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Nicht alle Treibhausgasemissionen lassen sich vollständig vermeiden – vor allem in der Industrie, in der Kehrichtverbrennung oder in der Landwirtschaft. Wie wir trotz dieser Restemissionen das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen können, untersucht das neue SWEET-Konsortium ACHIEVE. Die Forschenden entwickeln gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Lösungsansätze, um diese Restemissionen zu reduzieren, abzuscheiden, zu nutzen oder einzulagern. Nathalie Casas von der Empa, Koordinatorin von ACHIEVE, erklärt, woran das Konsortium arbeitet und warum technologische Innovation allein nicht genügt.

Energeiaplus: Frau Casas, warum gelten bestimmte Treibhausgasemissionen als «schwer vermeidbar»?

Nathalie Casas von der Empa koordiniert das SWEET-Konsortium ACHIEVE. Bild: Empa

Nathalie Casas: Schwer vermeidbare Emissionen entstehen dort, wo heute keine oder nur sehr begrenzte Alternativen zu treibhausgasintensiven Prozessen verfügbar sind. Ein Beispiel sind industrielle Hochtemperaturprozesse. Für bestimmte Produktionsschritte, zum Beispiel in der Zementherstellung, werden Temperaturen benötigt, die sich heute oft nur durch Verbrennungsprozesse erreichen lassen. In der Landwirtschaft entstehen Emissionen wiederum durch natürliche biologische Vorgänge: Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung Methan, ein sehr starkes Treibhausgas. Und solange wir Abfälle verbrennen, fallen auch bei der Kehrichtverbrennung Emissionen an. Genau für diese Bereiche sucht ACHIEVE nach Möglichkeiten, die Emissionen weiter zu reduzieren oder mit den verbleibenden Restemissionen umzugehen.

Wie gross werden diese Restemissionen im Jahr 2050 sein?

Die Klimastrategie des Bundes geht davon aus, dass 2050 noch rund 11 bis 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente anfallen werde. Der zukünftig erwartete technische Fortschritt ist dabei bereits eingerechnet.

CO2-Äquivalente (CO2-eq) sind eine Masseinheit, mit der die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar gemacht wird. Dabei werden Emissionen von Gasen wie Methan oder Lachgas entsprechend ihrer Wirkung auf das Klima in die gleichwertige Menge CO2 umgerechnet.

Während bei der Elektrizität oder beim Heizen von Gebäuden bereits Lösungen zur Dekarbonisierung existieren und umgesetzt werden, ist die Situation bei schwer vermeidbaren Emissionen deutlich anspruchsvoller. Wir verfolgen zwei Ansätze: Erstens untersuchen wir, wie sich Emissionen weiter reduzieren lassen. Zweitens befassen wir uns mit Emissionen, die trotz aller Anstrengungen verbleiben. Bei Kehrichtverbrennungsanlagen etwa kann das CO2 aus den Abgasen abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden.

Warum können wir nicht einfach CO2 aus der Luft oder aus Abgasen entfernen und uns damit weitere Reduktionen ersparen?

Weil das Abscheiden von CO2 immer Energie, Infrastruktur und Ressourcen benötigt. Besonders anspruchsvoll ist die Entfernung direkt aus der Atmosphäre. Zwar enthält die Luft heute zu viel CO2, die Konzentration liegt aber trotzdem nur bei rund 480 Teilchen pro Million Luftteilchen. Das ist ein sehr verdünntes System.

Je verdünnter ein Stoff vorliegt, desto aufwändiger wird seine Abtrennung. Deshalb gilt: Jede Tonne CO2, die gar nicht erst ausgestossen wird, spart später Energie, Aufwand und Kosten. Emissionen zu vermeiden ist fast immer effizienter, als sie nachträglich wieder einzufangen.

Die Landwirtschaft ist ein Schwerpunkt von ACHIEVE. Es ist allgemein bekannt, dass es klimafreundlicher ist, wenn wir weniger Fleisch und mehr pflanzenbasierte Nahrungsmittel essen. Welche weiteren Ansätze untersuchen Sie?

Wir untersuchen alternative Düngestrategien oder eine Optimierung der Tierhaltung, um die Emissionen pro Kilo Fleisch oder Milch zu senken. Ein Beispiel sind hier Futterzusätze, die Methanemissionen von Wiederkäuern senken können.

Wir setzen aber nicht nur bei der Landwirtschaft an, sondern betrachten die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zum Detailhandel. Die Reduktion von Food Waste spielt dabei eine wichtige Rolle. Dabei arbeiten wir auch eng mit Detailhändlern zusammen.

Ein weiteres Arbeitspaket beschäftigt sich mit der Biomasse. Welche Bedeutung hat sie für das Netto-Null-Ziel?

Biomasse kann eine sehr grosse Rolle spielen – aber nur, wenn wir sie klug einsetzen. Wichtig ist die Kaskadennutzung: Holz sollte zum Beispiel zuerst im Bau verwendet, danach möglichst weitergenutzt und erst am Ende der Nutzungskette energetisch verwertet werden. Dabei sollte der im Holz enthaltene Kohlenstoff möglichst in eine stabile Form überführt werden. Das heisst, dass das CO2, das der Baum beim Wachstum aus der Atmosphäre aufgenommen hat, am Schluss nicht wieder vollständig in die Luft gelangt. Eine Möglichkeit ist die Pyrolyse: Dabei entsteht Pflanzenkohle, die etwa in Baustoffen wie Beton langfristig gespeichert werden kann.

Biomasse kann zudem als erneuerbarer Rohstoff dienen, etwa für chemische, pharmazeutische oder kosmetische Produkte. Diese Möglichkeiten untersuchen wir in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern. Auch hier stellt sich die Frage, wo sie im Gesamtsystem den grössten Nutzen bringt. Denn Biomasse ist begrenzt – und sie wird in vielen Netto-Null-Szenarien von verschiedenen Seiten beansprucht.

Die Ressourcen sind nicht nur bei Biomasse begrenzt. Hier kommt die Kreislaufwirtschaft ins Spiel. Wo setzt ACHIEVE die Schwerpunkte?

Wir untersuchen sektorübergreifend industrielle Materialströme und wie wir diese kreislauffähig gestalten können. Dabei fokussieren wir auf das Bauwesen, Chemie- und Pharmaindustrie, Abfallbehandlung und Kunststoffrecycling. Wenn z.B. in der Bauwirtschaft Beton, Armierungsstahl und weitere Materialien eng miteinander verbunden sind, wird das Recycling aufwendig und teuer. Werden Produkte hingegen von Anfang an kreislauffähig konzipiert, können Materialien einfacher zurückgewonnen und erneut genutzt werden.

Für die verbleibenden Restemissionen brauchen wir Lösungen zur Abscheidung und Speicherung von CO2. Welche Herausforderungen bestehen dabei noch?

Die eigentliche Abscheidungstechnologie existiert bereits seit Langem. Die heute diskutierten Speicher für das CO2 befinden sich aber in geologischen Formationen unter der Nordsee. Die grösseren Herausforderungen liegen deshalb bei der Transportinfrastruktur und den regulatorischen Rahmenbedingungen. Ein Beispiel ist die rechtliche Einstufung von CO2. Heute gilt dieses beim grenzüberschreitenden Transport als Abfall. Diesen zu exportieren ist sehr schwierig. Wir beschäftigen uns auch mit der Frage, ob im Inland geeignete Speicherstätten existieren und wie gross das Speicherpotenzial ist.

Ist die dauerhafte Speicherung von CO2 überhaupt ausreichend erprobt?

Ja. Die geologische Speicherung von CO2 ist keine neue Technologie. In Ländern wie Norwegen wird CO2 seit den 1990er-Jahren in geeignete Gesteinsformationen eingelagert. Auch in der Erdöl- und Erdgasindustrie besteht jahrzehntelange Erfahrung mit dem Verhalten von CO2 im Untergrund. Die grundlegenden Prozesse sind wissenschaftlich gut verstanden.

Technische Lösungen allein reichen jedoch nicht aus. Wie unterstützt ACHIEVE die gesellschaftliche Transformation?

Das ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Wir beziehen Industrie, Politik und Gesellschaft frühzeitig in die Forschung ein und entwickeln gemeinsam Lösungen. Dazu sind im Konsortium neben neun Hochschulen auch sechs Partner aus der Wirtschaft vertreten. Zudem arbeiten zahlreiche Verbände, Unternehmen, kantonale Stellen im erweiterten Kreis der Kollaborationspartner mit. Dank dieser engen Verflechtung können wir besser verstehen, wo Hindernisse, Bedenken oder Akzeptanzprobleme liegen.

Zudem werden wir die Lösungen in Fallstudien und Reallaboren unter realen Bedingungen testen. Ein Beispiel ist die geplante «Beyond Zero Unit» auf dem Empa-Campus. Dort werden unter anderem Baustoffe mit Pflanzenkohle oder Lehm in einem realen Gebäude erprobt. Begleitend untersuchen Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, wie neue Technologien wahrgenommen werden und welche politischen oder regulatorischen Rahmenbedingungen erforderlich sind.

ACHIEVE will am Ende konkrete «Netto-Null-Pfade» entwickeln. Was bedeutet das?

Über das Ziel Netto-Null besteht weitgehend Einigkeit. Schwieriger ist die Frage, wie wir dieses Ziel möglichst effizient erreichen. Genau hier setzen die Netto-Null-Pfade an: Sie sollen aufzeigen, welche Kombinationen von Massnahmen technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich akzeptiert sind. Wichtige Aspekte sind dabei Zielkonflikte, die sich insbesondere bei der Nutzung der Biomasse zeigen. Die Netto-Null-Pfade sollen deshalb nicht nur einzelne Technologien bewerten, sondern zeigen, wie begrenzte Ressourcen im Gesamtsystem am wirkungsvollsten eingesetzt werden können.

Daraus entstehen konkrete Handlungspfade für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unser Ziel ist es, fundierte Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen – damit die Schweiz den Weg zu Netto-Null erfolgreich gestalten kann.

SWEET ist ein Förderprogramm des Bundesamts für Energie (BFE). Der Zweck von SWEET ist, lösungsorientierte Forschung und Innovationen zu finanzieren, deren Schwerpunkt auf den Zielen der Schweizer Energiestrategie 2050 und der langfristigen Klimastrategie liegt.

Text: Irene Bättig, Sprachwerk GmbH im Auftrag der Geschäftsstelle SWEET, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: Shutterstock; Sutthiphong Chandaeng; Asset-ID: 2280544807

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Die Roadmap Elektromobilität 2030 tritt in eine neue Phase ein. In der dritten Etappe wird der Blick über Personenwagen hinaus erweitert und auch Lastwagen, leichte Nutzfahrzeuge und Busse des öffentlichen Verkehrs einbezogen. Damit rückt erstmals das gesamte elektrische Verkehrssystem in den Fokus – von der Fahrzeugflotte über die Ladeinfrastruktur bis hin zur Stromversorgung. Weiterlesen

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Speichermaterialien, die den Phasenwechsel zwischen flüssigem und festem Aggregatszustand nutzen, können viel Energie aufnehmen und abgeben. Mit ihnen lassen sich Speicher bauen, die im gleichen Volumen deutlich mehr Wärme puffern als ein Warmwasserboiler. Ein vom Bundesamt für Energie (BFE) gefördertes Pilotprojekt hat das Speicherkonzept in einem Bündner Einfamilienhaus getestet. Mit den Erfahrungen aus der praktischen Erprobung konnte ein neuartiger Kompaktspeicher entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Weiterlesen

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In Gebieten mit einer hohen Dichte an Erdwärmesonden müssen diese regeneriert werden, damit das Erdreich durch den Wärmeentzug im Lauf der Jahre nicht auskühlt. Ein Demonstrationsprojekt im Zürcher Oberland hat nun ein neuartiges Konzept getestet, das die Wärme von asphaltierten Plätzen für die Regeneration der Sonden nutzt. Fazit: Wärmekollektoren im Asphalt funktionieren, haben bisher aber noch recht hohe Kosten. Weiterlesen

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Gebrauchte Frischhaltefolien, Obstschalen oder Blumentöpfe aus Kunststoff landen heute meist im Abfall und werden in einer Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) verbrannt. Dabei werden sie energetisch verwertet. Weiterlesen

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Die Schweiz verbrauchte 2025 mehr Energie als im Vorjahr, nämlich etwa 778’630 Terajoule (TJ). Das zeigen erste Schätzungen des Bundesamts für Energie (BFE).

Die Schätzung des Endenergieverbrauchs liegt für fünf Kategorien von Energieträgern vor (siehe Kurzbericht ); Die Erdölprodukte (Brenn- und Treibstoffe) haben den grössten Anteil (351’420 TJ) am Energieverbrauch, gefolgt von Elektrizität (209’340 TJ) und Gas (93’840 TJ). Unter den restlichen Energieträgern (83’940 TJ) sind Kohle, Holz, Fernwärme und Industrieabfälle zusammengefasst. Den kleinsten Anteil (40’090 TJ) haben die übrigen erneuerbaren Energien (Summe von biogenen Treibstoffen, Biogas, Sonne und Umweltwärme).

Die Schätzung des Energieverbrauchs basiert auf bereits verfügbaren (provisorischen) Daten, Trends aus vergangenen Entwicklungen und statistischen Modellierungen. Die Schätzung dient als Richtwert, ist provisorisch und kann nicht für qualifizierte Aussagen verwendet werden. Die definitiven Werte können von den Schätzwerten abweichen, da gewisse Faktoren noch nicht vollständig erfasst sind. Mit der Publikation der Schätzung des Energieverbrauchs der Schweiz will das Bundesamt für Energie (BFE) die Öffentlichkeit möglichst früh über den Energieverbrauch des Vorjahres informieren.

Der definitive Energieverbrauch der Schweiz im Jahr 2025 wird am 18. Juni 2026 zusammen mit einem zusammenfassenden Überblick veröffentlicht. Die vollständige Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2025 ist ab der ersten Hälfte Juli 2026 im Internet verfügbar und Anfang August in gedruckter Form erhältlich.

Erica Madonna und Giulia Lechthaler-Felber, Analysen und Perspektiven, Bundesamt für Energie

 

 

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Die Seite «Kann-ich-bohren.ch» im Internet aufrufen, Adresse eingeben, und schon erfährt man, ob eine Erdwärmesonde am gewünschten Standort in der Schweiz grundsätzlich möglich ist. Seit 2022 gibt es diese Möglichkeit. Nun wurde die Applikation komplett überarbeitet. Dabei wird modernste Digitaltechnologie und -infrastruktur genutzt.

Die Frage, ob eine Bohrung für eine Erdwärmesonde durchgeführt werden darf, lässt sich für jedes beliebige Gebäude, vom Einfamilienhaus bis zum Industriegebäude, in der Schweiz beantworten. «Erdwärme» ist Energie, die in Form von Wärme unterhalb der Erdoberfläche gespeichert ist.

Erdwärme ist eine erneuerbare Energiequelle, die hilft, fossile Energien zu ersetzen und CO-2-Emissionen zu senken. Weil Erdwärmesonden direkt in den Untergrund eingreifen und das Grundwasser beeinflussen können, braucht ihre Erstellung in der Schweiz eine gewässerschutzrechtliche Bewilligung. Bei der Planung müssen deshalb öffentlich-rechtliche Einschränkungen wie Gewässerschutzzonen berücksichtigt werden.

Mit der Online-Plattform «Kann-ich-bohren.ch» lässt sich seit 2022 einfach prüfen, ob an einem Standort grundsätzlich Erdwärmesonden möglich sind. Adresse eingeben – und sofort erscheinen Hinweise zu Zulässigkeit und Schutzbestimmungen.

Die neue Anwendung wurde von den Geoinformatik-Spezialisten des Bundesamtes für Energie (BFE) in Zusammenarbeit mit Dienstleistern entwickelt. Welche Vorteile bringt die neue Applikation und wie gefragt ist sie bei Nutzerinnen und Nutzern? Energeiaplus hat bei Olivier Monod nachgefragt, Fachspezialist Geoinformation und Digitalisierung im BFE.

Die Applikation liefert eine erste Einschätzung, ob eine Erdwärmesonde realisiert werden könnte. Grundlage waren bei der alten Anwendung kantonale Daten. Die waren sehr unterschiedlich. Wie sieht es bei der neuen Anwendung aus?

Olivier Monod ist Fachspezialist im Digital Innovation Office des BFE; Bild: BFE

Olivier Monod: Die neue Applikation baut wie bisher auf den offenen kantonalen Geo-Daten auf. Allerdings sind die Daten der Kantone unterschiedlich. Wir mussten daraus einheitliche und verständliche Aussagen für alle Orte in der Schweiz ableiten. Nach Eingabe der Adresse erhalten die Userinnen und User eine erste Einschätzung für eine mögliche Geothermie-Bohrung. Diese ist in drei Kategorien gegliedert: Möglich, mit Einschränkungen möglich, verboten.

Leider sind noch nicht für alle Kantone die entsprechenden Daten verfügbar: die Kantone Basel-Stadt, Neuenburg und Solothurn fehlen noch, da ihre Daten nicht digital und maschinenlesbar abrufbar sind, beziehungsweise weil sie keine Karte veröffentlichen, die die Möglichkeit für Erdwärmesonden zeigt.

Was sind die wichtigsten Neuerungen der Anwendung?

Wir haben die Anwendung technisch komplett neu aufgestellt. Ihr Betrieb war wartungsintensiv, Sicherheitslücken traten immer wieder auf und mussten behoben werden. Der Automatisierungsgrad war insgesamt nicht zufriedenstellend. Die Erfahrung für die Userinnen und User war nicht ideal, die Informationen waren recht unübersichtlich. Wir haben das überarbeitet und die Anwendung nun neu auch für mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones fit gemacht.

Inhaltlich hat sich auch etwas getan. Zusätzlich zur ersten Einschätzung teilt die Anwendung dem Nutzer respektive der Nutzerin für die ausgewählte Adresse in einem separaten Kasten gleich auch den Link zur zuständigen kantonalen Stelle mit, bei der der Genehmigungsantrag gestellt werden muss. Weiter erhält die Userin respektive der User auch den Link zum kantonalen Geoportal, das die Basiskarte bereitstellt. Diese Info gibt es auch für Kantone, die keine Daten zur Verfügung stellen. Ausserdem werden mehrere nützliche Links zur Geothermie, zur Nutzung der Erdwärme, sowie zu Anbietern, die auf die Planung und Aufführung von Erdwärmesonden spezialisiert sind, angegeben.

Das heisst also, es hat sich technisch recht viel geändert. Konnte dabei auf der bestehenden App aufgebaut werden?

Die Anwendung ist das erste öffentlich sichtbare Ergebnis der laufenden digitalen Transformation des BFE unter Nutzung einer Cloud-Infrastruktur entsprechend der Strategie der Bundesverwaltung. Die zugrunde liegenden Software-Bausteine sind vollständig Open-Source, ebenso wie die produzierte Anwendung. Damit entspricht das BFE auch den Vorgaben aus dem EMBAG (Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben), das Open Source zur Norm macht. Der Automatisierungsgrad ist sehr hoch. Was die Logik betrifft, übernimmt die neue Anwendung gewisse Konzepte der alten Version.

Was ist der Vorteil? Stichwort Kosten? Abhängigkeiten?

Die Kosten und die Abhängigkeit von externen Dienstleistern waren wichtige Faktoren. Die Beschaffungsgrundlage für diese Applikation lief aus. Zwar wäre eine Neuvergabe möglich gewesen. Doch die moderne Cloud-Technologie, die Abhängigkeiten zu externen Dienstleistern und der administrative Aufwand im Betrieb waren ausschlaggebend dafür, die neuen digitalen Möglichkeiten des BFE auszuprobieren. Unsere Ziele waren, eine instabile, ressourcenaufwändige Lösung zu vermeiden, externe Abhängigkeiten zu reduzieren, Kosten zu sparen und von neuen Funktionalitäten, die moderne Technologie bietet, zu profitieren. Dies haben wir erreicht.

Zum Schluss: Die Seite «kann-ich-bohren.ch» besteht seit 2022. Wie gefragt war diese Anwendung bisher?

Es gibt praktisch keine Statistiken oder Nutzungszahlen für die alte Anwendung. Auch wenn die Zulassungskarten wahrscheinlich hauptsächlich über die kantonalen Geoportale abgerufen werden, kann davon ausgegangen werden, dass die neue Anwendung dank ihrer einfachen Suchfunktion sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen einen Mehrwert bietet

Das Monitoring wurde bei der neuen Anwendung verbessert. In der neuen Cloud-Infrastruktur BFE verfügen wir über einen strukturierten und leicht zugänglichen Überblick über die Nutzungsstatistiken, der vollständig automatisiert ist und keine zusätzlichen Kosten verursacht. Derzeit beobachten wir durchschnittlich etwa 200 Nutzungen pro Tag.

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie BFE

 

 

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In der Schweiz stehen rund 120 kommerzielle Rechenzentren mit einer Leistung zwischen 2 und 20 MW. Damit gehört die Schweiz europaweit zu den Spitzenreitern pro Kopf. Doch Rechenzentren bringen für Standortgemeinden und -kantone auch grosse Herausforderungen. Auf der Webseite von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien, findet sich neu eine Infoseite mit Tipps, was Gemeinden und Kantone beachten müssen und wie sie sich vorbereiten können.

Hoher Strombedarf, Abwärme und Wasserverbrauch

Wenn ein Rechenzentrum geplant wird, stehen Gemeinden und Kantone vor drei zentralen Fragen:

  • Wie wird der hohe Strombedarf gedeckt?
  • Wie lässt sich die entstehende Abwärme nutzen?
  • Wieviel Wasser braucht die Kühlung?

Das Beispiel Beringen SH zeigt, was auf Gemeinden zukommt.

Strombedarf: In der 5000-Seelen-Gemeinde entsteht ein neues Rechenzentrum mit einer Leistungskapazität von bis zu 40 MW. Entsprechend hoch ist der Strombedarf. Das Rechenzentrum wird gemäss Angaben der Elektrizitätswerke des Kantons Schaffhausen AG (EKS) zu Beginn 10 MW (87 GWh) Strom beziehen, im geplanten Endausbau steigt der Stromverbrauch auf bis zu 40 MW (350 GWh) an, was 72,7 % des kantonalen Verbrauchs von rund 481 GWh (Stand 2020) entsprechen würde.

Rechenzentren waren 2019 in der Schweiz für 3,6% des Stromverbrauchs verantwortlich. Aktuelle Zahlen soll die Studie des Bundesamt für Energie liefern, die derzeit erarbeitet wird.

Das derzeit grösste Schweizer Rechenzentrum ist in Volketswil ZH geplant – mit einer Anschlussleistung von gegen 100 MW. Das entspricht etwa der Leistung eines kleinen Wasserkraftwerks.

Hintergrund für den Boom beim Bau von Rechenzentren ist die Digitalisierung, die zunehmende Auslagerung der IT-Ausstattung in Rechenzentren und die wachsende Nutzung von Cloud-Diensten, was zu einem höheren Datenaufkommen führt und leistungsfähigere Datenzentren erfordert.

Für den Stromanschluss des Rechenzentrums ist EKS zuständig. Markus Niedrist, Leiter Bereich Netz bei EKS sagt: «Speziell für uns war der hohe Strombedarf – der höchste, der in der Geschichte des Unternehmens je angemeldet wurde.»

Um die erforderliche Anschlussleistung bereitstellen zu können, musste EKS ein neues Unterwerk bauen. Für die Baukosten muss der Betreiber des Rechenzentrums aufkommen.

Wasserbedarf: Auch beim Wasserbedarf waren Anpassungen nötig.

«Wir mussten genauer regeln, wieviel Wasser geliefert wird », sagt Gemeindepräsident Roger Paillard. Ein Vertrag legt fest, dass die Versorgung der Bevölkerung Vorrang hat. «Benötigt das Rechenzentrum  mehr Wasser, muss der Betreiber eine Strafzahlung leisten.»

Abwärme: Theoretisch könnten bis zu 80% des Stromverbrauchs eines Rechenzentrums als Abwärme genutzt werden. In Beringen soll ein Teil der Abwärme ins lokale Fernwärmenetz eingespeist werden, kostenlos, wie die Betreiber zugesichert haben, so Gemeindepräsident Roger Paillard. Seit Mai 2025 verlangt das kantonale Energiegesetz, dass so grosse Energieverbraucher künftig nachweisen müssen, was sie mit der Abwärme machen.

Noch offen ist, was mit der Abwärme im Sommer passiert. Die Idee ist, in einer Kiesgrube in Beringen einen künstlichen See zu realisieren, einen sogenannten Erdbeckenspeicher, der als saisonaler Speicher dienen soll.

Die zentrale Erkenntnis für den Beringer Gemeindepräsidenten: «Es hat sich gelohnt, positiv auf die Betreiber zuzugehen.» Wichtig sei es auch, sich Unterstützung bei Fachleuten zu holen sowie Ängste und Bedenken offen anzusprechen. Und er rät weiter, dass man rasch den Kanton ins Boot holt und wenn möglich auch den Bund. Und ganz wichtig sei auch der Einbezug der Bevölkerung.

Das ganze Interview mit dem Gemeindepräsidenten Roger Paillard und der Leitfaden für Gemeinden und Kantone sind auf Rechenzentren – wichtige Tipps für Kantone und Gemeinden abrufbar.

Der Leitfaden zeigt konkret auf, wie im kantonalen Energie- und Baugesetz, im kantonalen Richtplan oder in der kommunalen respektive regionalen Energieplanung die Rahmenbedingungen geschaffen werden können, damit Rechenzentren effizient sind und die Abwärme möglichst genutzt wird. Zudem enthält der Leitfaden auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Vorgehen bei einem konkreten Projekt.

Webinar Effiziente Rechenzentren

Die Veranstaltung zeigt Lösungen zur Verbesserung der Energieeffizienz durch die Nutzung von Abwärme. Themen sind weiter die Planung und Verwaltung von Rechenzentren und die Herausforderungen für die betroffenen Behörden und Standorte.

Zielpublikum: Kantone und Gemeinden

Wann: 24. März 2026 in deutsch und französisch

Details und Anmeldung hier:

Text: Brigitte Mader, Medien und Kommunikation, Bundesamt für Energie
Bild: Keystone-sda; Christian Beutler

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Seit der Gesamtsanierung 2011 setzt das Romantik Hotel Muottas Muragl im Engadin voll auf erneuerbare Energie – für Heizung, Warmwasser und Strom. Wie bewährt sich das 2012 mit dem Watt d’Or ausgezeichnete Energiekonzept auf 2’456 Metern über Meer? Weiterlesen

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2025 ist der Stromverbrauch der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um rund 1.1% bzw. 0.6 Terawattstunden (TWh) gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat die inländische Stromproduktion um rund 16.5% bzw. 13.3 TWh abgenommen. Das zeigen die provisorischen Schätzungen zur Elektrizitätsbilanz 2025 des Bundesamts für Energie (BFE). Weiterlesen

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