Forum Energieeffizienz

Perspektivenwechsel


Das erste Forum Energieeffizienz des Internationalen Kompetenz Zentrums für Energieeffizienz fand am 28. August im Kursaal Interlaken statt. Unter dem Motto „Perspektivenwechsel“ umfassten die Referate geschichtliche, geopolitische, ökonomische und kulturanthropologische Ansätze.

Prof. Dr. Dr. F.J Rademacher (Club of Rome), verwies darauf, dass “Energieeffizienz” und “Informationssysteme” die zwei absoluten Schlüsselrollen in der Ausgestaltung einer nachhaltigeren Weltwirtschaft sowie in der Abwendung einer bevorstehenden Klimakatastrophe einnehmen. Sollte dieser Wandel nicht gelingen, stünden globale Migrationsbewegungen in noch nicht gesehenen Ausmasse bevor, wobei sich hunderte Million Menschen in Bewegung setzen könnten. Des Weiteren strich Rademacher hervor, dass die Welternährung vor enormen Herausforderungen stehe. Insbesondere die Fleischproduktion, welche enorm ressourcen- und energieintensiv ist, sei ein nicht einfach zu lösendes Problem. Heutzutage wird gut die Hälfte der Nahrungsmittel für die Fleischproduktion verwendet. Ein Wechsel zu einer mehrheitlich vegetarisch basierten Ernährung und somit eine drastische Reduktion des Fleischkonsums sei längerfristig unabdingbar.

Felix Burger, Geschäftsführer, CSD Ingenieure, Basel bemängelte, dass dem Jevons Paradoxon, welches die steigende Nachfrage durch effizientere Produktion eines Gutes beschreibt, in der heutigen Energieeffizienzdebatte noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde. Der „indirekte Rebound-Effekt“, wie z.B eine Flugreise, welche durch gespartes Geld aus Energieeffizienzmassnahmen ermöglicht wird, kann die Einspareffekte stark reduzieren. Da immer mehr Menschen weit von ihrem Arbeitsort wohnen, sollte nach Burger die aktuelle Praxis, wonach die finanziellen Auslagen für den Arbeitsweg steuerlich abziehbar sind, aufgehoben werden.

Prof. Dr. Daniele Ganser, Dozent an der Uni St. Gallen und Direktor des Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER), ist Historiker und Spezialist für Internationale Politik. Er brachte zum Ausdruck, dass „Erdölraubzüge“ eine erschreckende Realität unserer Zeit seien, welche durch den immensen globalen Erdölverbrauch von 90‘000‘000 Fass täglich (1 Fass = 158 Liter) hervorgerufen werden.  Die „Erdölkriege“ der USA forderten laut Ganser im Irak seit 2003 mehr als 1 Mio. Todesopfer. Nach Prof. Ganser sollte daher der Friedenskomponente der Energieeffizienz und des Übergang zu Erneuerbaren Energien eine grössere Bedeutung zugemessen werden.

Die Vorträge regten zu intensiven Diskussionen unter den Teilnehmenden an. Nicht zuletzt darüber, an welchen Orten sich z.B. im eigenen Betrieb noch mehr Energieeffizienz umsetzen oder erneuerbare Energie produzieren liesse. Zum Video

Ivan König, Fachspezialist Geräte und wettbewerbliche Ausschreibungen