Neue maschinenlesbare Schnittstelle: Energiedaten direkt aus dem BFE-Dashboard
Wieviel Strom produziert die Schweiz, wieviel wird verbraucht? Was zahlt man dafür? Wie sieht die Versorgungslage beim Strom oder beim Gas aus? Auf diese Fragen liefert das Energiedashboard Antworten. Neu sind diese Daten über eine öffentliche Programmierschnittstelle (API) zugänglich und so noch einfacher durch andere digitale Systeme nutzbar.
Die Daten für das Energiedashboard werden automatisch aus verschiedenen Quellen bezogen und verarbeitet. Im Hintergrund sorgt neu eine moderne Datenplattform dafür, dass diese Daten strukturiert gespeichert, geprüft, aufbereitet und jederzeit in nachvollziehbaren Versionen abgelegt werden.
Lucas Tochtermann, Dominique Luder und Jean-Martin Dénis von der Sektion Geoinformation und digitale Innovation im Bundesamt für Energie sprechen von einem wichtigen Schritt für die digitale Transformation des BFE und eine einfachere und flexiblere Nutzung von Energiedaten.
Energeiaplus: Warum ist dies ein wichtiger Schritt?
Lucas Tochtermann: Die Bereitstellung der API-Schnittstelle ist ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des Energiedashboards und in der digitalen Transformation des BFE. Energiedaten können damit nicht mehr nur betrachtet, sondern direkt in anderen digitalen Systemen weiterverwendet werden.
Bisher standen die Informationen nur als Visualisierungen im Energiedashboard oder als Datendownload zur Verfügung. Neu lassen sie sich automatisiert in Anwendungen integrieren wie zum Beispiel für Krisenmonitoringsysteme auf nationaler oder kantonaler Ebene.
Und was ist das Innovative daran?
Lucas Tochtermann: Das Innovative ist weniger die einzelne technische Komponente, als die Art, wie die Daten bereitgestellt werden: Die API greift auf eine zentrale Datenplattform (Data Lake House, DLH) zu, die speziell für eine stabile und langfristige Nutzung aufgebaut wurde. Bevor die Daten an der API bereitgestellt werden, werden sie technisch harmonisiert und in verschiedenen Versionen gespeichert. Die Nachvollziehbarkeit wird stark erhöht, so dass das BFE bei Nachfragen nicht jedes Mal eine manuelle Analyse starten muss. Das spart Ressourcen.
Die API-Schnittstelle ist also vor allem für jene interessant, die die Infos auf dem Energiedashboard nicht nur abfragen, sondern mit den Daten arbeiten wollen. Können Sie ein Beispiel machen?
Lucas Tochtermann: Ein Beispiel ist die Nationale Alarmzentrale, die für ihre Lagebeurteilung zur Versorgungssicherheit aktuelle Energiedaten benötigt. Über die API können diese Informationen automatisch aus dem Energiedashboard bezogen und direkt in ihre eigenen Systeme integriert werden. Auch Hochschulen profitieren davon. Sie können beispielsweise die Entwicklung der Photovoltaik-Produktion in verschiedenen Regionen analysieren und mit eigenen Modellen vergleichen. Über die API können die relevanten Zeitreihen automatisiert für einen bestimmten Zeitraum und ausgewählte Regionen abgerufen und direkt in eigene Analysewerkzeuge integriert werden.
Darüber hinaus können Unternehmen oder Start-ups die Daten nutzen, um eigene Modelle oder digitale Dienstleistungen zu entwickeln. Medienhäuser können die Stromproduktionsdaten automatisiert in ihre Berichterstattung einbinden.
Kurz gesagt: Die API macht aus statischen Informationen eine dynamisch nutzbare Datengrundlage und spart Kosten, denn unsere Daten müssen nicht jedes Mal neu aufbereitet werden.

Das Team der Sektion Geoinformation und Digital Innovation steht hinter der Entwicklung der neuen BFE-Schnittstelle. Von links nach rechts. Dominique Luder, Lucas Tochtermann, Jean-Martin Dénis; Bild: BFE
Das BFE erhält immer wieder Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zum Energiedashboard, weil Daten nicht abrufbar sind oder auch nicht à jour sind. Verlässliche Daten sind aber zentral, wenn man sie als Grundlage für neue Anwendungen nutzen will. Wie kann das gewährleistet werden?
Dominique Luder: Rückmeldungen zeigen, dass die Daten aktiv genutzt werden. Das ist grundsätzlich positiv. Um eine hohe Verlässlichkeit sicherzustellen, setzen wir auf die bereits erwähnte zentrale Datenplattform. Dort werden sämtliche Daten automatisch verarbeitet, überprüft und für das Energiedashboard sowie für die API aufbereitet. Die Plattform organisiert die Daten dabei in mehreren Verarbeitungsschritten. Zunächst werden eingehende Daten als Rohprodukte unverändert gespeichert. Damit lassen sich Zustände immer rekonstruieren.
Anschliessend werden sie bereinigt, strukturiert und als Open Data bereitgestellt. In einem letzten Schritt werden sie für konkrete Anwendungen aufbereitet, zum Beispiel für Visualisierungen im Energiedashboard sowie weitere Berechnungen. Dieses Vorgehen entspricht dem sogenannten Medaillon-Prinzip mit den Stufen Bronze, Silber und Gold. In diesen Verarbeitungsschritten finden auch verschiedene Qualitätsprüfungen statt.
Was heisst das konkret?
Fällt eine Datenquelle aus oder kommt es zu einer strukturellen Änderung wegen eines geänderten Formats, wird ein Fehler im Dashboard ausgewiesen und die Daten werden nicht automatisch ins DLH übernommen. Statt potenziell fehlerhafte Zahlen zu publizieren, werden in diesem Szenario keine aktualisierten Werte angezeigt, die Fehler an der Quelle aber der Nachvollziehbarkeit halber nachgeführt.
Die bestehenden, bereits geprüften Daten bleiben jedoch weiterhin sowohl im Dashboard als auch über die API verfügbar. Dieses Vorgehen erhöht die Transparenz und schützt die Nutzerinnen und Nutzer vor falschen Interpretationen.
Hinter den Energiedaten stehen viele verschiedene Datenquellen. Wie wird sichergestellt, dass diese Daten einheitlich und verlässlich zusammengeführt werden?
Jean-Martin Dénis: Die Energiedaten des BFE stammen aus unterschiedlichen Fachbereichen und Organisationen. Allein für das Energiedashboard rufen wir über 30 verschiedene Datenquellen ab, darunter beispielsweise bei Swissgrid, MeteoSchweiz oder bei europäischen Transparenzplattformen wie ENTSO-E und ENTSO-G. Daraus entstehen über 100 Datenprodukte, etwa Indikatoren zur Stromproduktion, zur Gasversorgung oder zur Entwicklung der Energiepreise.
Damit die Daten zuverlässig nutzbar sind, braucht es klare Zuständigkeiten, abgestimmte Prozesse und einheitliche Qualitätsstandards. Das leistet eine State-of-the-Art Datengouvernanz im BFE und ein System zum Datenmanagement, das klare Rollen und Verantwortungen zu den Datenprodukten dem BFE und den externen Datenlieferanten zuweist.
Können Sie ein Beispiel machen?
Inhaltliche Fragen zu Daten, die ursprünglich von der Swissgrid stammen, kann das BFE nur mit viel administrativen Aufwandbeantworten. Effizienter ist es, direkt den sogenannten Data Owner, d.h. Swissgrid zu kontaktieren. Dieser muss aber bekannt sein. Genau solche Informationen zur Herkunft, Inhalt, Aktualisierung, Struktur oder Nutzung sorgen dafür, dass die Daten korrekt interpretiert und verantwortungsvoll weiterverwendet werden können – etwa für Analysen, Forschung oder KI-Anwendungen – und finden sich auf der Interoperabilitätsplattform “I14Y” des Bundes
Das BFE nutzt I14Y für die Veröffentlichung. Dort sind viele relevante Datensätze des BFE und Schnittstellen sowie Datensätze externer Quellen standardisiert beschrieben. Sie werden automatisiert in nationale und europäische Open-Data-Portale übernommen.
Nennen Sie ein Beispiel.
Inhaltliche Fragen zu Daten, die ursprünglich von der Swissgrid stammen, kann das BFE nur mit viel administrativen Aufwandbeantworten. Effizienter ist es, direkt den sogenannten Data Owner, d.h. Swissgrid zu kontaktieren. Dieser muss aber bekannt sein. Genau solche Informationen zur Herkunft, Inhalt, Aktualisierung, Struktur oder Nutzung sorgen dafür, dass die Daten korrekt interpretiert und verantwortungsvoll weiterverwendet werden können – etwa für Analysen, Forschung oder KI-Anwendungen – und finden sich auf der Interoperabilitätsplattform “I14Y” des Bundes
Das BFE nutzt I14Y für die Veröffentlichung. Dort sind viele relevante Datensätze des BFE und Schnittstellen sowie Datensätze externer Quellen standardisiert beschrieben. Sie werden automatisiert in nationale und europäische Open-Data-Portale übernommen.
Seit der Lancierung wurde das Energiedashboard ständig weiterentwickelt. Seit kurzem können regionenspezifische Informationen zur PV-Produktion abgerufen werden. Welche weiteren Entwicklungen sind geplant?
Lucas Tochtermann: Als nächstes ist eine umfassende Übersicht zu den Strom- und Geldflüssen im Schweizer Elektrizitätssystem geplant. Ziel ist es, interessierten Personen eine verständliche Gesamtübersicht über die Struktur des Strommarktes zu geben. Diese Gesamtübersicht soll helfen, die Zusammenhänge im Elektrizitätssystem besser zu verstehen und die Rolle der einzelnen Akteure sowie die wirtschaftlichen Dimensionen transparenter darzustellen.
Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
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