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Der Wind bewegt sich immer und trägt eine Energie in sich, die schon lange die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen hat. Neben Wasser und Feuer hat sich der Mensch den Wind schon früh zunutze gemacht.

Was ist Windenergie?

Der Begriff Windenergie bezeichnet den Vorgang, bei dem mittels Windkraftanlagen aus Wind Elektrizität erzeugt wird. Die Energie des Windes wird mithilfe einer Turbine in mechanische Energie umgewandelt, aus der wiederum elektrische Energie entsteht. Dies geschieht mit aerodynamisch geformten Rotorblättern, die einen Generator antreiben, durch den Strom ins Netz eingespeist wird.

Während einzelne Windkraftanlagen als Einzelanlagen betrieben werden, bilden mehrere Windkraftanlagen zusammen einen Windpark. Moderne Windkraftanlagen werden entweder im Meer vor der Küste (offshore) oder an Land (onshore) errichtet. Offshore-Anlagen profitieren von gleichmässigeren und stärkeren Winden, was zu einer höheren und konstanteren Stromproduktion führen kann. Gleichzeitig erfordert der Bau im Meer jedoch aufwändige Fundamente, spezielle Installationsschiffe und intensivere Wartungsarbeiten, was die Kosten erhöht. Onshore-Windkraftanlagen lassen sich mit geringerem Aufwand und niedrigeren Investitionskosten bauen. Der erzeugte Strom kann häufig direkt ins nahegelegene Stromnetz eingespeist werden. Dafür sind die Windverhältnisse an Land oft weniger konstant, was zu einer geringeren Auslastung führen kann. Windenergieanlagen an Land als auch im Wasser können bis über 250 Meter hoch sein. Moderne Windenergieanlagen beginnen ab einer Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde zu rotieren und Strom zu produzieren. Die maximale Leistung wird zwischen 12 und 15 Metern pro Sekunde erreicht. Hohe Windgeschwindigkeiten sind für die Stromproduktion zwar ideal. Bei zu starkem Wind wird die Anlage jedoch automatisch heruntergefahren, um Schäden zu vermeiden.

Von Windmühlen bis Windräder: Vielfältige Verwendungszwecke der Windkraft

Die frühste Überlieferung einer Nutzung der Windkraft ist knapp 2’500 Jahre alt, als in Persien Windmühlen verwendet wurden, um den Mahlstein, mit dem das Getreide gemahlen wurde, anzutreiben. Die Verwendung der Windkraft für die Stromerzeugung hingegen ist relativ jung. Erst um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert wurden in Dänemark die ersten Versuche in diese Richtung unternommen. Der Bau von Windrädern begann jedoch erst nach der ersten Energiekrise 1973/74. Europäische Länder wie Dänemark und Deutschland, aber auch die USA wollten ihre Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und suchten nach einer Alternative zum Erdöl, dem damaligen primären Energieträger. Aus diesem Grund setzten sie vermehrt auf erneuerbare Energien, unter anderem die Windenergie. In der Schweiz wurde die erste Windturbine 1986 in Langenbruck im Kanton Basel-Landschaft mit einer Leistung von 28 Kilowatt in Betrieb genommen. Sie produzierte bis ins Jahr 2020 Strom, bevor sie abgeschaltet wurde. Im Jahr 2004 wurde am Standort Gütsch, oberhalb der Gemeinde Andermatt im Kanton Uri, auf 2332 m.ü.M. der europaweit zweithöchste Windpark erbaut. 2025 wurde ein Ausbauprojekt abgeschlossen, dank dem die Jahresproduktion des Windparks Gütsch auf 11 Millionen Kilowattstunden anwachsen wird. Mit dieser Strommenge können rund 2700 Haushalte versorgt werden.

Windenergie in der Gegenwart

Der grösste Windpark der Schweiz mit 16 Windturbinen befindet sich auf dem Mont-Crosin bei Saint-Imier im Berner Jura. Die jährliche Produktion beläuft sich auf bis zu 91 Gigawattstunden. Der Anteil der Windenergie am Schweizer Strommix betrug im Jahr 2024 rund 0.3 Prozent. Stand Ende 2025 waren 50 Windkraftanlagen in der Schweiz in Betrieb. Dies soll sich aber in Zukunft ändern. Moderne Anlagen sind im Vergleich zu ihren Vorgängern leiser, effizienter und leistungsstärker. Sie produzieren auch im Mittelland konstant Strom und können dadurch einen entscheidenden Beitrag zur Winterstromversorgung der Schweiz liefern.

Im September 2025 hat das Parlament die Änderung des Energiegesetzes, den sogenannten Beschleunigungserlass, angenommen. Mit dem Beschleunigungserlass werden die Planungs- und Bewilligungsverfahren für erneuerbare Energieprojekte von nationalem Interesse, darunter auch Windenergieanlagen, vereinfacht und beschleunigt. Für Windparks mit einer erwarteten Jahresproduktion von über 20 Gigawattstunden werden die Verfahren zukünftig auf kantonaler Ebene zusammengeführt. Dadurch erfolgt die Planung und Bewilligung neu in einem einzigen, konzentrierten Plangenehmigungsverfahren. Bislang war das Verfahren zweistufig organisiert und bestand aus einer Nutzungsplanung sowie einer separaten Baubewilligung.

Um zu erfahren, wie sich die Windenergie entwickelt und welche Hürden bestehen, haben wir bei Julian Ferber, Fachspezialist für Windenergie  im Bundesamt für Energie nachgefragt.

Julian Ferber ist im Bundesamt für Energie zuständig für die Windenergie. Bild: Julian Ferber

Energeiaplus: Welche Rolle wird die Windenergie in der Schweizer Stromversorgung künftig spielen?

Die Windenergie ist eine bewährte Technologie. Weltweit, aber auch in Europa und in den Nachbarländern der Schweiz findet sie grossen Anklang. In der Schweiz selbst wird sie jedoch bisher noch wenig genutzt. Ein grosser Vorteil der Windkraft ist, dass sie vor allem im Winter viel Strom liefert: Rund zwei Drittel der jährlichen Windstromproduktion fallen in das Winterhalbjahr.

Damit ergänzt die Windenergie andere erneuerbare Quellen wie Solarenergie und Wasserkraft, die hauptsächlich im Sommerhalbjahr hohe Erträge erzielen. Mit dem Ausbau der Windenergie und dem Zusammenspiel der verschiedenen Technologien kann die erneuerbare Stromversorgung der Schweiz zuverlässig gewährleistet werden.

Wie wichtig wird Windenergie für die Winterstromproduktion der Schweiz?

Die Windenergie trägt auch im Sommer zur Stromerzeugung bei, liefert aber rund zwei Drittel ihrer Stromproduktion im Winterhalbjahr, wenn wir mehr Strom brauchen. Um die Versorgungssicherheit der Schweiz zu stärken, ist ein gezielter Ausbau der Windkraft wichtig.

Windenergie ist dabei einer von mehreren Pfeilern der Schweizer Energieversorgung. Keine einzelne erneuerbare Technologie – weder Windkraft noch Solarenergie oder Wasserkraft – kann die Versorgungssicherheit über das Jahr verteilt alleine gewährleisten. Erst das Zusammenspiel aller Technologien ermöglicht eine zuverlässige und nachhaltige Stromversorgung.

Welche technischen Fortschritte erwarten Sie in den nächsten zehn Jahren?

In den letzten zehn Jahren hat die Windenergie grosse technische Fortschritte gemacht. Moderne Anlagen sind leiser und auch deutlich höher geworden, dabei verfügen sie ebenfalls über längere Rotorblätter. Die produzierte Strommenge hängt im Wesentlichen von der Fläche ab, die die Rotorblätter überstreichen – je grösser diese Fläche, desto mehr Windenergie kann genutzt werden.

Das bedeutet: Grössere Anlagen mit längeren Rotorblättern können mehr Strom aus dem Wind gewinnen. Der technologische Fortschritt in diesem Bereich ist bereits sehr weit und wird auch in Zukunft mit weiteren Innovationen voranschreiten.

Spielen höhere Türme und grössere Rotoren in der Schweiz eine wichtige Rolle?

Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Besonders im Mittelland sind in der Schweiz viele Windenergieprojekte geplant. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Schwachwindanlagen. Diese sind speziell für Regionen mit geringeren Windgeschwindigkeiten ausgelegt. Sie verfügen über längere Rotorblätter, die sich bereits bei schwachem Wind drehen, und sind insgesamt höher gebaut, um vom stetigen Wind auf dieser Höhe zu profitieren.

In den Alpen hingegen wären solch grosse Anlagen nicht realisierbar – unter anderem wegen der stärkeren Turbulenzen und den anspruchsvollen topografischen Bedingungen. Dort kommen deshalb kleinere Anlagen zum Einsatz.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Betrieb und Planung von Windparks aus?

Die aktuelle Forschung beschäftigt sich intensiv mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Windenergie. KI-Modelle analysieren beispielsweise Windgeschwindigkeiten, Strömungen und Verwirbelungen in einem Gebiet. Auf dieser Grundlage lässt sich berechnen, wie nahe Windenergieanlagen zueinanderstehen können, um einen Windpark möglichst effizient zu gestalten.

Welche Chancen sind heute noch unterschätzt?

Die Windenergie hat in der Schweiz grosses Potenzial. Eine moderne Windenergieanlage kann bei guten Windverhältnissen rund 12 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit lässt sich der jährliche Strombedarf von etwa 6’000 Personen decken – und das mit nur einer einzigen Anlage mit geringem Flächenbedarf. Dieses Verhältnis ist vielen Menschen heute kaum bewusst, und verdeutlicht, welchen Beitrag Windenergieanlagen zur Stromversorgung leisten können.

Welcher Schritt wäre aus Ihrer Sicht der wichtigste, damit die Windenergie in Zukunft mehr Gewicht erhält?

Ein wichtiger Schritt wäre, das Wissen über Windenergie in der Bevölkerung zu stärken. Mit zunehmendem Verständnis wächst in der Regel auch die Akzeptanz. Zwar ist die Zustimmung zu konkreten Windenergieprojekten in den Gemeinden oft hoch, dennoch stehen viele Menschen der Windkraft generell skeptisch gegenüber. Mehr Wissen über Chancen, Wirkung und Bedeutung der Windenergie könnte diese Skepsis verringern und sich sogar in echte Aufgeschlossenheit verwandeln, etwa dann, wenn Menschen erleben, wie die Kraft des Windes genutzt wird, um verlässlich und klimafreundlich saubere Energie aus der Natur zu gewinnen.

Die Schweiz möchte bis 2050 klimaneutral werden und dabei soll die Windenergie zusammen mit den anderen erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielen. Laut den Energieperspektiven 2050+ soll die Windenergie während den Wintermonaten zur Versorgungssicherheit der Schweiz beitragen. Um dies zu erreichen, wird ein schrittweiser Ausbau der Windenergie angestrebt.

Dieser Blogbeitrag über die Windenergie ist der zweite in der Blogreihe über die Geschichte der erneuerbaren Energien mit dem Fokus auf die Schweiz. Den ersten Blogbeitrag über die Geothermie finden Sie hier. Mehr zur Geschichte der erneuerbaren Energien erfahren Sie in den kommenden Beiträgen zu Wasserkraft und Photovoltaik.

Mattia Pesolillo, Hochschulpraktikant Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: suisseéole; Juvent © Joël Baume

 

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Wer ein Elektroauto fährt, lädt selten am Arbeitsplatz. Das zeigt eine Umfrage unter Besitzerinnen und Besitzern von Steckerfahrzeugen. Ein Grund ist die fehlende Ladeinfrastruktur am Arbeitsort. Ein neuer Werkzeugkasten von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für erneuerbare Energien und Energieeffizienz zeigt, wie Unternehmen punkto Elektromobilität vorwärts machen können – Schritt für Schritt.

Der Werkzeugkasten enthält Leitfäden, Praxisbeispiele und Tools zu folgenden Themen:

  • Elektrifizierung der Firmenflotte
  • Ladeinfrastruktur im Unternehmen
  • Unterstützung der Mitarbeitenden beim Laden zu Hause
  • Laden unterwegs

Er liefert Unternehmen strategische Entscheidungsgrundlagen, praktische Tipps und Antworten auf viele Fragen. Zum Beispiel: Wie viele Ladestationen sind sinnvoll? Braucht es einen Ausbau des Netzanschlusses? Wie lassen sich die Ladekosten der Firmenflotte im Griff behalten? Und wie wird das Laden privater Fahrzeuge am Arbeitsplatz korrekt verrechnet?

Flavio Kälin ist Fachspezialist für Mobilität im Bundesamt für Energie (BFE). Er hat den Werkzeugkasten Ladeinfrastruktur für Unternehmen mitkonzipiert.

Energeiaplus: Immer mehr Firmen stellen ihre Flotte auf Elektrofahrzeuge um. Warum braucht es dennoch diesen Werkzeugkasten?

Flavio Kälin ist Fachspezialist Mobilität im Bundesamt für Energie: Bild: BFE

Flavio Kälin: Viele Unternehmen wollen elektrifizieren, stehen aber vor komplexen Fragen zu Bedarf, Kosten, Abrechnung und Netzanschluss. Gerade KMU fehlen im Alltagsgeschäft oft die finanziellen und vor allem personellen Ressourcen, um sich dem Umstieg auf E-Mobilität zu widmen. Hier entlastet der Werkzeugkasten gezielt: Er begleitet Unternehmen praxisnah und Schritt für Schritt beim Elektrifizieren ihrer Flotte und beim Aufbau von Ladeinfrastruktur.

Welche Rollen spielen Unternehmen bei der Elektrifizierung der Mobilität?

Unternehmen sind ein zentraler Hebel, weil sie mit ihren Flotten, Standorten und Arbeitswegen einen grossen Teil des Verkehrs beeinflussen. Wer am Arbeitsort einfach und günstig laden kann, entscheidet sich beim nächsten Autokauf eher für ein Elektrofahrzeug. Zusätzlich senden Unternehmen ein starkes Signal nach innen und aussen: als Vorbilder für nachhaltige Mobilität und als zukunftsorientierte Arbeitgeber.

Besonders bei KMU ist der Kostendruck oft hoch. Warum ist der Umstieg auf E-Mobilität für Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll?

Elektrofahrzeuge sind über ihren gesamten Lebenszyklus günstiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Sie verursachen tiefere Energie-, Wartungs- und Betriebskosten. Mit eigener Ladeinfrastruktur gewinnen Unternehmen zudem mehr Kostenkontrolle, weil sie Strom planbarer beschaffen und Ladevorgänge steuern können. Gleichzeitig investieren sie in eine zukunftssichere Mobilität und stärken ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Kurz gesagt: Elektromobilität rechnet sich finanziell und strategisch.

Eine aktuelle Studie zeigt,  dass das allgemein zugängliche Ladenetz in der Schweiz gut ausgebaut und auch bereit für die steigende Nachfrage ist. Warum braucht es trotzdem mehr Ladeplätze am Arbeitsplatz?

Ein gut ausgebautes öffentliches Ladenetz ist wichtig, ersetzt das Laden am Arbeitsplatz aber nicht. Unternehmen ergänzen dieses Angebot dort, wo Fahrzeuge regelmässig und über längere Zeit stehen. Das ist effizient. Somit ist Laden während der Arbeitszeit nicht nur praktisch, sondern oftmals auch kostengünstiger, und es entlastet das öffentliche Netz.

Wie lädt die Schweiz?

Mit einer Umfrage wollte das Bundesamt für Energie mehr über das Ladeverhalten von Elektroautofahrenden erfahren. Dabei bestätigte sich, wer ein E-Auto fährt, besitzt meist ein Haus und lädt sein Fahrzeug daheim.

Hier geht es zu den Ergebnissen der Umfrage.

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

 

 

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