Benutzerfreundliche Gebäudeautomation


90 Prozent der menschlichen Interaktionen in Gebäudeleitsystemen sind Alarmquittierungen. Was läuft da schief, fragten sich Gebäudefachleute diesen Herbst in einem Erfahrungsaustausch im Rahmen von Energie-Vorbild Bund.

Das Treffen fand in Bern unter der Leitung von Stefanie Steiner und Stefan Minder, Vertreter der Geschäftsstelle Energie-Vorbild Bund, statt. Markus Berger, Fachführung Gebäudeautomation bei Post Immobilien, und Rene Binggeli, Betriebsverantwortlicher Haustechnik Espace Post, gewährten einen Einblick in die Gebäudeautomation ihres Hauptgebäudes.

Danach präsentierte Christoph Müller von MST Systemtechnik die Möglichkeiten seiner Plattform zur webbasierten Steuerung von Anlagen und skizzierte Zukunftsthemen der Gebäudeautomation. Dazu gehörten die Verknüpfung von Daten mit Augmented Reality, die Einbindung von Virtual Reality, die Ersatzteilbeschaffung über systemintegrierte Shop-Lösungen, die Standardisierung verschiedener Systeme sowie das Generieren von Echtzeitdaten als Rückmeldung in Building-Information-Modeling-Modelle.

Mit seiner ernüchternden Feststellung, dass 90 Prozent der menschlichen Interaktionen in Gebäudeleitsystemen Alarmquittierungen sind, lancierte Christoph Müller den letzten Teil des Erfahrungsaustauschs: die Diskussion über häufige Probleme in der Gebäudeautomation.

Fehlende Kompatibilität und hohe Abhängigkeiten
Aufgeteilt in zwei Gruppen suchten die Teilnehmenden nach den grössten Hindernissen in ihrem Fachbereich. Ganz oben auf der Liste steht die mangelnde Kompatibilität der Gebäudeautomationssysteme. Sie erschwert die durchgängige Kommunikation und führt zu hohen Abhängigkeiten gegenüber den Anbietern. Ebenfalls bemängelt wird, dass Anpassungen an bestehenden Systemen (z. B. Änderung der Beleuchtungssteuerung) teilweise sehr aufwendig zu programmieren sind. Die Versprechen der Einfachheit und Flexibilität werden von den Anbietern nicht immer eingelöst.

Programmierung mit persönlicher Handschrift
Hinzu kommt, dass komplexe Einstellungen bei Steuerungen von Spezialisten individuell und mit eigener Handschrift programmiert werden. Im Nachhinein lassen sich diese von anderen Fachpersonen manchmal nur schwer nachvollziehen und anpassen. Verstärkt wird das Problem in den Organisationen durch schwindendes internes Know-how, weil diese Dienstleistungen oft extern beschafft werden.

Komponenten mit kurzen Lebenszyklen
Eine weitere Schwierigkeit stellt der Lebenszyklus von Systemkomponenten dar. Er hat sich gegenüber früher stark verkürzt. Der Support für bestehende Steuerungen ist teilweise bereits nach wenigen Jahren nicht mehr vorhanden. Und schliesslich orten die Teilnehmenden auch dort die Gefahr von benutzerfeindlichen Systemen, wo der Fokus der Gebäudeautomation auf dem technisch Möglichen liegt und nicht auf dem Wesentlichen.

Auf Basis dieser häufigen Probleme erarbeiteten die Teilnehmenden Lösungsansätze für beide Seiten – die Anbieter von Gebäudeautomationslösungen wie auch für die eigenen Organisationen der Teilnehmenden, also die Kunden der Anbieter:

Lösungsansätze für Anbieter

  • Offene statt proprietäre Systeme
  • Standardisierte Kommunikation
  • Gebäudeautomation als Teil eines gesamten IT-Systems verstehen
  • Einfache, übersichtliche Benutzeroberflächen
  • Qualität und Kontinuität der eigenen Produkte und Dienstleistungen sicherstellen
  • Technologische Lösungen für Spezialisten realisieren, nicht komplette Automation anstreben

Lösungsansätze für Organisationen

  • Fachlich kompetente interne Ansprechperson
  • Eigene Strategie für Gebäudeautomation entwickeln, an der sich externe Dienstleister ausrichten können
  • Gebäudeautomation und seine Bereiche als Teil eines Gesamtsystems verstehen
  • Dokumentation intern sicherstellen
  • Nutzerverhalten besser zur Steuerung von Gebäuden nutzen, aber nicht zur Überwachung von Mitarbeitenden missbrauchen

Energie-Vorbild Bund: Vorreiter für Energieeffizienz und erneuerbare Energie
Mit einer konsequenten Effizienzstrategie können Unternehmen viel Energie und Geld sparen. Das beweist die Gruppe Energie-Vorbild Bund. Sie umfasst die zivile Bundesverwaltung, das VBS, den ETH-Bereich und die bundesnahen Unternehmen Post, SBB, Skyguide, Swisscom und neu mit Genève Aéroport auch das erste öffentliche Unternehmen eines Kantons. Sie alle haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet mit dem Ziel, ihre Energieeffizienz bis 2020 um 25 Prozent zu steigern (gegenüber dem Ausgangsjahr 2006) und den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen (siehe www.energie-vorbild.admin.ch).

Andreas Renggli, Leiter Kommunikation Geschäftsstelle Energie-Vorbild Bund