuer hat sich der Mensch den Wind schon früh zunutze gemacht.

Was ist Windenergie?

Der Begriff Windenergie bezeichnet den Vorgang, bei dem mittels Windkraftanlagen aus Wind Elektrizität erzeugt wird. Die Energie des Windes wird mithilfe einer Turbine in mechanische Energie umgewandelt, aus der wiederum elektrische Energie entsteht. Dies geschieht mit aerodynamisch geformten Rotorblättern, die einen Generator antreiben, durch den Strom ins Netz eingespeist wird.

Während einzelne Windkraftanlagen als Einzelanlagen betrieben werden, bilden mehrere Windkraftanlagen zusammen einen Windpark. Moderne Windkraftanlagen werden entweder im Meer vor der Küste (offshore) oder an Land (onshore) errichtet. Offshore-Anlagen profitieren von gleichmässigeren und stärkeren Winden, was zu einer höheren und konstanteren Stromproduktion führen kann. Gleichzeitig erfordert der Bau im Meer jedoch aufwändige Fundamente, spezielle Installationsschiffe und intensivere Wartungsarbeiten, was die Kosten erhöht. Onshore-Windkraftanlagen lassen sich mit geringerem Aufwand und niedrigeren Investitionskosten bauen. Der erzeugte Strom kann häufig direkt ins nahegelegene Stromnetz eingespeist werden. Dafür sind die Windverhältnisse an Land oft weniger konstant, was zu einer geringeren Auslastung führen kann. Windenergieanlagen an Land als auch im Wasser können bis über 250 Meter hoch sein. Moderne Windenergieanlagen beginnen ab einer Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde zu rotieren und Strom zu produzieren. Die maximale Leistung wird zwischen 12 und 15 Metern pro Sekunde erreicht. Hohe Windgeschwindigkeiten sind für die Stromproduktion zwar ideal. Bei zu starkem Wind wird die Anlage jedoch automatisch heruntergefahren, um Schäden zu vermeiden.

Von Windmühlen bis Windräder: Vielfältige Verwendungszwecke der Windkraft

Die frühste Überlieferung einer Nutzung der Windkraft ist knapp 2’500 Jahre alt, als in Persien Windmühlen verwendet wurden, um den Mahlstein, mit dem das Getreide gemahlen wurde, anzutreiben. Die Verwendung der Windkraft für die Stromerzeugung hingegen ist relativ jung. Erst um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert wurden in Dänemark die ersten Versuche in diese Richtung unternommen. Der Bau von Windrädern begann jedoch erst nach der ersten Energiekrise 1973/74. Europäische Länder wie Dänemark und Deutschland, aber auch die USA wollten ihre Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und suchten nach einer Alternative zum Erdöl, dem damaligen primären Energieträger. Aus diesem Grund setzten sie vermehrt auf erneuerbare Energien, unter anderem die Windenergie. In der Schweiz wurde die erste Windturbine 1986 in Langenbruck im Kanton Basel-Landschaft mit einer Leistung von 28 Kilowatt in Betrieb genommen. Sie produzierte bis ins Jahr 2020 Strom, bevor sie abgeschaltet wurde. Im Jahr 2004 wurde am Standort Gütsch, oberhalb der Gemeinde Andermatt im Kanton Uri, auf 2332 m.ü.M. der europaweit zweithöchste Windpark erbaut. 2025 wurde ein Ausbauprojekt abgeschlossen, dank dem die Jahresproduktion des Windparks Gütsch auf 11 Millionen Kilowattstunden anwachsen wird. Mit dieser Strommenge können rund 2700 Haushalte versorgt werden.

Windenergie in der Gegenwart

Der grösste Windpark der Schweiz mit 16 Windturbinen befindet sich auf dem Mont-Crosin bei Saint-Imier im Berner Jura. Die jährliche Produktion beläuft sich auf bis zu 91 Gigawattstunden. Der Anteil der Windenergie am Schweizer Strommix betrug im Jahr 2024 rund 0.3 Prozent. Stand Ende 2025 waren 50 Windkraftanlagen in der Schweiz in Betrieb. Dies soll sich aber in Zukunft ändern. Moderne Anlagen sind im Vergleich zu ihren Vorgängern leiser, effizienter und leistungsstärker. Sie produzieren auch im Mittelland konstant Strom und können dadurch einen entscheidenden Beitrag zur Winterstromversorgung der Schweiz liefern.

Im September 2025 hat das Parlament die Änderung des Energiegesetzes, den sogenannten Beschleunigungserlass, angenommen. Mit dem Beschleunigungserlass werden die Planungs- und Bewilligungsverfahren für erneuerbare Energieprojekte von nationalem Interesse, darunter auch Windenergieanlagen, vereinfacht und beschleunigt. Für Windparks mit einer erwarteten Jahresproduktion von über 20 Gigawattstunden werden die Verfahren zukünftig auf kantonaler Ebene zusammengeführt. Dadurch erfolgt die Planung und Bewilligung neu in einem einzigen, konzentrierten Plangenehmigungsverfahren. Bislang war das Verfahren zweistufig organisiert und bestand aus einer Nutzungsplanung sowie einer separaten Baubewilligung.

Um zu erfahren, wie sich die Windenergie entwickelt und welche Hürden bestehen, haben wir bei Julian Ferber, Fachspezialist für Windenergie  im Bundesamt für Energie nachgefragt.

Julian Ferber ist im Bundesamt für Energie zuständig für die Windenergie. Bild: Julian Ferber

Energeiaplus: Welche Rolle wird die Windenergie in der Schweizer Stromversorgung künftig spielen?

Die Windenergie ist eine bewährte Technologie. Weltweit, aber auch in Europa und in den Nachbarländern der Schweiz findet sie grossen Anklang. In der Schweiz selbst wird sie jedoch bisher noch wenig genutzt. Ein grosser Vorteil der Windkraft ist, dass sie vor allem im Winter viel Strom liefert: Rund zwei Drittel der jährlichen Windstromproduktion fallen in das Winterhalbjahr.

Damit ergänzt die Windenergie andere erneuerbare Quellen wie Solarenergie und Wasserkraft, die hauptsächlich im Sommerhalbjahr hohe Erträge erzielen. Mit dem Ausbau der Windenergie und dem Zusammenspiel der verschiedenen Technologien kann die erneuerbare Stromversorgung der Schweiz zuverlässig gewährleistet werden.

Wie wichtig wird Windenergie für die Winterstromproduktion der Schweiz?

Die Windenergie trägt auch im Sommer zur Stromerzeugung bei, liefert aber rund zwei Drittel ihrer Stromproduktion im Winterhalbjahr, wenn wir mehr Strom brauchen. Um die Versorgungssicherheit der Schweiz zu stärken, ist ein gezielter Ausbau der Windkraft wichtig.

Windenergie ist dabei einer von mehreren Pfeilern der Schweizer Energieversorgung. Keine einzelne erneuerbare Technologie – weder Windkraft noch Solarenergie oder Wasserkraft – kann die Versorgungssicherheit über das Jahr verteilt alleine gewährleisten. Erst das Zusammenspiel aller Technologien ermöglicht eine zuverlässige und nachhaltige Stromversorgung.

Welche technischen Fortschritte erwarten Sie in den nächsten zehn Jahren?

In den letzten zehn Jahren hat die Windenergie grosse technische Fortschritte gemacht. Moderne Anlagen sind leiser und auch deutlich höher geworden, dabei verfügen sie ebenfalls über längere Rotorblätter. Die produzierte Strommenge hängt im Wesentlichen von der Fläche ab, die die Rotorblätter überstreichen – je grösser diese Fläche, desto mehr Windenergie kann genutzt werden.

Das bedeutet: Grössere Anlagen mit längeren Rotorblättern können mehr Strom aus dem Wind gewinnen. Der technologische Fortschritt in diesem Bereich ist bereits sehr weit und wird auch in Zukunft mit weiteren Innovationen voranschreiten.

Spielen höhere Türme und grössere Rotoren in der Schweiz eine wichtige Rolle?

Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Besonders im Mittelland sind in der Schweiz viele Windenergieprojekte geplant. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Schwachwindanlagen. Diese sind speziell für Regionen mit geringeren Windgeschwindigkeiten ausgelegt. Sie verfügen über längere Rotorblätter, die sich bereits bei schwachem Wind drehen, und sind insgesamt höher gebaut, um vom stetigen Wind auf dieser Höhe zu profitieren.

In den Alpen hingegen wären solch grosse Anlagen nicht realisierbar – unter anderem wegen der stärkeren Turbulenzen und den anspruchsvollen topografischen Bedingungen. Dort kommen deshalb kleinere Anlagen zum Einsatz.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Betrieb und Planung von Windparks aus?

Die aktuelle Forschung beschäftigt sich intensiv mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Windenergie. KI-Modelle analysieren beispielsweise Windgeschwindigkeiten, Strömungen und Verwirbelungen in einem Gebiet. Auf dieser Grundlage lässt sich berechnen, wie nahe Windenergieanlagen zueinanderstehen können, um einen Windpark möglichst effizient zu gestalten.

Welche Chancen sind heute noch unterschätzt?

Die Windenergie hat in der Schweiz grosses Potenzial. Eine moderne Windenergieanlage kann bei guten Windverhältnissen rund 12 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit lässt sich der jährliche Strombedarf von etwa 6’000 Personen decken – und das mit nur einer einzigen Anlage mit geringem Flächenbedarf. Dieses Verhältnis ist vielen Menschen heute kaum bewusst, und verdeutlicht, welchen Beitrag Windenergieanlagen zur Stromversorgung leisten können.

Welcher Schritt wäre aus Ihrer Sicht der wichtigste, damit die Windenergie in Zukunft mehr Gewicht erhält?

Ein wichtiger Schritt wäre, das Wissen über Windenergie in der Bevölkerung zu stärken. Mit zunehmendem Verständnis wächst in der Regel auch die Akzeptanz. Zwar ist die Zustimmung zu konkreten Windenergieprojekten in den Gemeinden oft hoch, dennoch stehen viele Menschen der Windkraft generell skeptisch gegenüber. Mehr Wissen über Chancen, Wirkung und Bedeutung der Windenergie könnte diese Skepsis verringern und sich sogar in echte Aufgeschlossenheit verwandeln, etwa dann, wenn Menschen erleben, wie die Kraft des Windes genutzt wird, um verlässlich und klimafreundlich saubere Energie aus der Natur zu gewinnen.

Die Schweiz möchte bis 2050 klimaneutral werden und dabei soll die Windenergie zusammen mit den anderen erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielen. Laut den Energieperspektiven 2050+ soll die Windenergie während den Wintermonaten zur Versorgungssicherheit der Schweiz beitragen. Um dies zu erreichen, wird ein schrittweiser Ausbau der Windenergie angestrebt.

Dieser Blogbeitrag über die Windenergie ist der zweite in der Blogreihe über die Geschichte der erneuerbaren Energien mit dem Fokus auf die Schweiz. Den ersten Blogbeitrag über die Geothermie finden Sie hier. Mehr zur Geschichte der erneuerbaren Energien erfahren Sie in den kommenden Beiträgen zu Wasserkraft und Photovoltaik.

Mattia Pesolillo, Hochschulpraktikant Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: suisseéole; Juvent © Joël Baume

 

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Schon während meinem Politikwissenschafts-Studium hat sich mein Interesse für die Energie- und Umweltpolitik gezeigt. Dass ich nach dem Abschluss gleich als Hochschulpraktikant beim Bundesamt für Energie (BFE) mitwirken durfte, war für mich ein Glücksfall! Weiterlesen

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Neuf mois s’étant déjà écoulés, mon stage universitaire dans le service Formation et Perfectionnement de chez SuisseEnergie s’est terminé la semaine dernière. Le programme SuisseEnergie de la Confédération cherche à encourager les mesures volontaires pour utiliser l’énergie de manière rationnelle et recourir aux énergies renouvelables. Dans ce cadre, les quatre personnes composant le service Formation et Perfectionnement mènent diverses activités pour s’assurer qu’il y ait à l’avenir du personnel qualifié en nombre suffisant afin d’atteindre les objectifs énergétiques et climatiques de la Confédération. Weiterlesen

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Nach zwölf Monaten endet Ende Januar mein Hochschulpraktikum im Bundesamt für Energie, wo ich für die Abteilung Medien und Politik im Einsatz war. Weiterlesen

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Die Herbstsession, die kommenden Montag startet, wird stark von energiepolitischen Themen geprägt sein. Der Rettungsschirm für Stromunternehmen, der indirekte Gegenentwurf zur Gletscher-Initiative, der Mantelerlass und mehrere Motionen im Bereich der Energiepreise stehen auf dem Programm der Räte.

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Liechtenstein und die Schweiz sind eng verbunden. Das zeigt sich nicht nur bei der Währung – in Liechtenstein bezahlt man mit Schweizer Franken – sondern gerade auch bei der Energie. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die KVA Buchs, und auch beim Strom ist das Ländle auf seine Nachbarn angewiesen.

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Während meines einjährigen Hochschulpraktikums in der Sektion Energieeffizienter Verkehr hatte ich das Glück, dass ich hautnah mitverfolgen konnte, wie die Elektromobilität weltweit und in der Schweiz so richtig durchstartete. In Europa haben sich die meisten grossen Autohersteller dazu verpflichtet sich in den nächsten Jahren teils komplett zu elektrifizieren. Gleichzeitig hat die Roadmap Elektromobilität 2022 ihr Hauptziel «15% der Neuzulassungen sind Steckerfahrzeuge» bereits ein Jahr im Voraus erreicht. Mit neuem Elan und neuen Massnahmen kam es also im Frühling zur Unterzeichnung einer neuen Roadmap mit dem Ziel, dass 50% der Neuzulassungen bis 2025 einen Stecker haben. Weiterlesen

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2012 wurde die letzte der elf Gemeinden in Liechtenstein zur Energiestadt. Liechtenstein ist somit das erste und einzige Land, das sich «Energieland» nennen darf. Was zeichnet das Energiebewusstsein Liechtensteins aus? Energeiaplus hat bei den Verantwortlichen nachgefragt.

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