Austausch zwischen Deutschland und der Schweiz (Teil 2)


Der zweite Tag der Reise der Schweizer Delegation nach Berlin und Leipzig begann, wie der Vorabend aufgehört hatte: mit dem Thema Strommarktöffnung. Beim Frühstück auf der Schweizerischen Botschaft teilten Jan Lengerke, CPO der Verivox GmbH, Dr. Alexander Kox, Bereichsleiter Energiewirtschaft bei der Trianel GmbH und Thorsten Rattmann, Geschäftsführer der Hertener Stadtwerke, ihre Erfahrungen, die sie bei der vollständigen Marktöffnung in Deutschland gemacht hatten. Alexander Kox riet den Schweizer EVU, sich trotz der noch regulatorischen Unsicherheiten mit Projekten auf die Marktöffnung vorzubereiten. Dies möge zwar Risiken bergen, werde sich aber schliesslich ausbezahlen. Die Diskutanten beschrieben insbesondere, wie die Kunden vom Rande ins Zentrum ihrer Überlegungen rückten.

Danach erklärte Martin Müller von der Bundesnetzagentur (BNetzA), wie das Unbundling – die Entflechtung auf regulatorischer, operativer, informatorischer und buchhalterischer Ebene – in Deutschland umgesetzt wurde. Die BNetzA trennt als Regulationsbehörde die Erzeugung, den Netzbetrieb und den Vertrieb, um Diskriminierungen auf dem Markt zu verhindern.

Daraufhin reiste die Delegation nach Leipzig an die EEX/EPEX SPOT, den führenden Energiehandelsplatz in Europa. 2015 wurden über 3000 TWh an den Strommärkten der EEX gehandelt. Neben dem Terminmarkt, auf dem Marktteilnehmer langfristig Strom handeln können, wird der sogenannte Spotmarkt der EPEX SPOT immer populärer. Beispielsweise kann im Intraday-Geschäft Strom gekauft werden, der dann 30 bis 60 Minuten später physisch ankommt. Dies ist insbesondere aufgrund der volatilen Produktion der erneuerbaren Energien interessant. Laut Tobias Paulun, Strategievorstand der EEX, wird dadurch auch das Market Coupling innerhalb Europas immer wichtiger. In der anschliessenden Diskussion betonte auch Jörg Spicker, Leiter Market Operations bei Swissgrid, wie wichtig es sei, dass die Schweiz nicht von den europäischen Entwicklungen wie dem Market Coupling ausgeschlossen werde. Nur durch Kooperation könne die regionale Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

Isabelle Frühwirt, Hochschulpraktikantin Bundesrats- und Parlamentsgeschäfte

Bildlegende: Jörg Spicker, Leiter Market Operations bei Swissgrid und Tobias Paulun, Strategievorstand der EEX in der Diskussion